Innovation ist „das, was für innovativ gehalten wird“ (Hauschildt/Salomo 2007: 24) und „Innovationen entstehen vor allem in den Köpfen der Menschen – und diese gilt es, unter den Bedingungen der Mediengesellschaft (…) zu erreichen.“ (Zerfaß/Möslein 2009: VI). Diese Feststellungen unterstreichen die Bedeutung von Kommunikation für die Verbreitung von Innovationen, aber eben auch die Bedeutung von Kommunikation für das Zustandekommen von neuen Märkten für innovative Produkte und Lösungen.

Im Mittelpunkt der Forschung zu „Innovationskommunikation“ stehen Projekte und Analysen zur Vermittlung und Konstruktion von Innovationen, zu Innovationsmanagement und zur Kommunikation soziotechnischer Zukünfte. Hierzu zählt auch der Themenbereich des „Innovation Journalism“, der in Schweden entwickelt worden ist.

Banholzer, v. (2016): Technikjournalismus und die soziale Konstruktion von Märkten – Zum Beitrag fachjournalistischer Kommunikation in medialisierten Technik- und Innovationsmärkten. Schriftenreihe der TH Nürnberg, Band 61. Nürnberg. PDF-Download

Kontakt: volkermarkus.banholzer(at)th-nuernberg(dot)de

Kulturelle Bedingungen der kommunikativen Adaption von Innovationen – Norwegen und Deutschland im Vergleich

Beitrag für die Jahrestagung 2019 der EUKO: „Wirtschaftskommunikation und Mobilität“ an der Wirtschaftsuniversität Wien 19.-21.09.2019

Prof. Volker M. Banholzer:

Ist Industrie 4.0 gleich Industry 4.0? Kulturelle Bedingungen der kommunikativen und konzeptionellen Adaption von Technologien und Innovationen – Deutschland und Norwegen im Vergleich

Abstact:

Industrie 4.0 hat sich als Begriff für das Konzept der Digitalisierung der industriellen Produktion in der wirtschaftspolitischen und gesellschaftlichen Debatte der vergangenen Jahre in Deutschland etabliert (vgl. Banholzer 2018). Das Konzept kann als kommunikativer Erfolg innerhalb der High-Tech-Strategie der deutschen Bundesregierung (vgl. BMBF 2015 und BMWi 2015) gewertet werden und findet auch Resonanz in anderen westlichen Industrienationen. So hat die Regierung von Norwegen 2017 offiziell eine „Industry 4.0-Strategy“ vorgestellt (vgl. Storting 2017) und die Ansätze des deutschen Konzepts Industrie 4.0 als Vorbild definiert.

Angesichts der neueren Forschung zu kulturellen Barrieren bei der Adaption von Innovationen ist zu fragen, ob auch der Verlauf der „Vierten Industriellen Revolution“ kulturbedingte Unterschiede aufweist. In der deutschen Debatte um Industrie 4.0 wurde bereits ein ausgeprägter nationalspezifischer Charakter ausgemacht und kritisiert (vgl. Hirsch-Kreiensen 2016) und auch erste Analysen beschreiben bei der norwegischen Rezeption und Adaption des Konzepts Industrie 4.0 landesspezifische Besonderheiten (vgl. Eleftheriadis/Myklebust 2018).

Der Vortrag beschreibt Industrie 4.0 als soziotechnische Vision, die einerseits bestimmte Werte und Ordnungsvorstellungen beinhaltet (vgl. Joly 2017) und deren Adaption kontextualisiert in einem bestimmten kulturellen Rahmen erfolgt (vgl. Pfotenhauer/Jasanoff 2017) und damit einer Veränderung unterliegt. Daran anschließend stellen sich Fragen nach der Kommunikation gemeinsamer technischer oder soziotechnischer Ziele und Visionen, zum Beispiel einer gemeinsamen Technologie- und Innovationspolitik der Europäischen Union oder in der internen oder externen Kommunikation von international operierenden Technologiekonzernen. Denn konzentriert sich der Diskurs in Deutschland vor allem auf Kontexte von Effizienz und Produktivität bzw. den Veränderungen der Arbeitswelt, wird Industry 4.0 in Norwegen als Mittel zur industriellen Diversifizierung gesehen und diskutiert. An der unterschiedlichen Konnotation des Konzepts Industrie 4.0 in Norwegen und Deutschland wird deutlich, dass Kommunikation von vermeintlich eindeutigen technologischen Konzepten kulturbedingt unterschiedlich ausfallen muss (vgl. Schmidt 2018).


