Das Forschungsprojekt EviDroN blickt auf die kritische Situation drogenkonsumierender Personen in Nürnberg, die von hohen Hospitalisierungsraten und vielen Drogentoten geprägt ist. Zurückführen lässt sich diese Situation auch auf die restriktive und repressive Drogenpolitik Bayerns, welche drogenkonsumierenden Personen kaum Alternativen zu riskanten Konsumpraktiken bietet.  Diese Formen des Konsums führen wiederum zu einer hohen Belastung für die Notaufnahmen, wodurch lebensbedrohliche Folgen für andere Notfallpatient*innen durch eine verzögerte Behandlung entstehen können. Als potenzielle Lösung wird im Rahmen des „Nürnberger Modells der Drogenhilfe“ die Einrichtung von „Geschützten Räumen“ eingebracht, in denen Drogenkonsum unter professioneller Begleitung und hygienischen Bedingungen stattfinden kann. Trotz wiederholter internationaler Forschung zur bestätigten Wirksamkeit solcher Maßnahmen stoßen diese in Bayern bisher auf gesellschaftliche und politische Widerstände.

Projektdauer: 01.2024 - 12.2024

Projektleiter: Prof. Dr. Christian Ghanem

AnsprechpartnerInnen: Prof. Dr. Christian Ghanem und Tamara Wild

Forschungsprojekt auf einen Blick

Projektziele:

EviDroN strebt an, auf bestehenden studentischen Forschungen im Kontext des „Nürnberger Modells" aufzubauen. Das Ziel ist eine umfassende Analyse verschiedener professioneller Perspektiven in der Drogenprävention Nürnbergs. Durch die standardisierte Befragung politischer Entscheidungsträger*innen, Verwaltungsmitarbeitender in relevanten Bereichen sowie des Fachpersonals der Suchthilfe soll ein detaillierter Einblick in die Expert*innenmeinungen zu den Möglichkeiten und Grenzen der Implementierung von „Geschützten Räumen“ gewonnen werden. Dieser Forschungsansatz reflektiert die Dringlichkeit des Themas, die auch im Stadtrat zunehmend Anerkennung findet. Im Rahmen dieses Projekts werden die Fortschritte und Ergebnisse fortlaufend in den Fachdiskurs eingebracht u.a. mit der Erarbeitung eines Beitrags für eine internationale Fachkonferenz und der Ausarbeitung einer Publikation in einer Fachzeitschrift. Abschließend wird der Fokus auf die Konzeption und Ausformulierung eines Antrags für die Gewinnung von Drittmitteln für ein Folgeprojekt gelegt.

Projektablauf:

Da das Projekt in enger Kooperation mit den Beteiligten des „Nürnberger Modells“ umgesetzt wird, ist der konkrete Ablauf relativ offen. Geplant ist zunächst eine standardisierte Umfrage zu entwickelt, die einen Überblick über die Expertise von politischen Entscheidungsträger*innen sowie Mitarbeitenden von Suchthilfeeinrichtungen gibt. Möglichkeiten und Herausforderungen der Einrichtung von Drogenkonsumräumen sollen dadurch identifizieren werden. Die Entwicklung der Variablen für die Online-Umfrage basiert dabei auf einer systematischen Durchsicht internationaler Studien zur Implementierung von Drogenkonsumräumen. Die Befragungsdaten werden mittels deskriptiver und multivariater Analysen ausgewertet, um sowohl grundlegende Verteilungen und Muster als auch mögliche Einflüsse auf eine erfolgreiche Implementierung von Drogenkonsumräumen zu identifizieren. Die Ergebnisse werden einen Überblick über die unterschiedlichen Perspektiven auf die Implementierung von Drogenkonsumräumen geben und mögliche Strategien für eine evidenzbasierte Suchthilfe aufzeigen. In enger Zusammenarbeit mit den Projektpartner*innen werden diese Ergebnisse diskutiert und in die kommunalpolitische Diskussion eingebracht.