Verkehr ist ein Querschnittsthema, dessen Untersuchungsgegenstand noch nie auf rein bautechnische Aspekte beschränkt blieb. 

Genau vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass Verkehr eben ein typisch interdisziplinäres Thema ist, haben sich die Initiatoren unseres neuen Master-Studiengangs "Urbane Mobilität (Verkehrsingenieurwesen)" zum Ziel gesetzt, diese Interdisziplinarität auch außerhalb der Hochschule transparenter zu machen. In diesem Rahmen wurde die neue Vortragsreihe "Verkehr und Mobilität" ins Leben gerufen, in welcher wir ganz bewusst das gesamte Spektrum des Verkehrs von den ökonomischen über die technischen bis zu den soziologisch-psychologischen Aspekten unseren Studierenden, aber vor allem auch allen mit dem Thema Verkehr befassten Institutionen und Personen in der Region Nürnberg nahe bringen wollen.

Vortragsreihe 21.06.2018

Der Vortrag im Juni wurde von Herrn Dr. Thomas Kneitz, Geschäftsführer der CIK Campus Innovations Kultur GmbH in Kronach, über das Thema „Mobilitätskonzepte mit autonomen und elektrischen Fahrzeugen“ gehalten.             
Zunächst berichtete Herr Kneitz über Entwicklungstrends im Bereich der E-Mobilität und führt das Publikum in aktuelle Zahlen der Stromerzeugung und des Verbrauchs ein.    
Basierend auf diesen Fakten zieht er den Schluss, dass bei einer vollkommenen Elektrifizierung der momentan 45 Mio. Fahrzeuge in Deutschland, 185 Terawatt (1 Terawatt entspricht einer Billion – 1012 – Watt) mehr Strom benötigt werden würde. Somit steht der Elektromobilität, die meist als nachhaltige und grüne Verkehrslösung deklariert wird, neben der Recyclinglücke insbesondere die sog. Erzeugungslücke im Weg.               
Weitaus positiver präsentiert Herr Dr. Kneitz das autonome Fahren, dessen Funktion er vor allem in der Versorgung des ländlichen Raums sieht. So spielt dieser Trend in Kronach und Umgebung eine wesentliche Rolle und die ersten Weichen für eine autonome Fahrzeugflotte in Bayern sind gestellt:
Auf einer 1,8 Kilometer langen und vierspurigen Straße, die von Neuses nach Kronach führt, werden autonome Autos von der Firma Valeo getestet. Eine Sondergenehmigung des bayerischen Innenministeriums macht dies möglich. Die nächste Teststrecke soll von Kronach über Kulmbach nach Hof, teilweise auf der A9, verlaufen. Das besondere an diesen beiden Teststrecken ist die komplette Integration der Fahrzeuge in das Verkehrsgeschehen inkl. Lichtsignalanlagen, Kreisverkehren, Vorfahrtsregelungen, Fußgängern und Radfahrern.       
Wollen wir hoffen, dass Politik und Technik der Umsetzung weiterhin nicht im Wege stehen!   

Vortragsreihe 19.04.2018

Am Donnerstag, den 19.04.2018, referierte Herr Levent Toprak, Advisor GIZ, Sector Project Sustainable Mobility über das Thema „German Partnership for Sustainable Mobility (GPSM) – Gathering German Knowledge on Sustainable Mobility in a Unique Network".
Bei dieser Kooperation geht es darum, grüne Mobilitäts- und Logistiklösungen aus Deutschland in Entwicklungsländern vorzustellen und langfristig umzusetzen. Als Plattform für den Austausch von Wissen, Know-how und Erfahrungen unterstützt GPSM einerseits die Transformation in Richtung Nachhaltigkeit in Entwicklungs- und Schwellenländern. Dabei werden insbesondere die Digitalisierung und die Sensibilisierung für Nachhaltigkeit als die zwei wesentlichen Bausteine gesehen, die zur Attraktivierung des ÖVs und umweltfreundlicherer Mobilität in Entwicklungsländern führen. Andererseits wird auch nach alternativen Mobilitätskonzepten im Ausland gesucht, von denen Deutschland lernen und profitieren kann. GPSM soll als Netzwerk von Informationen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verbänden dienen.       
Wir möchten uns bei Herrn Toprak für den Vortrag bedanken und hoffen, dass solche Kooperationen durch ihre Synergieeffekte noch viele Projekte bereichern werden.  

Plakat Vortragsreihe 19.04.2018

Vortragsreihe 22.03.2018

Der dritte Vortrag im Jahr 2018 wurde zum Thema „Heute den Verkehr der Zukunft gestalten“ von Herrn Dr. Korda, Abteilungsleiter Verkehrsplanung im Amt für Stadtentwicklung und Stadtplanung der Stadt Erlangen, gehalten. In gut 60 Minuten stellte er den Vortragsbesuchenden den Verkehrsentwicklungsplan Erlangen 2030 vor.
Aufgrund des kompakten Stadtkörpers sowie der flachen Topographie ist Erlangen prädestiniert für einen hohen Fuß- und Radverkehrsanteil und somit bekannt als die Fahrradstadt Bayerns. Die Einbahnstraßen werden in Gegenrichtung für die Fahrradfahrer freigegeben, die Benutzungspflicht auf engen Radwegen aufgehoben und neue Abstellanlagen errichtet. Dass der Radverkehr im Fokus der Erlanger Verkehrsplanung steht, wird auch durch dessen Bevorrechtigung an wichtigen Achsen und der steigenden Anzahl an Fahrradstraßen deutlich.
Doch Erlangen hat auch mit einigen Herausforderungen zu kämpfen: Durch die positive Arbeitsplatzentwicklung gilt die Stadt als „riesiger Verkehrserzeuger“, sodass die tägliche Anzahl an Einpendlern für einen hohen mIV-Anteil im Gesamtverkehr sorgt. Diese Pendlerproblematik soll durch die geplante Standumlandbahn (StUB), die Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach miteinander verbindet, aufgegriffen und entlastet werden. Bis zur Realisierung des Straßenbahnsystems soll das neu konzipierte Busliniennetz die Erreichbarkeit der Arbeitgeber verbessern. Durch zahlreiche Durchmesserlinien werden gezielt die Arbeitsbezirke angefahren und der ÖPNV weniger zentrumsfokussiert ausgerichtet. In diesem Zusammenhang wird auch die Verlagerung des Busbahnhofs – vom Hugenottenplatz zur Güterbahnhofstraße bei den Arcaden – diskutiert.
Was den mIV anbelangt wird eine Parkraumbewirtschaftung im Innenstadtbereich angestrebt, die in Tarifzonen eingeteilt wird und somit missbräuchliche Nutzung wertvoller Parkflächen verhindern soll.
Ein stadtweites Mobilitätsmanagement soll unter Einbeziehung der Bürger und Arbeitgeber dazu beitragen, das stadt- und umweltverträgliche Mobilitätsverhalten zu fördern und einen gewissen Anteil des mIV langfristig auf den Umweltverbund zu verlagern.
Wir bedanken uns recht herzlich für den sehr informativen und kompetenten Vortrag von Herrn Dr. Korda.

