13.10.2026

Obdachlosigkeit neu betrachtet

Zum World Homeless Day am 10. Oktober stand die Situation obdachloser Menschen im Mittelpunkt einer gemeinsamen Veranstaltung von der Ohm und dem Straßenkreuzer e.V. im Caritas-Pirckheimer Haus. Welche (psychischen) Herausforderungen bringt das Leben auf der Straße mit sich? Aus welchen Perspektiven kann Obdachlosigkeit betrachtet werden? Und was kann die Stadtgesellschaft tun?

Prof. Dr. Frank Sowa von der Fakultät Sozialwissenschaften führte in einem Frage- und Antwort-Gespräch mit seinen beiden wissenschaftlichen Mitarbeitenden Luca Reinold und Paula Wittmann in die Thematik der Obdachlosigkeit ein. Dabei ging es unter anderem um prekäre Biografien, verdeckte Obdachlosigkeit, insbesondere bei Frauen sowie Unterschiede zwischen Stadt und Land und rurale Wohnnungslosigkeit.

Vincent Schaarschmid, Pro-Noris-Preisträger 2026 und Absolvent der Ohm, hielt einen Vortrag über die Forschung seiner Bachelorarbeit zur niedrigschwelligen Unterstützung für psychisch erkrankte Menschen in Wohnungsnot (Nürnberger Modell-Projekt Netz).

Karola Pörschke, Teamleiterin und Projektkoordinatorin von Housing First Nürnberg, stellte einen sozialpolitischer Ansatz zur Beendigung von Obdachlosigkeit vor, der einen Paradigmenwechsel markiert: Wohnungslose Menschen erhalten sofort und bedingungslos eine eigene mietvertraglich gesicherte Wohnung als sichere Basis. Nach dem Einzug können die Bewohnerinnen und Bewohner auf Wunsch flexible, mobile Hilfs- und Beratungsangebote in Anspruch nehmen.

Die Expertinnenperspektive einer ehemals Betroffenen brachte Manja Starke ein. Starke war früher selbst wohnungslos und engagiert sich jetzt im Frauen*Salon, einem Netzwerk von und für wohnungslosigkeitserfahrene Frauen. Der Frauen*Salon bietet einen geschützten digitalen Raum, in dem Frauen sich austauschen, vernetzen und gemeinsam Strategien für ein selbstbestimmtes Leben entwickeln können.

Im Anschluss an die Kurzvorträge entstand eine rege Diskussion, bei der die Teilnehmenden nicht nur über, sondern besonders auch mit obdachlosen Menschen sprachen. Danach fand in der offenen Kirche St. Klara ein Themengottesdienst statt. Von dort starteten soziale Stadtrundgänge zu Orten, die für arme, obdachlose oder drogenabhängige Menschen von besonderer Bedeutung sind.

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