30.06.2020

Hilfe bei Diabetes

Projekt der TH Nürnberg erforscht Hilfsstrukturen bei Typ-2-Diabetes

Diabetes ist weltweit eine der am weitesten verbreiteten Krankheiten, der Typ-2-Diabetes ist dabei die häufigste auftretende Form. Betroffene benötigen oft eine alltagsnahe Unterstützung, die auch durch Nachbarschaftshilfe erfolgen kann. Prof. Dr. Sabine Fromm und Prof. Dr. Doris Rosenkranz von der Fakultät Sozialwissenschaften der TH Nürnberg liefern in ihrem Forschungsprojekt „Diabetes2sozial“ neue Erkenntnisse zum Ausmaß sozialer Hilfen im Zusammenhang mit Diabetes mellitus Typ 2. Finanziert wird das Projekt durch die Kerscher´sche Stiftung.

Nürnberg, 30. Juni 2020.
Diabetes mellitus Typ 2, die sogenannte „Zuckerkrankheit“, kann grundsätzlich jeden Menschen treffen. Neben erblichen Veranlagungen zählen Aspekte wie mangelnde Bewegung, Rauchen oder ungesunde Ernährung zu den Risikofaktoren. Allein in Deutschland sind laut dem Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2020 aktuell rund 7 Millionen Menschen an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt. Jährlich kommen über 500.000 Neuerkrankungen hinzu. Häufig bleibt die Erkrankung über einen längeren Zeitraum unentdeckt und macht sich erst im höheren Lebensalter bemerkbar. Nicht selten leiden die Betroffenen zusätzlich an mehreren Begleit- und Folgeerkrankungen.
Komplex erkrankte Patientinnen und Patienten benötigen eine gute Gesundheitsversorgung, dazu zählen allerdings nicht nur Hausärztinnen und -ärzte oder Pflegedienste. Einige Angebote des wachsenden Gesundheitsmarktes können nicht alle Erkrankten ohne fremde Hilfe nutzen, beispielsweise ist bereits die Internetrecherche nach wohnortnahen medizinischen Angeboten oder die Nutzung telemedizinischer Angebote für viele problematisch. Auch regelmäßige Fahrten zu Fachärztinnen und -ärzten können gerade in ländlichen Regionen eine Herausforderung darstellen. Insbesondere, wenn die familiäre Unterstützung nicht gegeben ist, gestaltet sich der Alltag mit einer chronischen Erkrankung schwierig.
Prof. Dr. Sabine Fromm und Prof. Dr. Doris Rosenkranz von der Fakultät Sozialwissenschaften der TH Nürnberg beschäftigen sich in ihrem Forschungsprojekt „Diabetes2sozial“ mit der Frage, durch wen und in welcher Form die Betroffenen regelmäßig Hilfe erhalten können. Eine wichtige Unterstützung kann das nahe Wohnumfeld der Erkrankten, die engere oder weitere Nachbarschaft, sein. Die beiden Professorinnen erforschen gemeinsam mit ihrem Team, welche Dienste die Nachbarschaft tatsächlich leisten kann und wo deren Grenzen sind: Ist der nachbarschaftliche Fahrdienst verlässlich? Benötigen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer eine Schulung? Wird die Privatsphäre gewahrt? Kann jemand vermitteln, falls es zu Konflikten zwischen Betroffenen und Ehrenamtlichen kommt? Um das herauszufinden, benötigt das Forschungsteam viele aussagekräftige Daten. Das weiß auch Björn Helling, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projekts „Diabetes2sozial“: „Wir werden im Rahmen des Forschungsprojektes wissenschaftlich gesicherte Informationen sammeln. Dazu planen wir sowohl Interviews als auch regionale Befragungen der Bevölkerung.“
Die Kerscher’sche Stiftung, deren Ziel die Verbesserung der strukturierten Versorgung, der Diagnostik und der Betreuung von an Diabetes mellitus erkrankten Personen ist, fördert das Projekt der TH Nürnberg. „Wir wollen mithelfen, die Lebenssituation von Menschen mit einer Diabeteserkrankung zu verbessern, indem wir die Erfahrungen, Bedarfe und Möglichkeiten dazu in den unterschiedlichsten Räumen erforschen“, erklärt Stefan Müller, Vorstandsvorsitzender der Kerscher´schen Stiftung.
Der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung Deutschlands steigt und damit auch die Relevanz der Thematik, wer in der Gesundheitsversorgung unterstützen kann. Das Projekt „Diabetes2sozial“ gibt einen ersten Einblick in mögliche Hilfsstrukturen aus der Nachbarschaft.


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