Plakat Vortragsreihe 22.03.2018

Vortragsreihe 15.02.2018

Am Donnerstag, den 15.02.2018, stellte Christian Schlenk das Start-up-Unternehmen Parking Pilot vor. Da die fünf jungen Erfinder vom Gründerzentrum Zollhof unterstützt werden, fand der Vortrag auch in diesem Monat wieder in der Kohlenhofstraße in Nürnberg statt.
Der Parking Pilot ist ein Sensorsystem, welches via Ultraschall den Belegungsstatus eines Parkplatzes erkennt und in Echtzeit an die entsprechende Software übermittelt. Durch eine gezielte Navigation zu freien Parkplätzen kann somit Parksuchverkehr reduziert und bis zu 30% des innerstädtischen Verkehrsaufkommens vermieden werden. Zudem profitieren insbesondere Supermärkte von dem System, da durch die Anzeige der Parkzeit Zweckentfremdungen des Parkplatzes identifiziert werden können. Auch die Freihaltung kritischer Verkehrsbereiche, wie Feuerwehrzufahrten, können durch den Parking Pilot kontrolliert werden.
Der wesentliche Vorteil des Sensors, welches ihn auch von vergleichbaren Produkten abhebt, ist die einfache Installation. Der Pilot wird auf den Boden des Parkplatzes geklebt und kann mit entsprechendem Mittel wieder gelöst werden, sodass keine Eingriffe in den Oberbau notwendig sind. Mit Hilfe eines speziellen Klebers ist der Sensor auch gegen Diebstahl und Witterungen geschützt.  
An dieser Stelle möchten wir uns für den sehr interessanten Vortrag bei dem Start-up bedanken und wünschen den Gründern weiterhin viel Erfolg bei der Revolutionierung des Parkraummanagements.

Plakat Vortragsreihe 15.02.2018

Vortragsreihe 18.01.2018

Am Donnerstag, den 18.01.2018 referierte Herr Dr. Michael Lehmann von der Siemens AG über das Thema „Oberleitungskonzepte für Hybrid-Lkw – Entwicklung und Erprobung des Siemens eHighway".
Nachdem zuerst die Bahnsignaltechnik und im Anschluss daran die Schienenfahrzeuge elektrifiziert wurden, ist es nun an der Zeit auch den Straßengüterverkehr entsprechend aufzurüsten und somit die Effizienz elektrifizierter Bahnstrecken mit der Flexibilität von Lkws zu einer innovativen Güterverkehrslösung zu kombinieren. Dies soll auf sogenannten e-Highways umgesetzt werden, welche Lkws – mit Stromabnehmern ausgestattet – über eine Oberleitung mit elektrischer Energie versorgen sollen. Durch einen Hybridantrieb sollen auch Überholmanöver und das Befahren von nicht elektrifizierten Streckenabschnitten ermöglicht werden. Der Hintergedanke dabei ist durch die reduzierte Nutzung von fossilen Brennstoffen und das Verhindern von lokalen Emissionen wie CO2 oder Stickoxiden die Umwelt zu schonen.
Praktische Anwendungen sind bereits auf mehreren Straßen und in unterschiedlichen Ländern zu finden. Auf einem Teilstück der Autobahn E16 in Schweden, der Shuttle-Verkehr an den US-Häfen in Los Angeles und Long Beach, oder auf der Teststrecke der A5 in Deutschland wird der e-Highway derzeit getestet.
Doch birgt das Projekt auch (noch) Problematiken, wie Dr. Lehmann berichtete: Hinsichtlich der Infrastruktur stellen beispielsweise Entwässerungsgräben, Brücken, Tunnel sowie Beschilderungen und die Statik der Oberleitungsmaste Herausforderungen dar, die der e-Highway mit sich bringt. Weiterhin stellt sich die Frage, wer die Umrüstung der Infrastruktur und der Fahrzeugtechnik sowie den Betrieb bzw. die Instandhaltung finanzieren soll. 

Plakat Vortragsreihe 18.01.2018

Vortragsreihe 19.10.2017

Wie im Oktober 2016, wurde auch dieses Jahr wieder aus der Forschungswerkstatt der TH Nürnberg berichtet. Dabei wurde den Mitgliedern der DVWG, Studierenden und anderen Interessenten im Rahmen der Vortragreihe verschiedene Forschungsprojekte aus den Verkehrs- und Mobilitätswissenschaften vorgestellt. Drei Themen, die teilweise abgeschlossene, teilweise noch weiterzuentwickelnde Forschungsergebnisse zu sehr unterschiedlichen Aspekten im Verkehrswesen behandeln, wurden von Masterstudenten und Mitarbeitern der TH Nürnberg präsentiert.

