14.09.2021

Mut zur Bewerbung

Alumna der TH Nürnberg hilft Studierenden auf ihrem Weg ins Berufsleben

Lehrbeauftragte, Autorin, MINT-Botschafterin und Mentorin – Tamara Schrammel hat eine beeindruckende Vita. Nach ihrem dualen Maschinenbaustudium an der TH Nürnberg arbeitet sie heute bei Siemens Healthineers und hilft bei der Verbesserung der Patientenerfahrung im Gesundheitsbereich. Ganz nebenbei möchte sie junge Frauen für MINT-Fächer begeistern und Studierenden dabei helfen, sich erfolgreich zu bewerben.

Von Jasmin Bauer
Aus OHM-Journal 2021/01 (PDF-Version)

Erfahrungen sind nicht etwas, was erst mit dem hohen Alter kommt. Erfahrungen werden ein Leben lang gesammelt – und das auch schon in jungen Jahren. Die eigenen Erfahrungen weitergeben, davon ist Tamara Schrammel überzeugt, ist jederzeit möglich. Und es hat durchaus Vorteile, sie so früh wie möglich an Jüngere weiterzugeben. „Ich kann die jungen Leute verstehen und nachvollziehen, wie sie sich beim Start in das Berufsleben fühlen. Ich war vor ein paar Jahren noch in der gleichen Situation“, erzählt Tamara Schrammel. Sie hilft Schülerinnen und Schülern sowie Studierenden dabei, sich erfolgreich zu bewerben und hat ihre Erfahrungen inzwischen sogar in einem Buch festgehalten. Doch sie ist nicht nur Mentorin und Autorin, sie ist auch MINT-Botschafterin, Lehrbeauftragte und Dozentin. Nach ihrem Abitur ging Tamara Schrammel für ein Jahr in die USA, um dort als Au-pair zu arbeiten und sich erst einmal zu orientieren, was genau sie in ihrem Leben machen möchte.

Ein Auslandsjahr sieht sie auch heute noch als eine gute Gelegenheit dafür und würde es auch den Absolventinnen und Absolventen nach ihrem Studium empfehlen. Nach ihrer Rückkehr kam die gebürtige Neumarkterin an die TH Nürnberg, wo sie im dualen Studium Maschinenbau studierte und bei Siemens arbeitete. Für ihre Bachelorarbeit ist sie ein halbes Jahr nach Thailand gereist, wo sie eine Marktanalyse über den Vertrieb von Prozesssensorik für Durchflussmesser erarbeitet hat. Dass eine Marktanalyse nicht unbedingt ein klassisches Thema im Maschinenbau ist, hat dabei niemanden gestört. „Die Professoren an der TH Nürnberg waren bei der Themenfindung für meine Bachelorarbeit sehr offen und flexibel – das rechne ich ihnen heute noch hoch an“, meint Tamara Schrammel. Nach dem Studium durchlief sie auch ein Traineeprogramm für den technischen Vertrieb bei Siemens Healthineers, um später Gesundheitsgeräte und den technischen Service verkaufen zu können. Anschließend hat sie in der Siemens Healthineers Beratung gearbeitet und war eineinhalb Jahre in England, wo sie Projekte zur Prozessoptimierung geleitet und als Business Development Managerin für Eduction and Skills Management gearbeitet hat. Zurück in Deutschland ist sie derzeit als Global Senior Marketing Managerin bei Siemens Healthineers tätig und konzentriert sich darauf, mit den Produkten und Services der Firma das Patientenerlebnis ihrer Kundinnen und Kunden zu verbessern. Ziel ist es, mit Produkten von Siemens Healthineers den Klinikaufenthalt für Patientinnen und Patienten so angenehm wie möglich zu gestalten. Beispielsweise musste der Patient oder die Patientin bei einem Herzscan im Computertomographen früher einen Betablocker einnehmen, der den Herzschlag verlangsamt. Das war notwendig, weil viele Geräte nicht in der Lage waren, einen aussagekräftigen Scan bei einem schnellschlagenden Herzen zu machen. Bei neuen, schnelleren Geräten und Technologien kann das Herz während seines normalen Schlagrhythmus gescannt werden, wodurch die Einnahme von Betablockern obsolet wäre und das Patientinnen- und Patientenerlebnis deutlich verbessert würde. 

Auch wenn sie die neuen Geräte nicht selbst entwickelt, hilft Tamara Schrammel ihr Maschinenbaustudium bei ihrem derzeitigen Beruf. „Durch ein technisches Studium lernt man gleichzeitig logisches Denken und bringt ein solides Verständnis für die medizintechnischen Geräte mit. Das ist auch im Marketing ein großer Vorteil. Außerdem kann man sich mit Technikern immer auf Augenhöhe unterhalten“, so Tamara Schrammel. 

