24.10.2013

Projekt „Mut zum Studium“ durch Stifterverband und Stiftung Mercator ausgezeichnet

Konzept der TH Nürnberg zur Förderung von Studienpionieren setzt sich deutschlandweit durch

Trotz Abitur kein Studium? In Deutschland keine Seltenheit. Bis heute hängt die Aufnahme eines Studiums eng mit der eigenen Biographie und Herkunft zusammen. Kinder aus Familien ohne akademischen Hintergrund nehmen wesentlich seltener ein Studium auf als diejenigen aus akademischen Haushalten. Gleiches gilt für Familien mit Zuwanderungsgeschichte. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund an Schulen ist zwar angestiegen, jedoch nehmen bis heute von den 20- bis unter 25-Jährigen nur 16 % ein Hochschulstudium auf. Hier gehen Talente verloren. Die Technische Hochschule Nürnberg will dies ändern.

Das Konzept der TH Nürnberg setzt sich in einem Wettbewerb gegen 61 Hochschulen durch und begleitet im Programm 18 Studienpioniere, gestiftet durch den Stifterverband und die Stiftung Mercator, über vier Jahre auf dem Weg zum Studium. Das Projekt wird über vier Jahre mit insgesamt 300.000 Euro gefördert, wobei 130.000 Euro als Stipendien in Höhe von 150,- Euro monatlich an Studienpioniere vergeben werden.

Überzeugt hat die Projektidee durch eine aufsuchende und niedrigschwellige Kontaktaufnahme zu Schülerinnen und Schüler. Die Stadt Nürnberg bietet eine ideale Basis für die Suche nach Talenten. Viele Gymnasiastinnen und Gymnasiasten durchlaufen zwar die Schullaufbahn und erreichen eine allgemeine Hochschulreife, trauen sich aber ein Studium nicht zu. Die Zentrale Studienberatung geht dahin, wo sich diese Jugendlichen aufhalten. In Jugendzentren, Jugendmigrationsdiensten, Schulen und zu Hause. Gespräche mit Lehrern, Multiplikatoren, aber auch den Eltern, öffnen Türen und machen Mut, sich ein Studium zuzutrauen.

Das Projekt "Mut zum Studium" umfasst eine individuelle Begleitung und Förderung von Studienpionieren. Die ausgewählten Studienpioniere bilden Tandems mit Studierenden der TH Nürnberg. Als Studienbotschafter können die Studierenden vom Leben und Lernen an einer Hochschule berichten, alle Fragen und Sorgen klären und den Studienpionieren zur Seite stehen, wenn sie das Gefühl haben, sie könnten doch scheitern. Sie füllen damit eine Lücke: Studienpioniere aus Nichtakademiker-Haushalten haben in diesem Punkt keine Rollenvorbilder in der Familie, die sie aus eigener Erfahrung unterstützen und ermutigen können. Den Kern des Projektes bildet die Entwicklung einer innovativen Coaching-App. Die Begleitforschung dafür übernimmt das hochschuleigene Institut für E-Beratung unter der Leitung von Prof. Dr. Richard Reindl. Die Hochschule verfügt bereits über tiefgreifendes Know-How im Bereich Onlineberatung und Blended Counseling. Somit steht das Pilotprojekt auch gleichzeitig als Leuchtturm für weitere Initiativen und die Öffnung von Hochschulen für Talente.

Foto: Peter Himsel

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