19.06.2026

Fachtag „Demokratie und Gleichstellung unter Druck“

Demokratie und Gleichstellung sehen sich vermehrt mit Herausforderungen durch Rechtsextremismus, Antifeminismus und gesellschaftliche Polarisierungen konfrontiert. Aus diesem Grund veranstalteten die Verantwortlichen hinter dem Forschungsprojekt RESAG aus dem bayerischen Forschungsverbund ForGeRex am 18. und 19. Juni in München die Tagung „Demokratie und Gleichstellung unter Druck". Emanzipatorische Perspektiven und Strategien“, lautete ihr Titel. Damit griff die Tagung zentrale Fragestellungen des RESAG-Projekts auf, das an der OTH Regensburg und der Ohm angesiedelt ist. Im Rahmen des Projekts sollen Erkenntnisse zur Einflussnahme der extremen Rechten auf Geschlechtergleichstellung und Soziale Arbeit gewonnen werden.

Rund 120 Gäste kamen zusammen: manche mit den neuesten Forschungsergebnissen, andere mit ihren Erfahrungen aus der Praxis von Gleichstellung, Sozialer Arbeit und Beratung. Diese unterschiedlichen Perspektiven machten deutlich, wie sehr Wissenschaft und Praxis voneinander profitieren und wie sehr sich Herausforderungen in den unterschiedlichen Berufsfeldern ähneln können.

Zum Einstieg skizzierte Prof. Dr. Clarissa Rudolph von der OTH Regensburg, Sprecherin des Forschungsverbundes ForGeRex und RESAG-Projektleiterin zur Gleichstellung, die aktuellen Herausforderungen und Gefährdungen der Demokratie, insbesondere durch die extreme Rechte. Die aktuellen Gefährdungen sieht sie vor allem in den zu erwartenden Wahlergebnissen für die AfD bei den kommenden Landtagswahlen. Außerdem in Normalisierungsprozessen von menschenfeindlichen Einstellungen und Verhaltensweisen, beim zunehmenden Anti-Feminismus und bei Enttäuschungen durch - unzureichende - demokratische Prozesse deren Ergebnissen, aus denen Bürgerinnen und Bürger Konsequenzen ziehen.

Konkrete Aspekte der Demokratie- und Gleichstellungsgefährdungen waren Themen in weiteren Workshops. Insgesamt, so die Teilnehmenden, müssen demokratisches Verantwortungsgefühl und eine klare Ablehnung von Angriffen auf die Demokratie greifen, um „gewaltvollen Normalisierungsprozessen“ entgegenzutreten. Dem Anspruch auf gelebte Demokratie stehe allerdings häufig entgegen, dass sie „von unten“ - in Erziehung und Bildung - zu wenig eingeübt und „von oben“ zu wenig unterstützt werde.

Jessica Hoyer, Clarissa Rudolph, Matthias Lorenz und Renate Bitzan - die beiden letzgenannten von der Ohm - stellten die neuesten Ergebnisse des Forschungsprojektes RESAG vor. Die quantitativen Ergebnisse zu extrem rechten Einflussnahmen auf die Geschlechtergleichstellung zeigen deutlich: Gleichstellungsbeauftragte und Genderforschende sind zusehends direkten antifeministischen Einflussnahmen ausgesetzt oder stehen durch die gesellschaftlichen Verschiebungen und einer immer spürbareren Bedrohungslage vermehrt unter Druck. Das zieht teils gravierende psychische und berufliche Belastungen nach sich; zudem „verstummen Kolleginnen“, wurde in der Befragung vermerkt. Dennoch führen antifeministische Einflussnahmen auch zu öffentlicher Solidarität und können den Zusammenhalt nach innen stärken. Die Ergebnisse des Teilprojekts der Ohm zeigen, dass die extreme Rechte eine ernstzunehmende Rolle in der und für die Soziale Arbeit spielt.

Zurück
Anfahrt