22.06.2017

Starke Partner für neue medizinische Erkenntnisse und eine patientenorientierte Spitzenmedizin

Die TH Nürnberg und die Paracelsus Medizinische Privatuniversität entwickeln in einem erfolgreichen Wissenstransfer innovative Projekte

Interviewpartner:

Prof. Dr. Michael Braun
, Präsident der TH Nürnberg
Prof. Dr. Martin Wilhelm, Vizedekan für Forschung an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 5, Schwerpunkt Onkologie/Hämatologie im Klinikum Nürnberg Nord
Privatdozent Dr. Ralph Bertram, Forschungsreferent der Paracelsus Universität in Nürnberg

Das Gespräch führten Claudia Pollok und Astrid Bergmeister



Paracelsus Science Get Together am 23. Juni 2017: Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität lädt zum zweiten Mal zum Klinikum Nürnberg ein. Die Poster-Session bietet einen spannenden Austausch zu aktuellen Forschungsergebnissen im Themenfeld Gesundheit und Medizin. Als starker Kooperationspartner stellt auch die TH Nürnberg eigene und gemeinsame Forschungsprojekte vor.

Im Interview erklären Prof. Dr. Michael Braun
, Präsident der TH Nürnberg,
Prof. Dr. Martin Wilhelm, Vizedekan für Forschung an der Paracelsus Universität in Nürnberg und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 5 im Klinikum Nürnberg Nord und
Privatdozent Dr. Ralph Bertram, Forschungsreferent der Paracelsus Universität in Nürnberg,
wie der Wissenstransfer in beiden Einrichtungen mit hoher Dynamik funktioniert.

Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität ist neben ihrem Salzburger Stammhaus seit 2014 auch in Nürnberg präsent. Wie ist die Zusammenarbeit zwischen der TH Nürnberg und der Paracelsus Medizinische Privatuniversität entstanden?

Prof. Dr. Martin Wilhelm:

Erste Gespräche mit Prof. Dr. Michael Braun fanden 2012 statt. Die Hochschule ist für uns ein extrem hilfreicher Partner und Katalysator im Bereich der Forschung. Wir haben in der Kooperation mit der TH Nürnberg von Anfang an eine große Chance gesehen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TH Nürnberg verfügen über die Expertise und die Labore, um fundierte Forschungsergebnisse zu erarbeiten. Für uns ist es ein sehr wichtiger Aspekt, dass sie ein hohes Interesse an interdisziplinären Fragestellungen haben.

Prof. Dr. Michael Braun:
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit setzt gerade auf die hohe Komplementarität zu unseren Partnern. Klinikum und Technische Hochschule sind zwei große Akteure in Nürnberg und wir haben uns gefragt, ob sich aus einer Kooperation so unterschiedlicher Einrichtungen ein Mehrwert generieren lässt. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten ohnehin an Fragestellungen, die eine hohe gesellschaftliche Relevanz haben und die ganz wesentlich auf den Technologie- und Wissenstransfer in die Unternehmen und Einrichtungen der Metropolregion ausgerichtet sind. Dieser Wissenstransfer bedient komplexe Anforderungen u.a. auch in der Entwicklung neuer medizinischer Verfahren und Stoffe. Das Interesse der TH Nürnberg an dieser Forschungszusammenarbeit liegt auf der Zusammenführung von Erkenntnissen aus der Medizin und den Naturwissenschaften und der Technik sowie einem möglichst direkten Wissenstransfer in die klinische Anwendung.

Welchen Stellenwert hat die Forschung für die Paracelsus Universität?

Prof. Dr. Martin Wilhelm:

Die Forschung ist für unser Haus neben der Lehre von essentieller Bedeutung, sie ist die Grundlage unserer universitären Zukunft. Der gemeinsame Plan mit der TH Nürnberg ist, diese Kooperation künftig noch weiter auszubauen. Derzeit werden am Klinikum Nürnberg 274 klinische Studien und wissenschaftliche Projekte durchgeführt. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität hat das Ziel, neben der bisherigen patientenorientierten klinischen Forschung auch eine Basis für vorklinische, experimentelle Grundlagenforschung zu entwickeln.

An welchen Forschungsprojekten arbeiten die TH Nürnberg und die Paracelsus Medizinische Privatuniversität derzeit?

Dr. Ralph Bertram:

Aktuell arbeiten wir in einer Reihe von medizinischen Forschungsprojekten mit Naturwissenschaftlerinnen und Naturwissenschaftlern der TH Nürnberg zusammen. Ein Team um Prof. Dr.-Ing. Armin Lenhart von der Fakultät Werkstofftechnik der TH Nürnberg forscht beispielsweise gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Gundula Schulze-Tanzil, Institut für Anatomie der Paracelsus Universität, an einem Bioglas, das bei Knorpeldefekten wie Arthrose eine neue Behandlungsoption sein könnte. Die Biogläser bestehen aus einem Gerüst, die einen Nährboden für die Züchtung von Knorpelgewebe bilden. Knorpelschäden könnten auf diese Weise durch körpereigene Knorpelzellen repariert werden.

