20.08.2019

Alter Schwede

Unter dieser Überschrift zeigt das Germanische Nationalmuseum im Rahmen der Sonderausstellung "Abenteuer Forschung" Arbeiten des Labors für Kristallografie am OHM-CMP der TH Nürnberg, die im Rahmen einer Kooperation zum Erhalt von alten Silbermünzen durchgeführt wurden.

"Alter Schwede"
Unter dieser Überschrift zeigt das Germanische Nationalmuseum im Rahmen der Sonderausstellung "Abenteuer Forschung" Arbeiten der TH Nürnberg. In der Ausstellung nehmen die Mitarbeitenden des GNM die Besucher mit zu einem Blick hinter die Kulissen. Was ist echt, was ist Fälschung, was sind frühere Restaurierungen? Neben Fragen der Echtheit, der Rezeption oder der Erforschung kunsttechnologischer Aspekte wird auch das wichtige Feld der optimalen Bewahrung der wertvollen Objekte des GNM, des größten kulturhistorischen Museums im deutschen Sprachraum, in den Fokus gerückt. Wie muss die optimale Vitrine beschaffen sein? Wie oft muss belüftet werden? Welche Stücke dürfen nebeneinander gezeigt werden, ohne sich gegenseitig zu schädigen? Welcher Lack darf für den Innenraum (einschließlich Beschilderung!) verwendet werden? Die Fakultät Werkstofftechnik der TH Nürnberg konnte hier mit Unterstützung des OHM-CMP und der Mineralogischen Staatssammlung München eine ungewöhnliche Korrosionserscheinung aufklären. An einer Medaille aus dem 17. Jahrhundert, die an den schwedischen König Gustav Adolf erinnert, deckte die Arbeitsgruppe um Frau Professorin Helbig eine unerwartete chemische Reaktion in einer Ausstellungsvitrine auf. Alle Silberobjekte zeigten auf ihrer Oberfläche dunkle Beläge und bei näherem Hinsehen glitzernde Kristalle. Die Analysen ergaben: Silbersulfid. Für Silber ist das nicht ungewöhnlich, für Silber in einer Museumsvitrine aber schon. Mit nahezu kriminalistischer Akribie klärte die damalige Bachelorandin Julia Hoppe den Korrosionsmechanismus auf: Zwei Vitrinenmaterialien, die vor dem Bau der Vitrine nach best practice, allerdings wie üblich separat, auf Unbedenklichkeit getestet worden waren, hatten miteinander reagiert und dabei ein schädliches Gas freigesetzt. Ein unvorhersehbarer Effekt, der zum Verlust unersetzlicher Objekte hätte führen können --- "Alter Schwede"!
In der Ausstellung wird die Herangehensweise an diese Fragestellung erläutert und es werden die Modellversuche gezeigt, die den Korrosionsmechanismus bestätigt haben. Die Sonderausstellung "Abenteuer Forschung" ist noch bis zum 6. Januar 2020 im Germanischen Nationalmuseum zu sehen.
Die gezeigten Arbeiten der TH Nürnberg wurden 2017 unter dem Titel „Außergewöhnliche Silbersulfiderscheinungen an Exponaten in Vitrinen. Wechselwirkungen zwischen Vitrinenmaterialien – Ursachenforschung“ in der Zeitschrift „Beiträge zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgut – VDR Beiträge“ veröffentlicht (M. Raquet; J. Hoppe et al. VDR Beiträge 2, 2017, S.16-23).

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