25.09.2026

KI verändert Mitarbeiterentwicklung: Vertrauen, Lernkultur und neue Kompetenzen im Fokus des 10. KI-Stammtischs

Über 30 Teilnehmende diskutieren im TTZ Digitale Intelligenz über Kompetenzen, Lernen und Führung im KI-Zeitalter

Wie entwickeln wir Menschen weiter in einer Arbeitswelt, in der Wissen jederzeit verfügbar ist und Künstliche Intelligenz zunehmend Aufgaben übernimmt? Mit dieser Frage beschäftigte sich der 10. KI-Stammtisch „BYTES & BIER“ im Technologietransferzentrum Digitale Intelligenz (TTZ DI) am Lucas-Cranach-Campus in Kronach. Unter dem Titel „KI und Mitarbeiterentwicklung: Chancen, Grenzen, Perspektiven“ kamen mehr als 30 Teilnehmende aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um über die Zukunft von Weiterbildung, Kompetenzentwicklung und Führung im KI-Zeitalter zu diskutieren.

Bereits vor Beginn der Veranstaltung wurde deutlich, wie relevant das Thema für die Region ist. In lockerer Atmosphäre wurden erste Kontakte geknüpft und aktuelle Erfahrungen aus Unternehmen, Organisationen und Institutionen ausgetauscht. Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, wie sich Mitarbeiterentwicklung verändert, wenn Wissen jederzeit verfügbar ist und KI zunehmend als Werkzeug im Arbeitsalltag genutzt wird.

Von Wissen zu Wirkung: Warum KI Mitarbeiterentwicklung grundlegend verändert

Den Einstieg in den Abend übernahm Sandra Fischer.  Die zentrale Botschaft:

Wir erleben nicht nur eine neue Technologie, sondern eine Veränderung dessen, was Kompetenz bedeutet.

Während Wissen früher häufig einen Wettbewerbsvorteil darstellte und Weiterbildung vor allem auf den Aufbau und die Speicherung von Wissen ausgerichtet war, verändert KI heute den Umgang mit Informationen grundlegend. Wissen ist jederzeit verfügbar, KI kann Inhalte strukturieren, aufbereiten und anwenden. Der Unterschied entsteht zunehmend durch die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu verstehen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.

Dabei hob Sandra Fischer drei zentrale Entwicklungen hervor:

1. Aufgaben verändern sich

Nicht zwangsläufig „KI ersetzt Menschen“, sondern häufiger: „Menschen mit KI ersetzen Menschen ohne KI.“ Ob Recherche, Schreiben, Programmierung oder Kundenservice: KI unterstützt bereits heute zahlreiche Arbeitsprozesse und verändert die Art der Aufgabenerledigung.

2. Rollen verändern sich

Expertenwissen entsteht zunehmend weniger durch reines Fachwissen. Gefragt sind künftig Menschen, die Informationen bewerten, einordnen und KI-Ergebnisse kritisch prüfen können. Auch die Fähigkeit, gute Prompts zu formulieren und KI sinnvoll in Arbeitsprozesse zu integrieren, gewinnt an Bedeutung.

3. Lernen wird kontinuierlicher

Der klassische Weg

Bedarf → Seminar → Zertifikat → Anwendung

wird zunehmend ergänzt durch

Situation → KI-Unterstützung → Reflexion → Weiterentwicklung.

Mitarbeiterentwicklung auf drei Ebenen

Im weiteren Verlauf beleuchtete der Vortrag die drei Ebenen erfolgreicher Mitarbeiterentwicklung. Auf Ebene des Individuums stehen KI-Kompetenz, Lernfähigkeit, Selbststeuerung und kritisches Denken im Vordergrund. Teams benötigen eine Kultur des gemeinsamen Experimentierens, den Austausch von Best Practices und die Bereitschaft, neue Arbeitsweisen zu entwickeln. Für Organisationen werden klare Orientierung, Zeit zum Lernen, der Zugang zu Werkzeugen und Führungskräfte als Lernbegleiter immer wichtiger.

