27.09.2012

Workshop "Gender and Far Right Politics in Europe"

Veranstaltung am 27. und 28. September am OHM zum nicht zu unterschätzenden Problem des Rechtsextremismus

Rechtsextremismus stellt in ganz Europa ein nicht zu unterschätzendes Problem dar, rechtsextreme Organisationen, Bewegungen und Parteien haben verstärkt Zulauf. Das Kernanliegen der meisten dieser Gruppierungen, eine homogene "Volksgemeinschaft" herzustellen, führt zu verbalen bis hin zu gewaltförmigen oder gar tödlichen Ausgrenzungspraktiken gegenüber jenen Menschen, die als "anders" angesehen werden: Sinti und Roma, Flüchtlinge, Muslime, Homosexuelle, Schwarze, Jüdinnen und Juden, Wohnungslose etc. Obwohl überall Männer und Frauen in rechtsextremen Bewegungen und Parteien aktiv sind, wird die Bedeutung von Männer- und Frauenrollen für das Erstarken rechtsextremer Tendenzen weder im Bereich der Forschung und noch weniger im Hinblick auf die Entwicklung von Gegenmaßnahmen bisher ausreichend beachtet.

Erstmalig fand eine Veranstaltung zu dieser Thematik auf europäischer Ebene statt. An der Georg-Simon-Ohm Hochschule in Nürnberg veranstaltete das Kompetenzzentrum Gender & Diversity in Kooperation mit dem deutschlandweiten Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus einen zweitägigen Workshop mit dem Ziel, eine dauerhafte europaweite Vernetzung von Forschenden zu initiieren. Das Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus setzt damit seine nunmehr über zehnjährige erfolgreiche Arbeit zur Aufklärung über Gender und Rechtsextremismus in Deutschland auf der europäischen Ebene fort. Aus 12 europäischen Ländern (u. a. Ungarn, den Niederlanden, Serbien, Polen, Frankreich, Italien und Großbritannien) waren etwa 40 Forschende (und einige Studierende) zusammen gekommen, um länderspezifisch und auch länderübergreifend über die Bedeutung von Geschlechterverhältnissen in rechtsextremen Parteien, Ideologien und Bewegungen zu diskutieren. Es wurde analysiert, in welchen Formen rechtsextreme Parteien und Bewegungen Geschlechterrollenvorstellungen bedienen und welche Gegenmaßnahmen angebracht sind, um diesen Tendenzen entgegen zu wirken.

Deutlich wurde, dass länderspezifische geschichtliche Traditionen und gegenwärtige politische Konstellationen bestimmte geschlechtsbezogene politische Konstruktionen und Positionen hervorbringen und rechtsextreme Organisationen diese bewusst und variierend in ihrer Selbstdarstellung nutzen. Als klares Resultat zeichnete sich ab, dass, wenn Rechtsextremismus wirkungsvoll bekämpft werden soll, rechtsextreme Gruppierungen und ihre internationale Vernetzung auch bezogen auf Strategien im Umgang mit Geschlechterrollen genauestens beobachtet werden müssen. Mit dem Workshop in Nürnberg wurde hierfür der erste Baustein gelegt. Die Beiträge sollen im kommenden Jahr bei einem internationalen Verlag als Buch erscheinen.

Unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg, die Stiftung Nürnberg - Stadt der Friedens- und der Menschrechte, das BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung, die Hans-Böckler-Stiftung sowie die Amadeu-Antonio-Stiftung.

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