1.     Entwicklung einer Softwareanwendung zur automatisierten Auswertung von miskroskopischen Verkehrsmodellen

cand. M.Eng. Stefan Bluwas

Herr Bluwas stellte die im Rahmen seiner Masterarbeit entwickelte Softwareanwendung vor, mit welcher die Auswertungen von mikroskopischen Verkehrsmodellen, wie PTV Vissim, möglich sind. Verkehrsbelastungen, Verlustzeiten oder Staulängen werden abhängig vom zuvor modellierten Knotenpunkt oder Querschnitt automatisch berechnet und graphisch aufbereitet. Bislang mussten diese Daten per Hand aus dem Programm kopiert und in Excel entsprechend ausgewertet werden. Durch die Anwendung spart man sich nun Zeit und Fehler bei der Erstellung von Gutachten, und kann innerhalb kürzester Zeit aktuelle Verkehrssituationen oder künftige Prognosen beurteilen.

2.     Softwareunterstützte Erhebungsverfahren im Verkehr

Dipl.-Ing. (FH) Katharina Martin, cand. M.Eng. Daniela Schlenker

Frau Katharina Martin und Daniela Schlenker berichteten über drei verschiedene softwareunterstützte Verfahren, die Verkehrserhebungen teilweise automatisieren und erleichtern. Die Umsetzung aller drei Projekte erfolgte in Kooperation mit der Fakultät AMP und/oder Informatik.
Die bereits im vorherigen Jahr vorgestellte Applikation für Verkehrsquerschnitts- und Knotenpunkterhebungen wurde nun in ihrer fertigen Version präsentiert. Anschließend referierte Frau Schlenker über eine neue Anwendung für Prakraumerhebungen, welche die Erfassung und simultane Codierung von Kfz-Kennzeichen miteinschließt. Hier besteht alllerdings noch weiterer Forschungsbedarf, um die effiziente Nutzung des Programms in der Praxis sicherzustellen.
Zuletzt wurde von Frau Martin der aktuelle Entwicklungsstand zur automatisierten Auswertung von Verkehrsvideoaufnahmen vorgestellt. Die Vorgehensweise und Herausforderungen beim Tracking von Fußgänger- und Fahrzeugbewegungen sowie die dadurch mögliche Zählung von Verkehrsströmen an Knotenpunkten und Querschnitten waren hierbei die entscheidenden Themenpunkte.

3.     RecapSpace - Studentischer Wettbewerb Salzburger Verkehrstage 2017

cand. M.Eng. Florian Meyer, cand. M.Eng. Cedric Steinbach, cand. M.Eng. David Pereira v. Loock, cand. M.Eng. Philipp Lang

Das dritte Forschungsprojekt wurde von einer Studentengruppe aus dem Masterstudiengang Urbane Mobilität vorgestellt, die beim diesjährigen Ideenwettbewerb der Salzburger Verkehrstage teilnahm und den dritten Platz belegte.
Ihr Konzept beeinhaltet eine Umgestaltung des Nürnberger Plärrers aus städtebaulicher und verkehrsplanerischer Sicht. Diese wurde in einem in PTV Vissim integriertem Sketch-Up Modell anschaulich präsentiert. Die Idee des Projekts war einen Mobility Hub zu schaffen, welcher eine multimodale Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel bietet, gleichzeitig Raum für Begegnung und Aufenthalt schafft und Aktivitäten, wie Arbeiten, Einkaufen und Freizeit bündelt. Durch die Diversität des Aktivitätenangebots können somit individuelle Wege und Wegstrecken reduziert werden. Um die erforderlichen Informationsflüsse zwischen den einzelnen Aktivitäten für Akteure bereitzustellen und eine Kommunikation verschiedener Mobility Hubs einer Stadt untereinander zu gewährleisten, wurde eine Lösung für mobile Endgeräte konzipiert und der Prototyp dafür vorgestellt. So können individuelle Wege- und Aktivitätenketten in der Applikation eingestellt werden und die entsprechende Reisezeit abhängig von den gewählten Verkehrssystemen und der Tageszeit wird berechnet. Ebenso können Störungsmeldungen über dieses System in Echtzeit übermittelt werden, was eine schnelle individuelle Reaktion der Nutzer und damit eine höhere Akzeptanz begünstigt.

Die angeregte Diskussion unter den Anwesenden gab den Studierenden und Betreuern wichtige Impulse zur Weiterentwicklung ihrer Forschung. Wir möchten uns bei den Vortragenden bedanken, dass sie uns einen so tollen Einblick in die studentische Forschung der TH Nürnberg gegeben haben. Desweiteren wollen wir uns bei den Studierenden bedanken, die an den Projekten mitarbeiten und so die Forschung an unserer Hochschule voranbringen.

Plakat Vortragsreihe 19.10.2017

Vortragsreihe am 21.09.2017

Am Donnerstag, den 21.09.2017, referierte Hannes Hinnecke, Stadt Nürnberg, Bürgermeisteramt, Stab Stadtentwicklung, über das Thema „Stadtentwicklung Nürnberg. Mobilität integriert denken“. Aufgrund der Semesterferien fand die Veranstaltung im Zollhof Nürnberg (Kohlenhofstraße 60,90443 Nürnberg) statt.

Aufgabe der Stadtentwicklung ist es, Wechselwirkungen zwischen Verkehr, Siedlung und Bevölkerung zu erfassen und dadurch vernetzte, lebendige Viertel in einer wachsenden Stadt zu schaffen.
Zu Beginn führte Herr Hinnecke die Vortragsbesucher durch aktuelle Zahlen und Tendenzen der Nürnberger Bevölkerungs- und Verkehrsentwicklung: Seit Jahren bleibt der Modal Split der Stadt nahezu unverändert und der MIV-Anteil dominiert mit 43%. Ziel sei daher den Umweltverbund auf insgesamt 70% zu erhöhen und den MIV auf 30% zu reduzieren. Wann oder ob dieses Ziel überhaupt erreicht werden wird, ist noch unklar, denn aktuell sorgt das Bevölkerungswachstum für einen Anstieg der PKW-Zahlen.
Damit einhergehend kommt es in der Stadt zur Schließung von Baulücken und Erschließung von neuen Wohnanlagen. An den Standorten Tiefes Feld, Bruneckerstraße und Wetzendorf sollen neue Stadtteile entstehen, die zur Verdichtung der Stadt beitragen und nach dem Vorbild der Smart City geplant werden. Durchmischte Aktivitäten sowie kulturelles Nebeneinander sollen den Vierteln einen lebendigen und lebenswerten Charakter verschaffen. Des Weiteren sollen unter dem Motto „Verkehrsgerechtigkeit“ die Straßenräume untereinander gerecht aufgeteilt werden und gute Verbindungen zwischen dem ÖPNV und dem Radverkehr gestärkt werden.
Angesichts dieser Entwicklungen bewirbt sich Nürnberg für den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025.

