12.11.2018

Fachvortragsreihe am „Ohm-Steuertag“ über die Digitalisierung in der Steuerberatung und Finanzverwaltung

Die zunehmende Digitalisierung führt auch in der Steuerberatung bzw. in der Finanzverwaltung zu enormen Veränderungen in den mehr und mehr automatisierten Tätigkeits- und Ablaufprozessen. Über die sich daraus ergebenden Herausforderungen und Chancen für den steuerberatenden Beruf - insbesondere im Hinblick auf die Bedeutung für unsere sowohl wissenschaftlich als auch praxisorientiert ausgebildeten Studierenden im Fachbereich „Steuern“ - referierten hochrangige Vertreter des Berufsstandes wie auch der Finanzverwaltung im Rahmen unseres „OHM-Steuertags“, der in diesem Jahr am 12. November 2018 stattfand.

Zum wiederholten Male hat der Verein „Netzwerk Steuern e. V.“ (Verein zur Förderung des Steuerstudiums an der Technischen Hochschule Nürnberg GSO) in direktem Zusammenspiel mit der Firmenkontaktbörse „Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung“ diese Fachvortragsreihe veranstaltet. Die ca. 90 Teilnehmer/-innen setzten sich aus (Master-) Studierenden und Lehrenden unserer Hochschule, Vertretern und Vertreterinnen der Finanzverwaltung, der Steuerberaterkammer Nürnberg und der berufsständischen Organisationen sowie Fachexperten und -expertinnen aus der Beratungspraxis und aus Unternehmen zusammen.

Der Vorstand des Vereins „Netzwerk Steuern e.V.“ (sowie Koordinatorin des Masterstudiengangs Steuerberatung), Frau Prof. Dr. Susanne Schmidt-Pfeiffer, begrüßte zu Beginn der Vortragsreihe die Zuhörerschaft herzlich mit einer in das Thema einleitenden Rede, ehe der Vorstandsvorsitzende der DATEV eG (und Vizepräsident der Steuerberaterkammer Nürnberg), Herr Dr. Robert Mayr, die Digitalisierung in einem spannenden und informativen Vortrag aus Sicht eines großen dienstleistenden IT-Unternehmens beleuchtete. Von besonderem Interesse waren dabei die Ausführungen zu einem neuen Programm, das digitale Belege auch automatisch bucht. Der Reifegrad dieses KI-Programms ist nach Aussage von Dr. Mayr so weit, dass die Fehlerquote „nicht schlechter als ein Buchhalter“ sei. Die anschließende Diskussion war sehr lebendig und zeigte, dass viel Fachkompetenz in der Zuhörerschaft anwesend war, und man sich auch unter den Studierenden schon viele Gedanken im Hinblick auf die eigene Zukunft bei fortschreitender Digitalisierung und dem beschleunigten Einsatz von KI-Systemen macht. Anschließend gab der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Steuern, Herr Dr. Roland Jüptner, interessante Einblicke in den Einsatz von IT-Systemen im Besteuerungsverfahren und deren anstehende Fortentwicklung und Erweiterung. Bereits jetzt sei etwa das ELSTER-Programm das modernste und weitgehendste IT-Programm von allen Programmen, die in den deutschen Verwaltungsbehörden zum Einsatz kämen. Des Weiteren beschrieb er die Zusammenarbeit bei der Vollmachtsdatenbank, die IT-technisch gemeinsam von Finanzverwaltung und Berufsstand bzw. DATEV entwickelt wurde. Und er erläuterte das RABE-Programm, mit dessen Hilfe die bisherige Belegvorlageverpflichtung zu einer Belegvorhaltungsverpflichtung IT-technisch umgesetzt wird. Interessant war es, auch zu erfahren, dass die Hardware der Finanzverwaltung sich verändert hat, nämlich weg vom PC hin zu Datensichtgeräte mit Anbindung an ein zentrales Rechenzentrum. Auf großes Interesse stießen auch seine Ausführungen zu den in der Finanzverwaltung eingeführten Risikomanagementsystemen.

Nach einer von fachlichem Austausch geprägten Kaffeepause standen noch zwei Vorträge an, die den aufgrund der Digitalisierung zwangsläufig stattfindenden Wandel des steuerberatenden Berufs sehr klar und deutlich veranschaulichten: Zum einen informierte der Vertreter einer „Big 4 - Gesellschaft“, Herr Dr. Klaus Dumser (Director bei PwC), in einem lebendigen und aufschlussreichen Vortrag über notwendige Transformationsprozesse, aber auch über neue Geschäftsmodelle und Strategien, die sich für die Beraterbranche eröffnen. Zum anderen richtete Herr Martin Klumpp als Vertreter des mittelständischen Berufsstandes der Steuerberater (Geschäftsführer und Partner der Trewitax Deutschland GmbH) in einem abwechslungsreichen und zukunftsweisenden Vortrag sein Augenmerk konkret auf die Rolle des steuerberatenden Berufs in einem mehr oder weniger vollständigen digitalen System, das dabei aber neue Wertschöpfung und wertvolle Zusatzdienstleistungen für die Mandanten generiert. Für einen gelingenden Transformationsprozess ist es aus seiner Sicht wichtig, dass die Mitarbeiter/-innen über eine ausreichende Agilität verfügen und - mit Blick auf die anwesenden Studierenden - fachlich hochkarätig ausgebildet sind. Allerdings werden künftig auch in den Steuerberatungskanzleien IT-Mitarbeiter vermehrt zum Einsatz kommen (müssen).

Nach einer abschließenden Frage- und Diskussionsrunde bedankte sich der Vorstand des Steuervereins, Frau Prof. Dr. Susanne Schmidt-Pfeiffer, bei allen Beteiligten für die interessanten Vorträge und die lebhaften Diskussionen. Beim anschließenden Get-together mit kleinen kulinarischen Leckerbissen wurden der lebendige Fachdialog und praktische Erfahrungsaustausch fortgesetzt; auch sind gute Kontakte geknüpft worden. Das Wiedersehen der „Ehemaligen des Masterstudiengangs“ war für alle Anwesenden ein freudiges Ereignis.

Hier geht es zur Bildergalerie der Fachvortragsreihe am „Ohm-Steuertag“ im WS 2018/2019.

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