26.08.2021

Digitale Kompetenzen – wichtiger denn je

Hochschulzertifikat an der TH Nürnberg vermittelt berufsrelevante Kenntnisse

Kompetenzen im Bereich Digitalisierung werden immer wichtiger: Um sie zu stärken, bietet der „Service Lehren und Lernen“ der TH Nürnberg bereits seit vier Jahren das „Hochschulzertifikat für digitale Kompetenzen“ (DigKom) an. Damit werden Studierende interdisziplinär auf die digitalen Anforderungen der Berufswelt vorbereitet.

Von Frederick Hokamp
Aus OHM-Journal 2021/01 (PDF-Version)

Digitale Kompetenzen spielen im Beruf eine immer zentralere Rolle: Laut einer repräsentativen Untersuchung von Bitkom Research sieht fast jedes fünfte Unternehmen Digitalkompetenz als die wichtigste Fähigkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – vor fünf Jahren waren es gerade einmal vier Prozent. Die Untersuchung zeigt auch: je größer das Unternehmen, desto höher die Bedeutung digitaler Kompetenzen. 35 Prozent der Großunternehmen in Deutschland halten diese demnach für die wichtigste Fähigkeit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und schätzen sie damit bedeutender ein als fachliche oder soziale Kompetenzen.

Diese Entwicklung hat auch die TH Nürnberg erkannt. Auf Wunsch von Studierenden und der Hochschulleitung entstand 2017 das „Hochschulzertifikat für digitale Kompetenzen“, kurz DigKom das inzwischen schon seit vier Jahren erfolgreich vom „Service Lehren und Lernen“ angeboten wird. „Digitalisierungstrends ändern sich fast jeden Tag“, erklärt Thu Van Le Thi, die das Zertifikat betreut. Deshalb sei es für Studierende wichtig, entsprechende Kenntnisse aufzubauen und aufzufrischen. 

Der Begriff „digitale Kompetenz“ ist dabei weit gefächert: Er umfasst einerseits technologische Fähigkeiten oder das Verständnis von Begriffen wie „Chatbot“ und „Künstliche Intelligenz“. Anderseits beschreibt er den Querschnitt zu weiteren Bereichen der Selbst- und Sozialkompetenz, wie den Umgang mit persönlichen Daten, kritisches Denken oder die Zusammenarbeit in virtuellen Teams. Das Zertifikat bietet dafür einen Raum, in dem in all diesen Bereichen eine Grundkompetenz erlangt werden kann. „Ich dachte mir, für meine später anstehende Bachelorarbeit ist es gut, große Datenmengen visualisieren zu können“, erzählt Christoph Neunsinger, Zertifikatsteilnehmer und International Business-Student an der Fakultät Betriebswissenschaft. Er hat die Lehrveranstaltung „Storytelling with Data“ besucht.

Das kostenfreie Zertifikat richtet sich an Studierende aller Studienrichtungen an der TH Nürnberg. „Im Zertifikatsprogramm treffen sich Studierende aus unterschiedlichen Studiengängen, die ihre verschiedenen Erfahrungen untereinander teilen können“, erläutert Thu Van Le Thi. Das Zertifikat ist in sogenannte Bausteine aufgeteilt. Teilnehmende erhalten die Möglichkeit genau zu wählen, welche digitalen Kompetenzfelder sie erlangen wollen. Innerhalb von ein bis zwei Semestern können sie am gesamten Programm aus verschiedenen Lehrveranstaltungen und Workshops teilnehmen und das Hochschulzertifikat erwerben. Die Lehrveranstaltungen sind in Form von allgemeinwissenschaftlichen Wahlpflichtfächern konzipiert und können somit bei erfolgreicher Teilnahme im Studium angerechnet werden. 

Der erste und zweite Baustein drehen sich inhaltlich um aktuelle Themen und Trends der Digitalisierung sowie das Lernen im digitalen Zeitalter. Dabei wird sich an einem Kompetenzmodell orientiert, das Thu Van Le Thi 2017 aus Umfragen und der Analyse verschiedener Kompetenzmodelle internationaler Bildungseinrichtungen eigens entworfen hat. Dieses Modell entwickelt sich zudem immer weiter, so legen die Verantwortlichen mittlerweile den Fokus mehr auf das sogenannte „Lernen 4.0“. Das bedeutet mehr vernetztes Lernen, den richtigen Einsatz von digitalen Medien für das selbstgesteuerte Lernen sowie die Verwendung von offenen OnlineBildungsangeboten zur eigenständigen Weiterbildung.

Der dritte Baustein des Zertifikats beschäftigt sich mit der Einschätzung des eigenen Kompetenzniveaus über einen Online-Self-Assessment-Test und resultiert in einem Abschlussworkshop. Bei diesem werden die Ergebnisse des Tests und die Erfahrungen aus den ersten beiden Bausteinen reflektiert. Abschließend erhalten die Studierenden ihr Zertifikat. Um das Expertenwissen gut zu vermitteln und die Bildungsinhalte auf einem hohen Niveau anzubieten, wird interdisziplinär auf das vernetzte Know-how an der TH Nürnberg zurückgegriffen. An der Hochschule arbeiten zahlreiche Expertinnen und Experten in verschiedenen Bereichen der Digitalisierung – dieses Wissen soll durch das Zertifikat für alle zugänglich gemacht werden. Zudem besteht eine enge Zusammenarbeit mit externen Fachexpertinnen und -experten sowie internationalen Partnern, die Teilnehmenden einem Blick in die Berufswelt bieten.

„Das Zertifikat DigKom kommt gut beim Arbeitgeber an“, weiß Mustafa Ünsal, Mitarbeiter bei Bosch Rexroth und Alumnus der Fakultät Elektrotechnik Feinwerktechnik Informationstechnik, aus eigener Erfahrung. Das Zertifikat wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, im Juli 2019 beispielsweise mit der vom Stifterverband verliehenen „Hochschulperle des Monats“ als innovatives Hochschulprojekt. Zudem wählte die Hochschulrektorenkonferenz 2019 das Programm als eines von zehn „Good-Practice-Beispielen“ für die Gestaltung des digitalen Wandels in Lehre und Studium aus.

Ansprechpartnerin für das Zertifikat: 
Thu Van Le Thi, Service Lehren und Lernen

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