21.06.2021

Innovationspreis für interprofessionelle Projekte im Gesundheitswesen des Springer Medizin Verlags für das Siegerprojekt „Impulse für Quittendenker“ des Klinikums Nürnberg und der BW-Masterstudierenden der TH Nürnberg

Steigende Patientenzahlen, überlastetes Personal, Beschwerden, Kündigungen: Oft ziehen Unternehmen dann externe Berater heran, um Prozesse und Abläufe zu optimieren. Die Zentrale Notaufnahme Süd am Klinikum Nürnberg ging einen anderen Weg: Alle 70 Mitarbeitenden – von der Reinigungskraft bis zum Chefarzt – entwickelten in einem „Ideencafé“ Lösungsmöglichkeiten.

„Eine Fülle von Wissen und Ideen ist im Personal verankert, das vor Ort arbeitet und am besten weiß, was im Klinikalltag nötig und möglich ist“, sagt Mirjam Häfner, stellvertretende Stationsleitung und Leiterin des Projekts „Impulse für Quittendenker“. Das Projekt ist Gewinner des Innovationspreises 2020 für interprofessionelle Projekte im Gesundheitswesen, der vom Springer Medizin Verlag vergeben wird. Die Verleihung findet im Rahmen des 8. Interprofessionellen Gesundheitskongresses statt, der coronabedingt vom April 2020 auf Juni 2021 verschoben worden ist. Häfner und ihre Mitstreiter stellen das Projekt am 21. Juni im Rahmen eines Live-Webinars vor.

Beteiligt an dem „Ideencafé“ waren Pflegefachkräfte, Internisten, Chirurg*innen, Medizinische Fachangestellte, Seelsorge, Reinigungs- und Hausservice, Auszubildende, Pflegehelfer, Verwaltungsfachkräfte und Notfallsanitäter*innen. Deren Ideen haben Studierende im Masterstudium Betriebswirtschaft der TH Nürnberg unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Sabine Brunner, mittlerweile Professorin an der Fachhochschule Erfurt, im Jahr 2016 gesammelt, ausgewertet und präsentiert.

„Es ist sinnvoll, in so ein Projekt zum Beispiel auch Mitarbeitende des Haus- und Reinigungsservice einzubeziehen, die durch Bestellung von Material und Aufbereitung der Untersuchungsbereiche einen wichtigen Beitrag zur Versorgung leisten“, berichtet Mirjam Häfner. Bis heute wird die Fülle an Ideen aus dem gemeinsamen Projekt der Reihe nach umgesetzt. So ist etwa eine Bereitschaftspraxis im Haus entstanden, um die Notfallaufnahme von Patienten mit Bagatellerkrankungen zu entlasten. Es wurden zusätzliche Pflegehelfer eingestellt und die Seelsorge mit Burnout-Projekten und Rufdienst stärker eingebunden.

Projektleiterin Häfner schwört auf den Bottom-up-Ansatz: „Es hat uns einen enormen Aufschwung gegeben. Und es ist so viel Begeisterung und Miteinander entstanden, wir sind heute ein richtig tolles Team“ berichtet sie. Es sei gelungen, in der Notaufnahme des Klinikums Nürnberg Süd flache Hierarchien zu entwickeln, in denen die Berufsgruppen im interprofessionellen Setting die Herausforderungen des Klinikalltags gemeinsam bewältigen. Übrigens: Der ungewöhnliche Name des Projekts leitet sich von der säuerlichen, harten Quitte-Frucht ab, die gekocht zu einer wohlschmeckenden, gesunden Delikatesse wird. „Genau diesen Wandlungsprozess wollten wir erreichen. Es ist uns geglückt“, freut sich Häfner.

Der Springer Medizin Verlag vergibt den Innovationspreis für interprofessionelle Projekte im Gesundheitswesen dieses Jahr zum zweiten Mal. Den Gewinnern winkt ein Medienpaket im Wert von 20.000 Euro, ein Geldpreis in Höhe von 2.000 Euro sowie die Möglichkeit, ein Jahr lang im Fachbeirat des Interprofessionellen Gesundheitskongresses mitzuwirken. Auch im kommenden Jahr wird der Interprofessionelle Gesundheitskongress, der dieses Jahr zum ersten Mal an den Hauptstadtkongress angebunden ist, wieder Bühne für den Innovationspreis sein. Die Ausschreibung erfolgt gegen Ende des Jahres.

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