Neues Veranstaltungsformat: Drei Themenräume für drei Perspektiven

Anschließend überraschte das Organisationsteam die Teilnehmenden mit einem neuen Diskussionsformat. Statt einer gemeinsamen Diskussionsrunde konnten die Gäste erstmals zwischen drei Themenräumen wählen und entsprechend ihrer Interessen aktiv an der Diskussion teilnehmen.

Themenraum 1: Neue Kompetenzen – Welche Skills brauchen Mitarbeitende im KI-Zeitalter?

Unter der Moderation von Jakob Lieb (Lucas-Cranach-Campus Stiftung) diskutierten die Teilnehmenden die Frage, welche Kompetenzen künftig an Bedeutung gewinnen. Das Ergebnis war eindeutig: Neben KI-Kompetenz werden vor allem kritisches Denken, analytische Fähigkeiten, Problemlösungskompetenz sowie die Fähigkeit zur Einordnung und Bewertung von Informationen wichtiger. Die Diskussion zeigte deutlich, dass KI menschliche Kompetenzen nicht ersetzt, sondern deren Bedeutung verändert.

Themenraum 2: KI als Lernpartner – Wie verändert KI Weiterbildung und Lernen?

Im von Sandra Fischer moderierten Themenraum standen Chancen und Herausforderungen KI-gestützter Lernprozesse im Mittelpunkt. Diskutiert wurden individualisierte Lernangebote, digitale Lernbegleiter, KI-gestützte Wissensvermittlung sowie Lernen direkt im Arbeitsprozess. Gleichzeitig beschäftigten sich die Teilnehmenden mit Fragen zu Qualitätskontrolle, Eigenverantwortung und Datenschutz.

Die zentrale Erkenntnis: KI kann Lernen unterstützen, individualisieren und beschleunigen – den eigenen Kompetenzaufbau jedoch nicht ersetzen.

Themenraum 3: Organisation & Führung – Wie schaffen wir Entwicklung trotz Veränderungsdruck?

Unter der Moderation von René-Christian Effinger standen die organisatorischen Voraussetzungen erfolgreicher Mitarbeiterentwicklung im Fokus. Diskutiert wurden insbesondere Vertrauen, Transparenz und Unternehmenskultur. Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit der Frage, wie Unternehmen Orientierung geben, Unsicherheiten begegnen und Führungskräfte zu Lernbegleitern entwickeln können. Ebenso wurde die Bedeutung klarer Leitplanken für den erfolgreichen Einsatz von KI hervorgehoben.

Positive Resonanz auf das neue Format

Beim abschließenden gemeinsamen Sum-up präsentierten die drei Gruppen ihre wichtigsten Erkenntnisse. Die Teilnehmenden hatten sich nahezu gleichmäßig auf die Themenräume verteilt. Das neue Format wurde durchweg positiv bewertet und ermöglichte intensive Diskussionen, unterschiedliche Perspektiven und einen praxisnahen Austausch auf Augenhöhe.

Auch nach dem offiziellen Programm blieb das Thema präsent. Beim anschließenden Come-together wurde weiter diskutiert, reflektiert und genetzwerkt.

Drei zentrale Erkenntnisse des Abends

Der 10. KI-Stammtisch machte deutlich:

  • KI macht Kompetenzen nicht unwichtiger, sondern wichtiger.
  • Weiterbildung entwickelt sich zunehmend zu einem kontinuierlichen Prozess im Arbeitsalltag.
  • Vertrauen, Orientierung, Lernkultur und Führung sind entscheidende Erfolgsfaktoren für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz.

Damit zeigte der Abend eindrucksvoll: Die Zukunft der Arbeit entscheidet sich nicht allein an neuen Technologien. Entscheidend sind Menschen und Organisationen, die bereit sind, Lernen, Entwicklung und Veränderung aktiv zu gestalten.


Nächster KI-Stammtisch

Der KI-Stammtisch „BYTES & BIER“ findet am 3. Dezember 2026 statt zum Thema

BYTES, BIER & BOTS: Die Zukunft der Servicerobotik

 

Hier geht's zur Anmeldung

 


Verfasser: Mario Pfeuffer, Referent Wissenschaftskommunikation

 

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