Plakat Vortragsreihe 27.09.2017

Vortragsreihe am 22.06.2017

Am Donnerstag, den 22.06.2017 referierten Herr Prof. Dr.-Ing. Ralf Bogdanski und sein Mitarbeiter M.Eng., M.A. Marius Bayer von der Fakultät Betriebswirtschaft der TH Nürnberg über das Thema 

„Nachhaltige Stadtlogistik – Erfahrungsbericht aus Nürnberg“.  

Bei der Diskussion zum Thema Luftverschmutzung in unseren Städten geht es auch immer wieder um die Verkehrsteilnehmer, welche ständig im Stadtgebiet unterwegs sind. Dabei wird meistens an den öffentlichen Personennahverkehr gedacht. Die Paketlieferdienste hingegen werden nicht bedacht, obwohl sie mit drei Milliarden Sendungen pro Jahr in Deutschland und einer Wachstumsrate von 10 % pro Jahr ebenfalls einen nicht zu vernachlässigenden Anteil am Verkehr ausmachen. Dabei sind die Lebensmittellieferungen, die ebenfalls stark zunehmen noch gar nicht berücksichtigt. Fast alle Paketlieferungen in Deutschland werden als so genannte Adresszustellungen direkt zu den Bestellern gebracht. Dieser Umstand kann aus Gründen der Kundenfreundlichkeit und der Konkurrenz der Versandunternehmen nicht einfach und schnell geändert werden. Auch die Effizienz und Auslastung der Lieferdienste ist bereits auf einem hervorragenden Stand. Die einzige Möglichkeit Pakete umweltfreundlicher zu liefern besteht also in der Änderung des Antriebs der Lieferwägen. 

E-Alternativen sind nur bedingt auf dem Markt vorhanden und rechnen sich erst ab einem Dieselpreis von mindestens 3,50 €/L. Dazu wird noch die Ladetechnik benötigt, welche in den 3,50 €/L nicht mitberücksichtigt ist. Erdgas wäre als Brückentechnologie geeignet, aber die finanzielle Planungssicherheit ist durch die Politik auf fünf Jahre begrenzt. 

Als weitere Alternative gibt es sogenannte Mikro-Depot-Konzepte. In der mobilen Version wird ein LKW im öffentlichen Raum abgestellt und sein Inhalt zu Fuß und mit Sackkarren ausgeliefert. Das Problem dabei ist die fehlende Rechtssicherheit, da für das Abstellen des LKWs im öffentlichen Raum eine Sondergenehmigung erforderlich ist. Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung wäre gering, wenn an jeder Straßenecke ein LKW als Mikro-Depot stünde. 

Die in Nürnberg, in einem ersten Feldversuch, umgesetzten stationären Mikro-Depots benötigen eine Fläche von ca. 100 m2, eine LKW-Zufahrt, sowie eine mindestens 1,20 m breite Tür, durch die mit Lastenfahrrädern mit Elektrounterstützung gefahren werden kann. Die Schwierigkeit dabei ist nicht die Verfügbarkeit geeigneter Räumlichkeiten, sondern diese zu finden. Die Lastenräder sind Einzelanfertigungen, die nicht schnell in großen Stückzahlen zur Verfügung stehen. Einen Service gibt es nicht, was bei dem erhöhten Verschleiß aber notwendig wäre. Die Räder und Bremsen sind nicht für die Belastung und Laufzeit ausgelegt. An Lösungen dazu wird gearbeitet. Dabei werden auch die Bedürfnisse neuer Anwender, wie Apotheken und Lebensmittelversender, die eine Temperaturregelung während des Transportes benötigen, mit bedacht. 

Die Lastenfahrräder haben eine 5-jährige Sondergenehmigung für die Fußgängerzone. Sie sind in der Nürnberger Innenstadt und einem Wohngebiet der Nürnberger Südstadt unterwegs. Aktuell werden 10 Sprinter durch 5 Räder und 6 Sprinter ersetzt. Die höchste, mögliche Ausbaustufe wären 8 Räder und 3 Sprinter. Ein Sprinter kann, wenn der Einsatzort richtig gewählt wird, durch 1,1 bis 1,3 Lastenfahrräder ersetzt werden. Für große oder schwere Pakete werden weiterhin Transporter eingesetzt. Die Rad fahrenden Disponenten sind ihren motorisierten Kollegen zeitlich überlegen, da sie die Vorteile der Radfahrer nutzen dürfen. So ist es ihnen gestattet gegen Einbahnstraßen zu fahren und Radwege zu benutzen. Die vergleichsweise kleinen Gefährte blockieren deutlich seltener den Verkehr auf den Straßen durch Parken und die Fahrer müssen keine langen Strecken zwischen ihrem Fahrzeug und der Lieferadresse zu Fuß zurücklegen.  

Die beteiligten Unternehmen GLS und dpd bekommen keine staatliche Unterstützung für den Feldversuch. Das ist auch nicht notwendig, da die Lastenfahrräder den Unternehmen schon jetzt Geld einsparen. 

Wir bedanken uns bei Herrn Prof. Dr.-Ing. Bogdanski und Herrn Bayer für den spannenden Einblick in die Logistik vor unserer Haustüre. 

Plakat Vortragsreihe 22.06.2017

Vortragsreihe am 11.05.2017

Am 11.05.17 referierte Dipl.-Kfm. Robert Schätzle, Projektmanager bei Quattron Management Consulting GmbH, über die ETCS-Sicherungstechnik der Bahn und deren Einführung auf dem Korridor A (Emmerich – Basel).  