Das möchte die Alumna der TH Nürnberg auch Mädchen und jungen Frauen näherbringen und sie motivieren, sich mit den technischen Bereichen zu beschäftigen. Sie setzt sich stark als MINT-Botschafterin ein und ist Mentorin an den Universitäten Oxford und Cambridge. Dort ist sie unter anderem an einem Programm beteiligt, in dem Akademikerinnen und Frauen aus der Wirtschaft ein gemeinsames Netzwerk aufbauen. Wie wichtig so ein Austausch ist, hat sie selbst während ihres Studiums mitbekommen.

Als Studentin hat sie am Technik-Mentoring-Programm „simone“ vom Hochschulservice für Familie, Gleichstellung und Gesundheit der TH Nürnberg teilgenommen und konnte so selbst durch die Erfahrungen ihrer damaligen Mentorin aus der Praxis profitieren. Die große Leidenschaft von Tamara Schrammel ist es aber, jungen Leuten bei Ihren Bewerbungen und dem Karrierestart zu helfen. Das hat sie ihrem kleinen Bruder zu verdanken. Als sie ihm bei seinen Bewerbungen geholfen hat – bei denen er viele Zusagen erhalten hat – kam sie auf die Idee, dass auch andere Hilfe im Bewerbungsdschungel gebrauchen könnten und hat angefangen, mit der Volkshochschule und Schulen Bewerbungstrainings zu geben. Durch ihre Vita konnte sie selbst viel Praxiserfahrung bei Bewerbungen sammeln und hat auch schon viele Assessment Center durchlaufen. Während ihrer Zeit in England schrieb sie ihren Bewerbungstrainer für Schülerinnen und Schüler sowie Studierende. Dabei war ihr besonders wichtig, den Ratgeber einfach und verständlich zu formulieren – ganz so, als würde sie es ihrem kleinen Bruder erklären. 

In dem Buch geht sie sowohl auf die erste Berufsorientierung ein als auch auf die unterschiedlichen Bewerbungssituationen und bietet allgemeine Informationen zur Erstellung von Bewerbungsunterlagen, immer gepaart mit ihren ganz persönlichen Erfahrungen. „Es ist so schön, wenn man jemanden helfen kann. Gerade in einem Bereich, in dem die jungen Leute dringend Unterstützung brauchen“, sagt Tamara Schrammel. Sie selbst war die Erste in ihrer Familie, die studiert hat. Mit ihrem Ratgeber möchte sie auch zeigen, dass man alles schaffen kann, was man sich vornimmt – sie hat es schließlich auch geschafft.

Ihre Ratschläge sind sehr präzise formuliert: Mut haben! Das gilt vor allem für Frauen, die sich oft nicht auf Stellenausschreibungen bewerben, deren Profil sie nicht zu 100 Prozent erfüllen. „Viele Stellenanforderungen sind nicht zu 100 Prozent erfüllbar. Aber es ist überraschend, wie oft dennoch eine Zusage kommt, wenn die Bewerbungsunterlagen stimmen“, erklärt Tamara Schrammel. „Und sollte es mit einer Stelle überhaupt nicht klappen, kann man ruhig auch erst mal ein Praktikum in dem Unternehmen machen und dort das Allerbeste geben. Man muss einem Unternehmen zeigen, was für eine fähige Mitarbeiterin oder einen fähigen Mitarbeiter es vor sich hat und eine Empfehlung erhöht die Chance auf eine Jobzusage erheblich.“ Trotzdem sollte man immer Alternativen haben und sich auch auf Stellen bewerben, die vielleicht nicht der einen Traumstelle entsprechen. Denn durch eine Jobzusage in der Hinterhand ist man sofort viel entspannter und kann viel selbstbewusster in das nächste Bewerbungsgespräch für die eigene Traumstelle gehen. Der Tipp von Tamara Schrammel: „Greift nach den Sternen! Und bewerbt euch ruhig auch auf Stellen, die vielleicht weit weg scheinen.“ 

Inzwischen ist Tamara Schrammel, neben ihrem Job bei Siemens, auch Lehrbeauftragte für technischen Vertrieb – operativ und strategisch – an ihrer ehemaligen Fakultät Maschinenbau und Versorgungstechnik an der TH Nürnberg. Hier bietet sie auch, gemeinsam mit dem Schreibzentrum der Hochschule, Bewerbungstrainings für Studierende an. Die Bewerbung ist der erste Schritt in das Berufsleben und entscheidend für den beruflichen Lebensweg. Tamara Schrammel möchte den Studierenden diesen Schritt erleichtern und zum Erfolg führen – für sie eine echte Herzensangelegenheit. 

 

Ansprechpartnerin für diesen Themenbereich: 

Tamara Schrammel, Fakultät Maschinenbau und Versorgungstechnik

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