30.06.2026

30.06.2026: Lennart Stein zu Gast bei der Hamburg Sustainability Conference im Abaton-Kino in Hamburg

Vom Wachstum zum Wandel: „The Cost of Growth" und die „wahren Kosten“ unserer Ernährung.

Im Rahmen der Hamburg Sustainability Week veranstaltete der Ernährungsrat Hamburg einen öffentlichen Filmabend mit der Dokumentation „The Cost of Growth" von Lena Hartog und Anuna De Wever mit anschließender Podiumsdiskussion. Der Film zeigt, wie ein auf stetiges Wachstum ausgerichtetes, extraktives Wirtschaftssystem Lebensräume, Nahrungsquellen und Ökosysteme in Europa unter Druck setzt. Anhand von Beispielen aus Italien, Rumänien und Finnland stellt die Dokumentation zugleich Menschen vor, die sich diesen Entwicklungen entgegenstellen, und zeigt, dass ein Wandel hin zu nachhaltigeren Wirtschaftsweisen möglich ist.

Der Film selbst behandelt das Ernährungssystem nicht im Detail; dieses stand jedoch im Mittelpunkt des anschließenden Filmgesprächs. Moderiert von Sophie Wolters (Ernährungsrat Hamburg) diskutierte Lennart Stein (wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand bei Prof. Gaugler, BW) die sogenannten „wahren Kosten" unserer Ernährung. Stein war Teil des Forschungsteams rund um Prof. Gaugler, das 2023 in allen deutschen Penny-Supermärkten die „wahren Kosten“ von neun Produkten auswies, welche ökologische und - je nach Methodik - auch soziale Auswirkungen der Lebensmittelproduktion ausweisen, die sich üblicherweise nicht im Ladenpreis niederschlagen, sondern etwa im Gesundheitswesen oder durch Umweltschäden an anderer Stelle anfallen.

 

Im Zentrum des Gesprächs stand u.a. eine Studie von Stein, Oebel und Gaugler zu den möglichen Effekten einer Anpassung der Mehrwertsteuer auf tierische und pflanzliche Produkte in Deutschland. Vor dem Hintergrund der 2022 geänderten EU-Mehrwertsteuerrichtlinie modelliert die Studie zwei Maßnahmen: eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf ökologische vegetarische Lebensmittel auf 0 % sowie eine Anhebung der Mehrwertsteuer auf konventionelles Fleisch und Fisch auf 19 %. Auf Basis historischer Bio-Marktanteile und Preiselastizitäten berechnet die Studie mögliche Veränderungen von Konsummustern, Steuereinnahmen und externen Klimakosten. Die Ergebnisse zeigen, dass der Anteil ökologischer Lebensmittel am Konsum durch eine solche Reform um 21,83 % steigen könnte. Trotz der Steuerabsenkung auf ökologische vegetarische Produkte ergäben sich durch die höhere Besteuerung konventioneller Fleischprodukte zusätzliche Steuereinnahmen von rund 2,04 Mrd. Euro pro Jahr. Gleichzeitig könnten durch geringere externe Klimakosten infolge eines stärkeren Konsums ökologischer und vegetarischer Lebensmittel jährlich Umweltkosten in Höhe von etwa 5,31 Mrd. Euro vermieden werden.

 

Im Publikum waren weitere Mitglieder des Ernährungsrats vertreten, die unter anderem von ihrem Engagement im Qualitätszirkel „Schulverpflegung“ berichteten, wo sie sich für einen stärkeren Fokus auf pflanzliche, regionale und ökologische Ernährung einsetzen. Auch die „Doughnut Coalition“ war vor Ort und stellte dem Publikum ihren gesamtwirtschaftlichen Ansatz vor, der darauf abzielt, wirtschaftliches Handeln innerhalb sozialer und planetarer Grenzen zu halten.

Weitere Informationen zur Veranstaltung gibt es hier https://hamburg.news.slowfood.de/i/Ohh98X6SbfbuiKsTUWu8j4by_DTe_gqOdgj3kN97Emlu0eLyPOjhtQ oder hier https://www.sustainability-conference.org/en/week-programm/the-cost-of-growth-und-die-wahren-kosten-unserer-ernahrungurg , zusätzlich findet sich die Studie zur Anpassung der MwSt. hier https://link.springer.com/article/10.1007/s11625-024-01477-7ability Science | Springer Nature Link

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