 ETCS – European Train Control System – dient der europaweiten Vereinheitlichung und Standardisierung der Eisenbahn-Sicherungstechnik, sodass ein durchgehendes Fahren auch über Grenzen hinweg und im Nachbarland möglich ist. Insgesamt ist die Sicherungstechnik nach drei verschiedenen Ebenen organisiert:  ETCS Level 1 LS soll künftig die unterschiedlichen Zugbeeinflussungssysteme in Europa, wie zum Beispiel die PZB-Technik oder integra-Signum, für Fahrten ≤160km/h ersetzen. ETCS Level 2 Full Supervision ist für Strecken mit einer Geschwindigkeit >160Km/h geeignet, soll somit die LZB-Technik ablösen und zeichnet sich durch eine ständige Kommunikation zwischen Fahrzeug und Streckenzentrale aus, wofür allerdings elektronische Stellwerke benötigt werden. ETCS Level 3 ist momentan noch in der Entwicklung. Dabei sollen sogenannte Moving-Blocks, die die bisherigen festen Blockabschnitte ersetzen sollen, realisiert werden.

 Doch die vereinfachte Zugsicherung bringt auch zahlreiche Herausforderungen mit sich. Neben den entstehenden Kosten für die Ausstattung der Infrastruktur und der Loks, ist die Umsetzung der Streckenumrüstung durch Sperrpausen schwierig, da der Verkehr kontinuierlich weiterfließen muss. Des Weiteren erschweren die zahlreichen involvierten Länder, Partner und Betroffenen, die sich stets absprechen müssen und aufeinander angewiesen sind, einen zeitnahen Realisierungsprozess.  

Plakat Vortragsreihe 11.05.2017

Vortragsreihe am 20.04.2017

Herr Dr. Tobias Kretz, Vissim Product Manager, PTV Group referierte am 20.04.2017 unter dem Titel "Fußgängersimulation - wie und wozu? Über die Mikrosimulation von Fußgängern, deren Anwendung in der Planung und ihre empirischen Grundlagen".

 Ob bei Großveranstaltungen wie Konzerten und Messen oder an stark frequentierten Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen und Flughäfen, die Anwendung von Fußgängersimulationen gewinnt im Zuge der stetig wachsenden Mobilität zunehmend an Bedeutung. Dabei besteht die Herausforderung darin, das spontane und meist irrationale Verhalten der Fußgänger zu simulieren und somit festzustellen wie viele Menschen wie viel Platz einnehmen und wie lange sie sich wo aufhalten.

 Fußgänger sind nicht des Laufens Willen unterwegs, sondern um an ein bestimmtes Ziel zu gelangen; Dieses Ziel gilt es mit Hilfe von Simulationen für die wachsenden Fußgängerströme in Ballungsräumen schnell und sicher erreichbar zu machen und die Sicherheit im Fall von Gefahrensituationen zu gewährleisten. Jedoch sind Simulationen keine neuen Erkenntnisse oder Tatsachen, sondern verarbeiten diese lediglich, sodass Denkfehler und Fehleinschätzungen vermieden werden.

 Doch wie ist es möglich das vollkommen subjektive Verhalten von Fußgängern realitätsgetreu abzubilden? Hierfür wird der Prozess der Simulation zunächst in drei Schritte eingeteilt: die Eingabe (Geometrie, Routen, Anzahl der Fußgänger), die Verarbeitung (räumlich, zeitlich, dynamisch) und die Ausgabe (Reisezeit). Bei den dazu notwendigen Daten ist zu beachten, dass zwischen den Fußgängern nicht nur physische, sondern auch soziale und psychologische Kräfte wirken, deren Größe von der Personendichte abhängig ist. So halten Menschen in der Regel zu fremden Personen einen gewissen Mindestabstand ein oder reagieren mehr auf das, was vor ihnen liegt, als auf das, was sich hinter ihnen befindet. Diese empirischen Erhebungen stammen meist aus Labor- oder Feldversuchen. Um die Daten nun im Modell zu berücksichtigen, gibt es verschiedene Ansätze, wie das Social-Force-Modell (Fußgängerverhalten wird durch ein Magnetfeld mit abstoßender Wirkung ggü. anderen Personen / Hindernissen oder anziehender Wirkung auf bestimmte Orte ausgedrückt), das Modell der zellulären Automaten (Fußgängerverhalten wird durch Nachbarschaftsrelationen von belebten / unbelebten Zellen in Form einer Gittergeometrie abgebildet) oder das Velocity-Obstacles-Modell (Fußgängersimulation erfolgt durch Navigation dynamischer Hindernisse).

 Wie diese Theorie in der Praxis umgesetzt werden kann, zeigte Herr Kretz den Vortragbesuchenden anhand verschiedener Projekte der PTV Group wie der Evakuierung eines Rockkonzertes oder der Umgestaltung eines Verkehrsknotenpunktes in Straßburg zugunsten der Fußgänger.

 Wir danken Herrn Dr. Tobias Kretz für diesen sehr interessanten Vortrag, mit dem er uns zeigte, dass es durchaus möglich ist, das scheinbar unberechenbare Verhalten der Fußgänger zu simulieren.

Plakat Vortragsreihe 20.04.2017

Vortragsreihe am 19.01.2017

Herr Andreas Fehr, Lead Service Designer, insertEFFECT und Herr Benno Bartels, Geschäftsführer, insertEFFECT stellten am 19. 01. 2017 unter dem Titel

"Das Handy liegt näher als der Autoschlüssel - Mit Service Design und Open Source auf dem Weg zur gemeinsamen Mobility-Flatrate"

einen Teil Ihrer Arbeit vor.

Der Besitz eines eigenen Autos galt lange als Weg zur mobilen Freiheit, doch stattdessen bekamen wir autofreundliche Städte, incl. großer Straßen und Staus, statt ästhetische und menschenfreundliche Städte. Die Automobilbranche sieht die Zukunft in der Entwicklung von E-Autos und autonomem Fahren, was das Verkehrsaufkommen nicht mindern wird.

Das eigene Auto macht den Alltag einfacher, weil man sich einfach hineinsetzt und losfährt. Um Fahrzeiten, unterschiedliche Gebührenordnungen und die optimale Kombination unterschiedlicher Verkehrsmitteln, wie Bus, Straßenbahn und U-Bahn, muss man sich mit einen eigenen Auto nicht kümmern.