Literatur:

Banholzer, Volker M. (2018b). Gestaltungsdiskurs Industrie 4.0: Akzeptanzaspekte, Frames, Institutionalisierungen. In: Siems/ Papen (eds.) (2018). 221-238.

BMBF (2015): Bundesministerium für Bildung und Forschung: Industrie 4.0 – Innovationen für die Produktion von morgen. 2. Auflage. https://www.bmbf.de/pub/Industrie_4.0.pdf (Abgerufen am 20.02.2016).

BMWi (2015): Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Industrie 4.0 und Digitale Wirtschaft Impulse für Wachstum, Beschäftigung und Innovation. https://www.bmwi.de/BMWi/-Redaktion/PDF/I/industrie-4-0-unddigitale-wirtschaft,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf (Abgerufen am 20.02.2016).

Eleftheriadis, Ragnhild J./Myklebust, Odd (2018). Industry 4.0 and Cyber Physical Systems in a Norwegian Industrial Context. In: Wang et al. (eds.). Advanced Manufacturing and Automation VII. Lecture Notes in Electrical Engineering 451. Singapore: Springer Nature. 491-499.

Hirsch-Kreiensen, Hartmut (2016). Industrie 4.0 als Technologieversprechen. D.i. Soziologische Arbeitspapiere Nr. 46/2016. TU Dortmund.

Joly, Pierre-Benoît (2017). Beyond the Competitiveness Framework? Models of Innovation Revisited. In: Journal of Innovation Economics & Management 2017/1, No 22. p. 79-96.

Pfotenhauer, Sebastian/Jasanoff, Sheila (2017). Panacea or diagnosis? Imaginaries of innovation and the ‘MIT model’ in three political cultures. Social Studies of Science 2017, Vol. 47(6) 783–810.

Schmidt, Christopher M. (2018). Technik der Kommunikation als kulturbedingte Konzeptualisierungs-Traditionen. In: Siems/Papen (eds.) (2018), pp 19-37.

Siems, Florian U./Papen, Marie-Christin (eds.) (2018). Kommunikation und Technik. Ausgewählte neue Ansätze im Rahmen einer interdisziplinären Betrachtung. Wiesbaden: Springer VS.

Storting (2017). Industrien – grønnere, smartere og mer nyskapende. Melding til Stortinget 27/2016-2017. Tilråding fra Nærings- og fiskeridepartementet 31. March 2017.

Listening Center spürt Diskussionen zu Technik und Innovationen auf

Der Forschungsschwerpunkt Innovationskommunikation bekommt sein eigenes Listening Center, um in den Social-Media-Kanälen Trend- und Stimmungsverläufe zu Innovations- und Technikthemen zu erforschen. Das Listening Center wird auch für Lehr-Forschungsprojekte mit Verlagen und für die strategische Unternehmenskommunikation von Firmen und Organisationen eingesetzt.

Was denkt das Netz zu Technologiethemen wie Industrie 4.0, Digitalisierung oder Künstliche Intelligenz? Das sind die Fragen, denen der Forschungsschwerpunkt Innovationskommunikation der Technischen Hochschule Nürnberg bereits seit einem Jahr mit der Methode Social Listening nachgeht. Dazu wurden in einer Kooperation mit der Rheinischen Post aus Düsseldorf das Listening Center der Redaktion genutzt und entsprechende Daten erhoben und ausgewertet. Mit dem eigenen Tool können die Projekte vertieft werden, so zum Beispiel der Nutzen von Social-Listening für die strategische Unternehmens- und Organisationskommunikation. Gerade für Think Tanks, Organisationen und Cluster sowie Unternehmen bietet das Organizational Listening Potentiale, die eigene Positionierung sowie die Wahrnehmung der eigenen Institution zu verbessern. Das Listening Center wird bei der Rheinischen Post seit einigen Jahren erfolgreich für die redaktionelle Arbeit genutzt. Für das Projekt ist die Rheinische Post mit dem Innovationspeis NOVA durch den Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger ausgezeichnet worden. Auch Google hat im Rahmen seiner Digital News Initiative das Listening Center gefördert.