Forschungsschwerpunkt „Gestaltungsdiskurs Industrie 4.0“

Industrie 4.0 ist eine kommunikative Herausforderung. Sowohl für die politische Ebene, die Wirtschaftspolitik, die Kundenkommunikation für produzierende Unternehmen, aber auch für die Mitarbeiterkommunikation von Betrieben. Industrie 4.0 wird als vierte Industrielle Revolution bezeichnet, weckt Hoffnungen und wird als Chance für den Produktionsstandort Deutschland als das Konzept für die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft bezeichnet. Gleichzeitig wird unter Industrie 4.0 die flächendeckende Vernetzung der Produktion mit ITK-Technologien, dem Internet der Dinge, Big-Data-Management usw. verstanden. Autonome Objekte, mobile Kommunikation oder Echtzeitsensoren erlauben neue Konzepte in der modularen und dezentralen Produktion bzw. eröffnen neue Möglichkeiten der Integration über die gesamte Wertschöpfungskette bzw. der Kundenanforderung. Hohe Variantenzahl und geringe Losgrößen bis hin zur Losgröße „1“ werden kostengünstig möglich. Dabei induziert diese Umorientierung auch gesellschaftliche Veränderungen mit Blick auf Arbeitswelt, Bildungsanforderungen oder politischen Rahmensetzungen. Gerade die gesellschaftliche Bereitschaft, die Chancen von Industrie 4.0 zu ergreifen hängt von der richtigen und umfänglichen Kommunikation des Konzeptes ab. Das betrifft sowohl die Kommunikation im politischen Diskurs, was Digitalisierung und IT-Infrastruktur betrifft, als auch die Kommunikation von Unternehmen mit Blick auf Märkte, aber gerade auch mit Blick auf aktuelle und potentielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Für den Standort Deutschland muss ein Gestaltungsdiskurs initiiert und gestaltet werden, der hilft, die Chancen von Industrie 4.0 zu nutzen und die Bedenken, die vor allem mit Blick auf den Wandel in der Arbeitswelt bestehen, ernst nimmt und in die Überlegungen integriert.

Im Forschungsschwerpunkt „Gestaltungsdiskurs Industrie 4.0“ entstehen Kommunikationskonzepte für KMU sowie Analysen von Meinungsbildern in Fach- und Wirtschaftsmedien.

Blog: tj-industrie40.de

Kontakt: volkermarkus.banholzer(at)th-nuernberg(dot)de

V.l.n.r: Daniel Fiene (Leiter Digitalstrategie der Rheinischen Post), Hannah Monderkamp (Social-Media-Analystin), Prof. Volker M. Banholzer, Michael Bröcker (Chefredakteur Rheinische Post); Foto: RP

Social Listening: Dem Begriff „Industrie 4.0“ auf der Twitter-Spur

Industrie 4.0 oder die vierte industrielle Revolution bestimmen die Agenda der Tagungen und Konferenzen der Fach-Communities. Aber: Was denken User von Facebook, Twitter und Co. über Industrie 4.0, Digitalisierung und Society 5.0? Das ist die zentrale Frage für das gemeinsame Forschungsprojekt des Verlages der Rheinische Post (Düsseldorf) und der Technischen Hochschule Nürnberg. Daniel Fiene, Leiter Digitalstrategie der Rheinischen Post und Volker Banholzer, Leiter des Forschungsschwerpunkts „Gestaltungsdiskurs Industrie 4.0“ an der TH Nürnberg wollen die Trends und Stimmungen in den Social Media Kanälen zu Industrie 4.0 analysieren.

Die Anfangseuphorie beim Thema Industrie 4.0 scheint verflogen inzwischen sind Töne der Enttäuschung und skeptische Meinungen mehr im Vordergrund. Manche sprechen vom Tal der Enttäuschungen, das im Technologie Hype Cycle durchschritten wird. Ob sich diese Wahrnehmung mit Analysen aus den Social Media Kanälen belegen lässt, ist denn auch das zentrale Interesse der Untersuchung.

Das Werkzeug für diese Untersuchung ist das sogenannte Listening-Center der Rheinischen Post. Das Listening-Center ist für die Rheinische Post (http://zeitgeist.rp-online.de/) die Grundlage für einen Journalismus, den Daniel Fiene als „data driven“ bezeichnet. Damit beobachtet die Onlineredaktion in Düsseldorf Thementrends im Netz und erstellt aufgrund dieser Analysen und Stimmungen für die Redaktionen Recherchehinweise. „Social Media gehört zu den wichtigsten Meinungsbarometern unserer Gesellschaft,“ erklärt Daniel Fiene. Mit dem Listening Center war die Rheinische Post das erste Verlagshaus, das auf einen eigenen Algorithmus zur Stimmungsanalyse in den Social Media Kanälen setzt.

