15.07.2020

Arbeiten in 2050 – Horror oder Paradies für die Generation Z? – Zukunftsforschung bei Alexander Zeitelhack

Vorlesung mit Forschungsprojekt zur Zukunft der Arbeit in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit – remote & agil. In kritischen Zeiten muss es gelingen, Entscheidungen für die Zukunft präzise zu treffen. Die Herausforderungen der Pandemie haben dies besonders hervorgehoben. 2020 ist zu einem Jahr geworden, das für alle Menschen den Lebensweg neu definieren wird. In Bezug auf Arbeit: 10 Mio Menschen sind in Kurzarbeit, 45% der Wunschberufe von Jugendlichen wird es schon in 10 Jahren nicht mehr geben, 50% der Berufsbilder werden dann durch Automation völlig verändert worden sein.

Studierende des Masters ‘Digital Business‘ haben in der Vorlesung ‘Zukunftsforschung – Zukunft der Arbeit 2050‘ von Alexander Zeitelhack, Szenarien und Handlungsempfehlungen für die Bundesagentur für Arbeit entwickelt, präsentiert, und ein 200-seitiges Kompendium vorgelegt. Die Veranstaltung fand vom März bis Juni 2020 statt, ausschliesslich online und unter Einsatz agiler Kollaborationsformen.

In Kooperation mit der Strategieabteilung der Bundesagentur für Arbeit gingen sie der Frage nach: Wenn die in 2000 Geborenen an ihrem 50ten Geburtstag zurückblicken auf den Verlauf ihres Lebens, ihre Arbeit und Karriere - was werden sie resümieren? Und: Wüsste die Bundesagentur für Arbeit dies alles heute schon, 30 Jahre früher, was könnte sie heute für die Zukunft rechtzeitig verändern und bereitstellen?

Die 24 Studierenden haben zehn Personas entwickelt, welche in allen Details ihrer Biografie deren beruflicher und privater Werdegang von 2000 – 2050 beschrieben wurden. Hierzu war es nötig, ein umfassendes Zukunftsbild für Gesellschaft und Arbeitswelt in 2050 zu definieren. Untersucht wurden Arbeitsmarkt, Anforderungen an die Qualifikation von Angestellten, als auch die Potenziale und Strukturen für Selbstständige bis zum Jahr 2050. Insgesamt 150 Kriterien, die die Lebenswelt und Berufswelt von arbeitenden Menschen beeinflussen, wurden kategorisiert.

Entstanden sind 12 Zukunftsbilder, 14 schwarze Szenarien, zehn typologisierte Lebensläufe über je 50 Jahre, sowie eine Reihe von bemerkenswerten Handlungsempfehlungen für die zukünftige Strategie der Bundesagentur. Diese zeigen maßgebliche und kardinale Veränderungen in der Politik von Arbeit und Gesellschaft auf.

Methodik

Diese, in der vorliegenden Analyse gewählte Methode der Biografie Entwicklung von 10 typologisierten Personas, bei je 50 Jahren Lebenszeit, resultiert in insgesamt 500 Jahre Arbeits- und Berufsbiographien. Zudem wurden Kategoriensysteme mit den maßgeblichen Einflussfaktoren auf Lebensläufe entwickelt, Hypothesen für Modelle (Arbeit & Gesellschaft) im Jahr 2050 entworfen, sowie Bewertungen diesbezüglich getroffen.

Im Ergebnis des Forschungsteams (‘Generation Z’, geboren im Jahr 2000) steckt sehr viel von ihren Vorstellungen über die Zukunft Ihrer eigenen Arbeit. Sie fußt auf deren heutigen Wertsystemen. Wären die Szenarien von Personen, die heute in Führungspositionen sind bzw. einen Großteil ihres Arbeitslebens schon hinter sich haben (Generation Baby Boomer, 1960 geboren), erarbeitet worden, wären völlig andere Annahmen getroffen und Wertsysteme zur Anwendung gekommen. Nämlich die falschen für eine Zukunftsstudie.