Wie wäre also eine App, die mir eine optimale Route mit verschiedenen ÖPNV-Anbietern zusammenstellt? Das gibt es ja schon. Und wie wäre es, wenn ich Tickets verschiedener Anbieter über eine App kaufen kann? Auch das gibt es schon. Was es noch nicht gibt, ist EIN Ticket für Bus, Bahn, Leihwagen und Leihrad. Im Mittelpunkt der Entwicklung sollte der Kunde stehen und nicht die Interessen des ÖPNV. Denn die wahre Konkurrenz des Busses ist nicht die Bahn sondern der private PKW. Wenn „Mobility as a Service“ (MaaS) verstanden wird, steigt die Attraktivität des ÖPNV, das Verkehrsaufkommen sinkt und es wird eine völlig andere Art der städtebaulichen Planung möglich.

Größere und kleinere Firmen haben schon hohe Investitionen im Bereich mobiler Anwendungen für die Zukunft der Mobilität getätigt, von denen sich aber keine durchsetzen konnte. Sie alle wollen mit Ihrer Entwicklung das Monopol. Wirklich funktionieren kann der Kampf gegen den motorisierten Individualverkehr aber nur, wenn die Mobilitätsdienstleister zusammenarbeiten.

Das soll in einem jetzt gestarteten, von der EU geförderten, ersten Versuch angegangen werden. Die Idee hinter OpenMaaS ist eine quelloffene Plattform für Mobilitätsdienstleister, Bezahlservices, Routenwahlprogramme, etc. So können Standards entstehen, gleichzeitig bleibt das System aber flexibel um auf lokale Besonderheiten eingehen zu können. 

Das ist ein weiterer Versuch im Wandel der Mobilität, der Städteplanung, der Lebensqualität und des Umweltschutzes. Wir wünschen viel Erfolg und bedanken uns für den sehr interessanten Vortrag.

Plakat Vortragsreihe 19.01.2017

Vortragsreihe am 15.12.2016

Wir laden Sie gerne zur nächsten Gemeinschaftsveranstaltung zusammen mit der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft (DVWG) im Rahmen der Vortragsreihe "Verkehr und Mobilität"ein. 

Am Donnerstag, den 15.12.2016 wird Herr Felix Walchshöfer, Geschäftsführer / CEO, Teamchallenge GmbH, einen Vortrag zum Thema:

"Der eigentliche Triathlon – Eventlogistik für den DATEV Challenge in Roth"

halten.

Im Anschluss findet die alljährlich Weihnachtsfeier der Vortragsreihe "Verkehr un Mobilität" statt.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen.

Plakat Vortragsreihe 15.12.2016

Vortragsreihe am 17.11.2016

Frau Prof. Dr. phil. Heidi Krömker, Leiterin des Instituts für Medientechnologie der Technischen Universität Ilmenau stellte am 17. 11. 2016 unter dem Titel

 „PLANST DU NOCH ODER LEBST DU SCHON? MOBILITY EXPERIENCE IM ALLTAG“

 einen Teil Ihrer Arbeit vor.

 Der Öffentliche Verkehr ist im ländlichen Raum besonders schwach ausgebaut. Um das Kosten-Nutzen optimiert zu verbessern soll eine Informationsplattform aufgebaut werden, die neben den gängigen Bus- und Bahnverbindungen auch individuelle Mobilitätsdienstleistungen anzeigen soll, wie etwa Carsharing.

In Ballungsräumen dagegen ist das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs oft schon sehr gut ausgebaut. Je nach Nutzer gibt es allerdings unterschiedliche Anforderungen an ein gutes Informationssystem im ÖV. Deshalb wird eine App entwickelt, die sowohl Verspätungen und daraus folgende Alternativrouten für z. B. Pendler, als auch ganze Reiserouten über einen Tag erstellt. Die App richtet sich nach spezifischen Nutzerprofilen und gibt so die für den jeweiligen Anwender wichtigsten Informationen aus. Überlässt man seiner App die Planung des Tages, so nimmt sich diese die Termine aus dem Kalender und berechnet dafür ideale Routen und Verkehrsmittel. Erledigungen, die nicht an fixe Termine gebunden sind, werden dabei bestmöglich in den Tagesablauf integriert.

An dieser Stelle möchten wir Frau Prof. Dr. phil. Heidi Krömker herzlich für den informativen Vortrag und die angeregte Diskussion danken.

Plakat Vortragsreihe 17.11.2016

Vortragsreihe am 20.10.2016

Die Veranstaltung zur Lehrforschung an der TH Nürnberg wurde vom Leiter des Masterstudiengangs Urbane Mobilität (Verkehrsingenieurwesen), Herrn Prof. Dr. Harald Kipke initiiert und gab den Anwesenden einen Blick in die studentischen Forschungsprojekte im Rahmen der Verkehrs- und Mobilitätsforschung. Drei Studierende zeigten ihre bisherigen Forschungsergebnisse zu sehr unterschiedlichen Aspekten im Verkehrswesen. Die Interdisziplinarität des Verkehrswesens zeigte sich u.a. auch darin, dass alle drei Studierenden aus unterschiedlichen Studiengängen und Fakultäten stammen.

1.     Entwicklung einer mobilen Applikation für Verkehrserhebungen 

Valentin Vizens, cand. M.Eng., (Int. Bauwesen)

Hans Herzog cand. B.Sc. (Informatik)

Herr Viezens stellte die unter der Leitung von Prof. Dr. Harald Kipke und seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter, Herrn Schwenteck M.Eng. entwickelte mobile Software-Applikation für Verkehrserhebungen vor. Diese App ermöglicht es, die üblichen Strichlisten bei Verkehrszählungen durch Eingabe in ein Smartphone oder Tablet zu ersetzen. Die Daten werden nach Abschluss der Zählung zusammen mit den Standortkoordinaten und einem Standortfoto an einen Server weitergeleitet. Von diesem kann man die ausgewerteten Daten herunterladen, ebenso wie die Rohdaten, um diese weiterzuverarbeiten. Eine Erweiterung der App um weitere Bestandteile, wie u.a. Parkierung oder Verkehrsstromerfassung ist beabsichtigt.

