09.06.2026

Zoll, E-Commerce und Logistik im Wandel: Prof. Dr. Christoph Tripp im Interview mit DAKOSY

Globale Warenströme verändern sich rasant – insbesondere im E-Commerce. Neue regulatorische Rahmenbedingungen, steigende Sendungsmengen und zunehmende Anforderungen an Transparenz und Geschwindigkeit stellen Unternehmen vor grundlegende Herausforderungen. Dr. Christoph Tripp, Professor für Distributions- und Handelslogistik in der Fakultät Betriebswirtschaft an der TH Nürnberg, ordnet diese Entwicklungen in einem aktuellen Interview im Kundenmagazin von DAKOSY ein und gibt praxisnahe Einblicke in die Zukunft von Zollprozessen und Handelslogistik. 

Im Interview mit DAKOSY, einem führenden Anbieter von Software und Plattformen für Zollabwicklung und Logistikprozesse, beleuchtet Prof. Tripp die wachsende Bedeutung von Zollprozessen im internationalen E-Commerce. Angesichts von sechs Milliarden grenzüberschreitender Kleinsendungen, die jährlich in die EU eingeführt werden, entwickeln sich Zollabwicklung, Datenqualität, regulatorische Compliance und flexible Logistikmodelle zu zentralen Erfolgsfaktoren im Handel. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Prozesse nicht nur effizient, sondern auch skalierbar und fehlerfrei zu gestalten. Automatisierung, digitale Dokumentation und Echtzeitdaten spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Im Gespräch betont Tripp, dass viele Unternehmen ihre Prozesse zwar bereits optimiert haben, jedoch weiterhin strukturelle Defizite bestehen. Fragmentierte IT-Systeme, uneinheitliche Datenstrukturen und mangelnde Standardisierung führen nach wie vor zu Fehlern, Verzögerungen und zusätzlichen Kosten. Gerade im Massengeschäft mit geringwertigen Sendungen wird deutlich, wie sensibel Zollprozesse auf Ineffizienzen reagieren. „Zollprozesse zählen inzwischen zu den strategischen Kernfeldern des E-Commerce“, erläutert Tripp.

Ein weiterer zentraler Aspekt des Interviews ist die Kostenstruktur im E-Commerce. Der administrative Aufwand für Zollabwicklung nimmt zwar einen vergleichsweisen kleinen Anteil an den Gesamtkosten ein, ist jedoch aufgrund der hohen Sendungsvolumina von erheblicher strategischer Bedeutung. Unternehmen sind daher gefordert, ihre Prozesse nicht nur kosteneffizient, sondern auch resilient und zukunftsfähig auszurichten. „Zollprozesse müssen massentauglich, schnell und absolut verlässlich sein“, resümiert Prof. Tripp.

Vor dem Hintergrund aktueller regulatorischer Veränderungen – etwa der ab 1.7.2026 gelten pauschalen Zollabgabe von drei Euro pro Zollwarenkategorie auf Importsendungen aus Drittstaaten und dem für 2028 geplanten EU Customs Data Hub – wird deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen im internationalen Handel weiter verschärfen. Tripp sieht darin sowohl Risiken als auch Chancen: Unternehmen, die frühzeitig in leistungsfähige Systeme, Datenqualität und integrierte Prozesslandschaften investieren, können sich nachhaltig Wettbewerbsvorteile sichern.

Die zunehmende regulatorische Verschärfung im Zollbereich führt zudem zu einer Anpassung bestehender Logistikmodelle im E‑Commerce. Vor allem internationale E-Commerce-Marktplätze verlagern verstärkt Wertschöpfungsstufen, optimieren ihre Distributionsnetzwerke und setzen stärker auf regionalisierte Fulfillment-Strukturen, um zollbedingte Kosten, Risiken und Laufzeiten zu reduzieren. „Ich gehe davon aus, dass die asiatischen Plattformen ihre Rolle als Anbieter günstiger Konsumgüter behalten, doch sie werden insgesamt stärker auf konsolidierte Logistik und optimierte Preisstrukturen setzen“, so Prof. Tripp im Gespräch mit DAKOSY.

Das Interview unterstreicht die zunehmende Relevanz geopolitischer und regulatorischer Veränderungen in der Handelslogistik, die auch in der Forschung und der Lehre an der TH Nürnberg Berücksichtigung finden.

Das Interview ist unter dem folgenden Link abrufbar:
https://www.dakosy.de/magazin/magazin-beitraege-1/interview-mit-professor-tripp

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