Um zudem einen validen, und objektivierbaren Rahmen zu setzen, wurden zwei weitere Methoden integriert: Die PESTEL Analyse als Systematik für die Erfassung der Umweltbedingungen. Anschließend wurden diese, doch sehr glatten, Zukunftsbilder mit der „Black Swan – Methode“ auf ihre Widerstandsfähigkeit hin überprüft.

In den Ergebnissen drückt sich damit ja eine Erwartung des Forscherteams über die Zukunft ihrer Arbeit aus. Die Handlungsempfehlungen sind damit auch reale Erwartungen des Forscherteams an ihre heutige Umwelt.

Vorgehensweise

Bedingt durch die Coronakrise fanden alle Ereignisse im Rahmen der Veranstaltung seit dem 18. März online statt: Vorlesung, Seminar, Recherchen, Gruppenarbeit, Kollaboration, Sprechstunden.

Eine virtuelle Exkursion in das Krisen-/Strategiezentrum der Bundesagentur diente dem detaillierten Briefing über die Herausforderungen und Ziele der Unternehmensentwicklung der Bundesagentur.

Die besonders herausfordernde didaktische Situation der rein virtuellen Lehre erforderte ein neues Konzept: Die Plattform Zoom diente als Hauptaktionsraum, für Vorlesungen, Plenum, Präsentationen, Chats, Beratungen. Die Studierenden arbeiteten in drei Teams, unterstützt von vier assoziierten SCRUM Mastern, die sie in agilen Formen der remote Kollaboration trainierte und die Teams in insgesamt vier ‚Sprint‘ Erarbeitungsrunden begleitete und methodisch unterstützte. Weitere Tools zur Zusammenarbeit waren Slack, Miro, Trello, Dropbox. Die Evaluation fragte auch Nutzen und Effekt der eingesetzen SCRUM Methodik ab, mit erfreulich durchweg positiiven Ergebnissen:

Fortsetzung folgt

Dies ist bereits die dritte Entwicklungsstufe des Projekts ‘Zukunft der Arbeit 2050‘ an der TH. Im Jahr 2017 wurde das Szenario zur Quartären Bildung entwickelt und im Jahr 2019 die Zukunft der Arbeit für das Handwerk, in Koop mit der Handwerkskammer in Nürnberg, untersucht.

Die Zukunft der Arbeit in 2050, 30 Jahre von heute, wird sehr viel anders strukturiert sein, als wir uns dies von den Determinanten der heutigen Arbeitswelt ableiten könnten. Wir wollten für die nächsten 20 Jahre konkrete Denkanstöße liefern. Darüber hinaus sollten Handlungs-empfehlungen entstehen, die uns im heute bessere Entscheidungen für morgen und übermorgen ermöglichen. Wir wollten neue Paradigmen zur Arbeitswelt entdecken und erfinden.

Die hier vorliegende Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit der Entwicklung und durchaus auch Erfindung neuer Perspektiven. Dies ist im Ergebnis eine induktive Vorgehensweise, die diese, hier entstandenen, qualitativen Szenarien überhaupt erst möglich machen.

Die Aufdeckung neuer Muster erfordert aber einen quantitativen Ansatz. Dieser ist nun als nächster Schritt, aufbauend auf diesen Szenarien, denkbar und erfordert nun die Kooperation von Bundesagentur und ihrem Institut für Arbeit & Beschäftigung (IAB), zusammen mit quantitativen Analysen aus der Wissenschaft.

Unterstützt werden die Masterstudierenden der Zukunfts- und Trendforschung - im Kurs finden regelmäßig Exkursionen statt - durch ein Sponsoring von Ulla Popken. Die Technische Hochschule Nürnberg dankt der Popken Fashion GmbH für die Unterstützung und freut sich auf diese Zusammenarbeit.

Die Popken Fashion Group ist ein international operierendes, familiengeführtes Mode-Unternehmen, das auf Plus-Size Fashion spezialisiert ist. Die Kollektionen unserer vier Marken Ulla Popken, GINA LAURA, Studio Untold und JP1880 vertreiben wir in rund 600 Filialen und über eigene Online-Shops mit mehr als 3.600 Mitarbeitern in über 30 Ländern.

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