2.     Automatisierung des Rangierbetriebs in Güterbahnhöfen

Johanna Klein, cand. M.Eng. (Urbane Mobilität)

Frau Klein stellte die von Prof. Dr. Martin Cichon und seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter, Herrn Roman Schaal M.Eng. betreute Masterarbeit zu den technischen Voraussetzungen zur Umsetzung des automatisieren Betriebs in Rangierbahnhöfen vor. Dazu musste sie Schienen und Weichen als Knoten und Kanten mit Hilfe der Graphentheorie abbilden. Anders als in einem Straßenverkehrsnetz, liegen in einem Gleisnetz jedoch Besonderheiten vor, die eine Abwandlung/Ergänzung der üblichen Knotenabbildung erforderlich machen. Aus den Graphen kann der kürzeste Weg zwischen Start und Ziel der Rangierlok berechnet werden. Ziel des Vorhabens ist es, den Rangierbetrieb unter Einbezug weiterer Widerstandskenngrößen wie u.a. die Geschwindigkeit aber auch die Belegung der Gleise etc. zu optimieren, so dass Rangierabläufe schneller durchgeführt werden können.

3.     Aspekte der interdisziplinären Fußgängerforschung

Jennifer Botzki, cand. M.Arts (Architektur)

Sophie Hellmann, cand. M.Arts (Architektur)

Frau Botzki stellte in dem von den Professoren Ingrid Burgstaller, Harald Kipke und Gunar Tausch initiierte Projekt zur Fußgängerforschung den aktuellen Stand der Forschung vor. Fußgänger müssen in der Mobilitätsforschung anders behandelt werden als Kraftfahrzeuge. Sie bewegen sich im Gegensatz zu Autos nicht auf geraden Linien. Sie ändern ihre Richtung schnell und werden dabei von ihrer subjektiven Wahrnehmung stark beeinflusst. Architekten, Soziologen und Ingenieure nähern sich der Frage der Abbildung des Einflusses von Fußgängerentscheidungen z.T. auf unterschiedliche Weise. Während in der Architektur und im Städtebau vor allem die morphologische Stadtraumwahrnehmung entscheidungsrelevant ist und Stadträume unterschiedlich stark „integriert“ sind (Space Syntax-Methode) werden Routenwahlentscheidungen und mikroskopische Verhaltensweisen im Verkehrsingenieurwesen tendenziell mechanistisch behandelt. Die Gruppe von Frau Botzki verglich die beiden Herangehensweisen, die je nach unterstellter Fußgängernetzstruktur große Ähnlichkeit aber auch Abweichungen zeigten. Die Ursachen hierzu werden im Rahmen des Forschungsprojekts noch weiter untersucht, ebenso wie die Verifizierung der Space Syntax-Methode durch empirische Messungen, die derzeit in Nürnberg-Gostenhof durchgeführt werden.

Die angeregte Diskussion unter den Anwesenden gab den Studierenden und Betreuern wichtige Impulse zur Weiterentwicklung ihrer Forschung. Wir möchten uns bei den Vortragenden danken, dass sie uns einen so tollen Einblick in die studentische Forschung der TH Nürnberg gegeben haben. Desweiteren wollen wir uns bei den Studierenden bedanken, die an den Projekten mitarbeiten und so die Forschung an unserer Hochschule voranbringen.

Plakat Vortragsreihe 20.10.2016

Vortragsreihe am 16.06.2016

Herr Thomas Neubauer, Geschäftsführer Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e. V., referierte am 16.06.2016 im Rahmen der Vortragsreihe Verkehr und Mobilität über das Thema:

"Fahrradfreundliche Kommunen in Bayern - Netzwerk für mehr Radverkehr in Bayern".

Viele Kommunen haben erkannt, dass durch eine engagierte Radverkehrsförderung die Lebensqualität ihrer Bürger verbessert und aktuellen Herausforderungen begegnet werden kann. Die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern (AGFK Bayern) wurde im Jahr 2012 gegründet und setzt sich als Netzwerk zum Ziel, im Rahmen einer umweltfreundlichen Nahmobilität besonders den Radverkehr zu fördern. Die Mitgliedskommunen haben sich anspruchsvolle Aufnahmekriterien gegeben, denen sie gerecht werden müssen. Die Aufnahmekriterien zeichnen in ihrer Gesamtheit in den vier Feldern der Radverkehrsförderung, Infrastruktur, Service, Kommunikation und Information das Bild einer fahrradfreundlichen Kommune. Durch Bereisungen erhalten die Mitglieder von einer unabhängigen Bewertungskommission jeweils ein Feedback zum Stand der Radverkehrsförderung und können dann ihr Handeln darauf abstellen.

An dieser Stelle möchten wir Herrn Thomas Neubauer herzlich für den sehr informativen Vortrag danken.

Plakat Vortragsreihe 16.06.2016

Vortragsreihe am 12.05.2016

Am 12.05.2016 referierte Herr Dipl.-Ing. Frederik Nöth M.S. (Referent Strategische Planung und Projekte, VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg) über das Thema:

NADINE - Tür-zu-Tür Navigation im ÖPNV

Unter Federführung der VAG Nürnberg bearbeiteten die drei Forschungseinrichtungen Universität Regensburg, Fraunhofer IVI und IIS zusammen mit der Firma Hansecom und dem Verkehrsunternehmen EVAG aus Erfurt gemeinsam das Forschungsprojekt NADINE. Ziel des Verbundprojektes war die Umsetzung einer räumlich und inhaltlich übertragbaren, durchgängigen, fahrpreissensitiven Tür-zu-Tür-Navigation im ÖPNV. Das Projekt lief von November 2012 bis Dezember 2015 und wurde vom BMWi gefördert.

Herr Nöth stellte dem Publikum detailliert die Funktionen von NADINE vor. Angelehnt an die Funktionen an ein Pkw-Navigationsgerät, sollte es NADINE dem Kunden ermöglichen sich möglichst einfach im ÖPNV Netz navigieren zu lassen. Die Navigation erfolgte hierbei über die Nutzung verschiedener Signale (GSM, GPS, WLAN) und der in einem Smartphone integrierten Sensoren (Kompass, Beschleunigungssensor etc.). 