Prof. Dr. Martin Wilhelm:
Ein weiteres Forschungsprojekt mit hohem Potenzial ist die onkologische Kooperation mit Prof. Ralf Lösel von der Fakultät Angewandte Chemie der TH Nürnberg. Unser Ziel ist es, mittels Antikörpern das Immunsystem der Patienten stärker auf die Tumorzellen zu fokussieren. In der Onkologie und Hämatologie sehe ich täglich, wie rasch die Entwicklung voranschreitet und wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse die Therapiemöglichkeiten verbessern. Die Entwicklung neuer therapeutischer Optionen in der Onkologie sind für mich eine Herzensangelegenheit. Mein Schwerpunkt in der onkologischen Hämatologie liegt auf der Entwicklung neuer immuntherapeutischer Verfahren für die Behandlung von Tumorerkrankungen.


Bestehen auch Kooperationen mit der TH Nürnberg über den naturwissenschaftlichen Bereich hinaus?

Prof. Dr. Martin Wilhelm:

Ja, wir kooperieren zum Beispiel auch mit den Fakultäten Sozialwissenschaften und Architektur. Marcel Neberich von der Fakultät Architektur der TH Nürnberg und Prof. Kneginja Richter, Leiterin der Schlafsprechstunde der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg, untersuchen die medizinischen Aspekte von Tageslichtmangel. Es ist sehr spannend, dass bei der Kooperation verschiedene Fachbereiche zusammenkommen. Das eröffnet ganz neue Perspektiven.

Das Paracelsus Science Get Together findet dieses Jahr am 23. Juni zum zweiten Mal am Klinikum Nürnberg statt. Mit welchen Erwartungen sehen Sie der Veranstaltung entgegen?

Dr. Ralph Bertram:

Mit dem Paracelsus Science Get Together richten wir eine Wissenschaftsplattform für einen intensiven Austausch zwischen Forscherinnen und Forschern aus der Medizin und den naturwissenschaftlichen Fächern sowie den beiden Standorten der Paracelsus Medizinische Privatuniversität aus. Insgesamt ist dies bereits die achte Veranstaltung dieser Reihe und nach 2015 die zweite am Standort Nürnberg. Unser Ziel ist, gerade jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit zu geben, ihre Forschungsprojekte bei der Poster-Session zu präsentieren und zur Diskussion zur stellen. Wissenschaftliche Erkenntnis lebt von Kommunikation über neue Ideen.

Prof. Dr. Michael Braun:
Die Diskussion, die Einbeziehung verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen mit neuen Impulsen und Argumenten führt zu weiterführenden Ergebnissen. Moderne Wissenschaft ist per se vernetzt, daher freuen wir uns auf den Austausch mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Nachbardisziplinen.

Wie wird sich die Paracelsus Medizinische Privatuniversität und die Zusammenarbeit mit der TH Nürnberg in Zukunft weiterentwickeln?

Prof. Dr. Martin Wilhelm:

Wir möchten uns an der frühen klinischen Entwicklung neuer Medikamente/Verfahren beteiligen, um diese Erkenntnisse möglichst schnell an unsere Patientinnen und Patienten weitergeben zu können. Doch der Schritt in die systematische Konzeption und Entwicklung klinischer Studien ist sehr aufwendig und bedarf umfangreicher Planungen.
Unsere Forschungsprojekte ermöglichen nicht nur den Ärztinnen und Ärzten eine akademische Laufbahn, sondern sind auch eine Chance für unsere Studierenden. Schon heute absolvieren sie vier Monate lang ein Forschungstrimester, in dem sie lernen, eine wissenschaftliche Arbeit zu erstellen.  
Unser Ziel ist auch, die Grundlagenforschung auszubauen. Dazu ist die wissenschaftliche Kooperation mit der TH Nürnberg essentiell – die Zusammenarbeit ist heute schon eine echte Win-win-Situation für beide Einrichtungen. Neben den gemeinsamen Forschungsprojekten engagieren sich In der Kommission Forschung und dem Laborseminar am Klinikum Nürnberg bereits heute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TH Nürnberg.

Prof. Dr. Michael Braun:
Die gemeinsamen Forschungsprojekte haben das Potenzial, wirklich erfolgreich zu werden. Projekte wie die Entwicklung der Glasknorpel als neue therapeutische Option zur Behandlung von Arthrose, der Entwicklung eines Pikosekundenlasers zur Hornhautbehandlung oder die T-Zell-basierte Immuntherapie in der Krebsforschung haben einen hohen Transferfaktor. Unser Ziel ist, diese enge wissenschaftliche Kooperation zwischen der Parcelsus Medizinische Privatuniversität, dem Klinikum Nürnberg und der TH Nürnberg weiter zu intensivieren.
Zudem leisten wir als TH Nürnberg einen Beitrag zur wissenschaftlichen Ausbildung angehender Medizinerinnen und Mediziner – mit guten fachlichen und didaktischen Anregungen, die sich nur aus der Kooperation mit Lehrenden zweier sehr unterschiedlicher Einrichtungen entwickeln.

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