04.08.2017

Glaskonservierung für Kirchenfenster

Studierende der TH Nürnberg engagieren sich für historische Schätze

Historische Kirchenfenster vor dem Verfall schützen - mit verschiedenen Methoden untersuchen Prof. Dr. Uta Helbig und ihre Studierenden neue Ansätze für die präventive Glaskonservierung. Dabei erforschen sie, wie sich klimatische Faktoren auf die Gläser auswirken und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung von kunst- und kulturwissenschaftlich wertvollen Kunstwerken. Das interdisziplinäre Projekt hat von der Sparkasse Nürnberg einen mit 2.500 Euro dotierten Preis erhalten.

Nürnberg, 4. August 2017. Historische Kirchenfenster sind ein kunst- und kulturwissenschaftlich wertvoller Schatz. Allerdings bröckelt er unter dem Zahn der Zeit und Umwelteinflüssen. Frost-Tau-Wechsel, Regen, Schimmelpilze oder Schadstoffe wie Schwefeloxid setzen den historischen originalen Gläsern und Bemalungen zu. Die Schädigung der Malschicht macht die künstlerisch dargestellten Geschichten und Szenen ‚unlesbar‘. Im Extremfall führen sie zum vollständigen Verlust von bedeutenden Kunstwerken.
Prof. Dr. Uta Helbig, Fakultät Werkstofftechnik an der TH Nürnberg, erforscht mit ihren Studierenden Ansätze für die präventive Glaskonservierung aus werkstofftechnischer Sicht. Im Mittelpunkt steht dabei die Verhinderung von Rissen und Abplatzungen in und unter der Malschicht.
Schutzverglasungen mindern bereits jetzt die Umwelteinflüsse und ermöglichen die Einstellungen definierter Klimawerte an den Fenstern. Studierende des Bachelorstudiengangs Werkstofftechnik erforschen, inwieweit die Bedingungen innerhalb der Schutzverglasung tatsächlich passend ausgelegt sind. Mit Methoden der Werkstofftechnik und Mineralogie untersuchen sie unter der Leitung von Prof. Dr. Uta Helbig, wie sich klimatische Werte wie die relative Luftfeuchtigkeit und die Temperatur auf die Gläser auswirken.
„Historische Gläser sind von der chemischen Zusammensetzung her unseren heutigen Gläsern ähnlich. Es findet sich jedoch ein deutlich höherer Anteil an Calcium und Kalium darin“, erklärt Prof. Dr. Uta Helbig. Während des Verwitterungsprozesses können die im Glas enthaltenen Ionen mit Stoffen der Umgebung reagieren und lösliche oder unlösliche Salze bilden. Prof. Dr. Uta Helbig: „Zum Schutz der Kirchenfenster werden heute üblicherweise zusätzliche Schutzverglasungen angebracht, die die Witterungseinflüsse minimieren. Wir erforschen, wie die klimatischen Bedingungen hinsichtlich Feuchte und Temperatur innerhalb dieser Verglasungen optimiert werden können.“ Dafür hat das Team typische Verwitterungsprodukte kontrollierten klimatischen Bedingungen ausgesetzt, um Aussagen über deren Beständigkeit zu treffen. Die relative Luftfeuchte wird über wässrige Salzlösungen eingestellt, die Temperaturen mithilfe eines Trockenschranks simuliert. Mit der Röntgenbeugung wird danach die Struktur der Proben untersucht, um mögliche Änderungen des Materials festzustellen.
Die Untersuchungen bestätigen, dass die Klimakorridore innerhalb der Schutzverglasung bei einer hohen Luftfeuchtigkeit im Wesentlichen passend gesetzt sind. Allerdings wird eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit nur unzureichend beachtet. Dabei kann ein zu niedriger Wassergehalt der Luft bei gleichzeitiger starker Wärmeeinwirkung, wie zum Beispiel in einem heißen, trockenen Sommer, dramatische Folgen haben. „Die betroffene Oberfläche der Kirchenfenster, inklusive der Malschicht und sogar vereinzelter Glassplitter, kann abgelöst werden.“, erläutert Prof. Dr. Uta Helbig das Problem. Die Ergebnisse ihrer Untersuchungen helfen den Glasrestauratoren und -restauratorinnen dabei, die Klimatisierungskonzepte für Kirchenfenster weiterzuentwickeln. Prof. Dr. Uta Helbig führt die Untersuchungen weiter und wird dabei den Fokus auch auf die zeitliche Dauer extremer Bedingungen legen.
Das Forschungsprojekt wird von der Sparkasse Nürnberg mit 2.500 Euro gefördert.


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