30.01.2026

KI-Stammtisch „BYTES & BIER“: Praxisbeispiel aus der Industrie begeistert über 40 Gäste

Kronach. Unter dem Leitthema „Von Daten zu KI-Systemen“ fand am 29. Januar 2026 im Technologietransferzentrum Oberfranken: Digitale Intelligenz (TTZ DI) ein erneut stark besuchter KI‑Stammtisch BYTES & BIER statt. Rund 40 Fach- und Führungskräfte aus Wirtschaft, Forschung und Praxis informierten sich über aktuelle Entwicklungen im Bereich datengetriebener KI‑Lösungen und diskutierten deren Bedeutung für den industriellen Mittelstand.

Strategische Perspektive: KI als Aufgabe des Managements

Zum Auftakt stellte Dipl.-Ing. Parag Shah, CEO der Knipping Holding GmbH, die KI‑Strategie seines Unternehmens vor. Er unterstrich, dass KI-Projekte nur dann nachhaltig wirken, wenn sie strategisch auf Führungsebene verankert sind und nicht allein als IT‑Thema betrachtet werden. Knipping verfügt über jahrzehntelang strukturierte technische Dokumentationen, die heute als zentrale Basis für die Entwicklung intelligenter, datengetriebener Systeme dienen. Shah betonte: "KI ist kein IT‑Thema, sondern ein Thema der CEOs. Prozesse ohne Wertschöpfung lassen sich sehr schnell von KI unterstützen oder vollständig automatisieren.“ Sein Vortrag verdeutlichte, dass der erfolgreiche Weg von der Unternehmenshistorie zum KI‑gestützten Prozess mit einer klaren Datenstrategie beginnt.

Praxisbeispiel: KI transformiert Angebotsprozesse

Wie sich aus vorhandenen Daten konkrete Effizienzgewinne erzielen lassen, zeigte Christopher Eble anhand eines realen Anwendungsfalls aus dem Auftrags- und Angebotsprozess bei Knipping. Der Prozess war bisher stark personenabhängig und erforderte das Durchsuchen von mehr als 20.000 Dokumenten aus über 20 Jahren Unternehmenshistorie. Die neu entwickelte KI‑Lösung ermöglicht es den Mitarbeitenden heute, direkt mit den eigenen Unternehmensdaten zu „chatten“, relevante Informationen innerhalb weniger Sekunden abzurufen und historische Anfragen automatisiert wiederzufinden. Für das Unternehmen bedeutet dies deutlich reduzierte Bearbeitungszeiten, zuverlässiger Zugriff auf vergangene Erfahrungswerte und weniger Wissensverlust durch Personalwechsel.

Technische Umsetzung: Vom Datenbestand zum KI-Modell

Einen Einblick in die wissenschaftlich-technische Entwicklung gab Thanh An Dang, wissenschaftlicher Mitarbeiter der TH Nürnberg. Er erläuterte, wie das System Schritt für Schritt aufgebaut wurde – von der Datensammlung bis zum funktionierenden KI-Modell. Zentrales Element ist ein KI‑gestützter Chatbot, der Dokumente aller Art, einschließlich 3D‑Konstruktionsdaten, in strukturierten Zusammenfassungen mehrerer einzelner Daten (Kollektionen) durchsucht. Mitarbeitende können darauf aufbauend Fragen zu ihren Angebotsanfragen stellen und erhalten präzise, quellenbasierte Antworten. Ergänzend dazu analysiert das System automatisch grundlegende Parameter wie Stückzahlen, Teilenummern oder Laufzeiten. So entsteht ein schneller, übersichtlicher Einstieg in jede Anfrage. Ein weiterer Funktionsbaustein ist die Ähnlichkeitsmodellierung: Die KI vergleicht neue Bauteile mit historischen Informationen und zeigt ähnliche Konstruktionen visuell an. Dadurch wird vorhandenes Know‑how nutzbar gemacht, und mögliche Problembereiche lassen sich frühzeitig erkennen. Besonders hob er das Preisprognosemodell hervor, das Werkzeugpreise anhand von 3D‑Konstruktionsdaten vorhersagt: "Saubere, strukturierte und korrekte Daten sind entscheidend. Gemeinsam mit dem Fachpersonal von Knipping konnten wir ein KI-Modell entwickeln, das einen Werkzeugpreis sehr gut einschätzen kann, bevor eine Anfrage an den Werkzeughersteller gestellt wird. Dadurch kann ein Angebotspreis vor der Antwort des Werkzeugherstellers genannt werden.“, erklärt Dang.

Austausch, Perspektiven und nächster KI-Stammtisch

In der anschließenden Diskussion ging es vor allem um die Übertragbarkeit der gezeigten Lösungen auf andere Branchen, Herausforderungen der Datenqualität sowie den organisatorischen Wandel im Zuge der KI‑Einführung. Der KI‑Stammtisch „BYTES & BIER“ zeigte erneut, wie praxisnah das TTZ DI regionale Unternehmen dabei unterstützt, ihr Potenzial im Bereich Künstlicher Intelligenz zu erschließen – und wie der Weg von Daten zu KI‑Systemen konkret aussehen kann.

Der nächste KI-Stammtisch findet am 26. März 2026 statt. Das Thema wird KI in der Bildung sein. Bereits jetzt können sich Interessierte hier anmelden: www.th-nuernberg.de/ki-stammtisch

 

Hier geht's zur TTZ-Homepage

 

Verfasser: Mario Pfeuffer, Referent Wissenschaftskommunikation

 

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