Herr Nöth ging zudem auf die Hindernisse während der Entwicklung von NADINE ein, wie z. B. die Bereitstellung und Pflege der hinterlegten Daten oder die asynchrone Kommunikation der Endgeräte.

An dieser Stelle möchten wir Herrn Dipl.-Ing. Frederik Nöth M.S. herzlich für den überaus informativen Vortrag und die anschließende Diskussion danken

Vortragsreihe am 21.04.2016

Die Technologie selbstfahrender Fahrzeuge entwickelt sich mit höchster Dynamik. Die ersten vollautonomen Fahrzeuge werden in wenigen Jahren ohne menschlichen Eingriff - sogar leer - fahren können und dabei nicht nur am Autobahnverkehr, sondern auch am städtischen Straßenverkehr teilnehmen.

Die Technologie hat das Potenzial, Verkehrsunfälle erheblich zu reduzieren, den Energieverbrauch je Fahrzeugkilometer zu senken und die Kapazität unserer Verkehrsinfrastruktur zu steigern. Sie wird darüber hinaus tiefgreifende Veränderungen der individuellen Mobilität und des öffentlichen Verkehrs nach sich ziehen.

In diesem Vortrag wurde nach einer kurzen Betrachtung des aktuellen Entwicklungsstandes und aktueller Vorhaben zur Einführung selbstfahrender Fahrzeuge auf die Folgen für die Geschäftsmodelle im Verkehrswesen eingegangen. Autonome Fahrzeuge werden dazu führen, dass Mobilität zunehmend als Dienstleistung in Form von Flotten selbstfahrender Taxis, CarSharing Fahrzeuge und Busse angeboten wird. Dadurch ergeben sich vielfältige Herausforderungen und Chancen sowohl für die Autoindustrie als auch für die Anbieter im öffentlichen Nah- und Fern-verkehr.

An dieser Stelle möchten wir Herrn Dr. rer. oec. Alexander Hars herzlich für den überaus spannenden und lehrreichen Vortrag danken.

Vortragsreihe am 17.03.2016

Die Hamburger Energieinformationsagentur "Energy Comment" ordnet den Straßenverkehr als das zweitwichtigste Klimaproblem ein. Dem öffentlichen Nahverkehr kommt demnach als energiesparende Alternative zum Pkw eine wichtiger werdende Rolle zu. Die öffentliche Hand ist gefordert, die Rahmenbedingungen für einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr zu schaffen. Der Nahverkehrsplan ist hierfür ein wichtiges Planungsinstrument, da es den öffentlichen Willen an der Gestaltung des ÖPNV in einer Region definiert und von hoher Verbindlichkeit für alle Beteiligten ist.

Im Vortrag wurde zunächst dargestellt, wie der Nahverkehrsplan in die Gesetzeshierarchie einzuordnen ist und welche Auswirkungen dieser für die Vergabe von Verkehrsleistungen bewirkt. Da der Nahverkehrsplan das Verkehrsangebot einer Region für eine längere Zeit definiert, ist es notwendig, bei der Erstellung des Plans auf eine umfassende Öffentlichkeitsbeteiligung zu achten.

Der Vortrag ging im Speziellen auf die Beteiligungsmöglichkeiten der Fahrgastverbände wie den VCD ein, welche im Rahmen der Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes im Jahr 2011 gestärkt wurden.

Wir danken Herrn Dipl.-Betriebswirt (FH) Gerd Weibelzahl herzlichen für den interessanten Vortrag und die anschließende, sehr spannende Diskussion.

Vortragsreihe am 21.01.2016

Am Donnerstag, den 21.01.2016 referierten die Herren Dipl.-Geogr. Dirk Domhardt (Leiter Abt. Verkehrsplanung, Verkehrsverbund Großraum Nürnberg VGN) und Dipl.-Ing. Robert Wunder (stellv. Leiter Verkehrsplanungsamt, Stadt Nürnberg) zum Thema:

„Der steinige Weg zum barrierefreien Ausbau der ÖPNV-Stationen“

Nach einem kurzen Überblick über die Kenndaten des Verbundgebietes der VGN ging Herr Dipl.-Geogr. Domhardt auf die baulichen Auswirkungen einer barrierefreien Mobilität ein. Zwar sind die Haltestellen und Fahrzeuge des Verbundgebietes bereits zu einem großen Teil barrierefrei, trotzdem gibt es für eine vollständige Barrierefreiheit noch Handlungsbedarf (z. B. Rampen, Aufzüge, Bahnsteigkanten etc.). Barrierefreiheit wird mittlerweile nicht nur als Notwendigkeit, sondern ebenfalls als Qualitätsmerkmal angesehen und zählt deshalb zu den vorrangigen Handlungsfeldern. 

Herr Dipl.-Ing. Robert Wunder berichtete über die Hindernisse des barrierefreien Ausbaus aus Sicht der öffentlichen Hand. Zwar sind die Straßenbahnhaltestellen in Nürnberg bereits fast vollständig barrierefrei, jedoch müssen noch viele Bushaltestellen, vor allem bezüglich der Einstiegshöhe und der Nähe des Fahrzeugs zur Bordsteinkante, optimiert werden. Die hierfür notwendigen, baulichen Änderung stehen jedoch häufig im Konflikt mit anderen Aspekten (Abstand zur nächsten Haltestelle, bauliche Gegebenheiten etc.), was zu einer langen Planungszeit führt.

Beide Vortragenden konnten den Teilnehmern das Thema "Barrierfreiheit" durch viele interessante Beispiele näher bringen. Zudem waren sie sich einig, dass das die Zielsetzung des Freistaates "Bayern barrierefrei 2023" in finanzieller und zeitlicher Hinsicht sehr optimistisch angesetzt ist.

An dieser Stelle möchten wir Herrn Dipl.-Geogr. Dirk Domhardt und Herrn Dipl.-Ing. Robert Wunder herzlich für die überaus spannenden und lehrreichen Vorträge danken.