02.06.2026

Ohm Sustainability Campus (OSCN): Gastvortrag zu externen Effekten und Externalitäten an der TU Dortmund

Am 02. Juni 2026 hielt Felix Hirschberg (studentische Hilfskraft bei Prof. Tobias Gaugler, OSCN) eine digitale Gastvorlesung im Modul „Umwelt und Innovation“ von Prof. Bernd Sommer (Professur für Umweltsoziologie mit Schwerpunkt Transformationsforschung an der TU Dortmund) und gab in der Session einen kompakten fachlichen Impuls zur „wahre Kosten“-Kampagne mit PENNY 2023

Die Vorlesung „Einführung in die Umweltsoziologie“ widmete sich dem Themenfeld Externalisierung und externe Effekte - einem Kernbegriff der sozialökologischen Transformationsforschung. Die Einladung erfolgte vor dem Hintergrund, dass die deutschlandweite „wahre Kosten“‑Kampagne mit der Supermarktkette PENNY als prominentes Praxisbeispiel gilt, um versteckte ökologische und soziale Kosten sichtbar zu machen und gesellschaftliche Debatten über Preiswahrheit anzustoßen. Die anschließende Diskussion zeigte, wie stark praxisnahe Beispiele wie die „wahren Kosten“ dazu beitragen, theoretische Konzepte wie Externalisierung, Preiswahrheit und Transformationspfade greifbar zu machen.

 

Im Zentrum standen Hintergrund, Zielsetzung und Umsetzung der Kampagne, die Penny gemeinsam mit der Ohm und dem Team um Prof. Tobias Gaugler entwickelt hatte. Die Absicht der Aktion bestand darin, die tatsächlichen Umweltfolgekosten - verursacht durch Treibhausgasemissionen, Landnutzungsänderungen, Wasserverbrauch und weitere ökologische Belastungen - transparent zu machen und damit eine breite gesellschaftliche Debatte über Preiswahrheit anzustoßen. Die Kampagne zielte auf Bewusstseinsbildung: Sie sollte Konsumenten, Medien, Politik und Wirtschaft gleichermaßen für die Diskrepanz zwischen Marktpreisen und realen Kosten sensibilisieren. Die Aktion knüpfte an zentrale Konzepte der Umweltsoziologie an, insbesondere an die Frage, wie moderne Gesellschaften negative externe Effekte systematisch auslagern und welche Rolle Preissignale bei Transformationsprozessen spielen.

 

Die Ergebnisse der Kampagne zeigten, wie groß die Differenz zwischen Ladenpreis und tatsächlichen Umweltkosten ausfällt. Bei einzelnen Produkten lagen die „wahren Kosten“ bis zu 94 Prozent über dem regulären Verkaufspreis. Besonders deutlich wurde dies bei tierischen Produkten, deren ökologische Belastung aufgrund von Futtermittelanbau, Emissionen und Landnutzung erheblich höher ausfällt als bei pflanzlichen Alternativen. Die öffentliche Resonanz war entsprechend groß: Die Aktion löste bundesweite Medienberichterstattung aus, wurde kontrovers diskutiert und erreichte mehrere Millionen Menschen. Während viele Stimmen die Transparenz des Unternehmens lobten, gab es auch Kritik - etwa an der Frage, ob ein einzelner Lebensmitteleinzelhändler strukturelle Probleme lösen könne oder ob die Verantwortung stärker bei politischen Rahmenbedingungen liege. Gerade diese Ambivalenz machte die Kampagne zu einem wertvollen Diskussionsanlass für die Studierenden.

 

Im Kontext der Umweltsoziologie bot sie ein anschauliches Beispiel dafür, wie gesellschaftliche Aushandlungsprozesse über Verantwortung, Steuerungsinstrumente und Transformationspfade verlaufen - und wie ökonomische, politische und kulturelle Faktoren dabei ineinandergreifen. Damit schloss der Gastvortrag den thematischen Bogen zurück zur Lehrveranstaltung „Umwelt und Innovation“ an der TU Dortmund und zeigte, wie theoretische Konzepte der Umweltsoziologie durch konkrete Praxisbeispiele lebendig und diskussionsfähig werden.


Die Ohm dankt der TU Dortmund für die Einladung und freut sich über künftige fachliche Diskurse und Kooperationen. 

 

Weitere Informationen gibt es hier.

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