Die Kooperation von Rheinischere Post und Technischer Hochschule Nürnberg ist auf zunächst ein Jahr angelegt. Die Analyse der Netz-Stimmung zu Industrie 4.0 mit dem Listening Center ist Teil eines größeren Forschungsvorhabens der Technischen Hochschule Nürnberg zu Framing und Akzeptanz von Innovationen, das von der Staedtler-Stiftung gefördert wird. Neben der Analyse der Social Media Kanäle werden auch klassische Fach- und Publikumsmedien sowie die zentralen Äußerungen der wichtigsten Akteure in der Diskussion um Industrie 4.0 untersucht.

Forschungsprojekt: „Akzeptanz von Technologien – Akteurkonstellationen und Frames in der Diskussion um Industrie 4.0“

Gefördert von: Staedtler Stiftung Nürnberg

Innovationen und Technologien sind für einen High-Tech-Standort und allgemein für eine Volkswirtschaft wie Deutschland von entscheidender Bedeutung. Ob sich Technologien oder innovative Konzepte entwickeln können, hängt maßgeblich von der Akzeptanz der Technologien ab. Diese Akzeptanz wird nicht nur durch die reinen technischen Eigenschaften einer Innovation bestimmt, sondern hängt von bestehenden Einstellungen und Diskursen in einer Gesellschaft ab, vor allem dann, wenn durch eine Technologie tiefgreifende Veränderungen in mehreren Subsystemen der Gesellschaft zu erwarten sind. Industrie 4.0 bestimmt als Begriff aktuell die Agenda in den Medien und in der wirtschaftspolitischen Diskussion. Von der erfolgreichen Umsetzung von Industrie 4.0 versprechen sich Politik, Wirtschaftsverbände und Unternehmen eine Sicherung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Gleichzeitig wird die Digitalisierung und Industrie 4.0 vielfältige und tiefgreifende Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik, Recht und Wirtschaft haben. Der Erfolg von Innovationen wie Industrie 4.0 ist auf die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Technologien angewiesen. Akzeptanz baut auf bestehenden Diskursen und Deutungsrahmen auf, die vor allem über Medien vermittelt werden. Erstes Ziel der Untersuchung ist es, herauszufinden, wie die Industrie 4.0 im massenmedialen Diskurs als Begriff konstruiert, von den verschiedenen Akteuren sprachlich besetzt und in die Öffentlichkeit vermittelt wird.

  • Welche Medienpräsenz hat Industrie 4.0? (Agenda Building) In welchem Umfang und in welchem Ressort wird über Industrie 4.0 berichtet? Gibt es im Zeitverlauf von 2012 bis heute Änderungen im Umfang der Berichterstattung? (Issues-Attention-Cycle) Und wenn ja, wie können sie erklärt werden?
  • Wie wird über Industrie 4.0 berichtet? (Bias) Welche Themen und Interpretationsmuster kommen in der Berichterstattung vor? (Medien Frames) Gibt es einen Risiko-Chancen-Diskurs?
  • In welchem Umfang sind politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und wissenschaftliche Akteure und Akteursgruppen in der Berichterstattung präsent? Wie positionieren sich diese Akteure gegenüber der Industrie 4.0? Worauf beruht der Expertenstatus dieser Akteure?
  • Welche für Industrie 4.0 relevanten Begriffen werden zitiert? Welche semantischen Felder, Metaphern, Schlüsselwörter, Fahnenwörter und Stigmawörter werden in den Veröffentlichungen verwendet?

Zweites Ziel der Untersuchung ist es zu analysieren, ob sich Fachjournalistinnen und Fachjournalisten als Mitentscheider im Prozess der Einführung von Innovationen allgemein und konkret von Industrie 4.0 sehen.

Kommentar: Ausbildung 4.0? Aufgabe, Scheinlösung und Problem

Kaum eine Diskussion vergeht, in der nicht über die neuen Anforderungen in der Arbeitswelt gesprochen wird − für Arbeiterinnen und Arbeiter gleichermaßen wie für Führungskräfte. Industrie 4.0 stellt neue Aufgaben, fordert neue Qualifikationen und zieht neue Studiengänge oder Ausbildungsberufe nach sich. Immerhin handelt es sich um die vierte industrielle Revolution….

Ein Kommentar im SPS-Magazin.

Arbeitspapier: Gestaltungsdiskurs Industrie 4.0

Innovationskommunikation und die Etablierung des Konzepts Industrie 4.0 - Akzeptanzaspekte, Frames, Institutionalisierungen

Ohne Produkt oder Dienstleistung zu sein ist Industrie 4.0 eine disruptive Innovation, die erheblichen Einfluss auf andere Systeme wie Gesellschaft, Politik und Recht haben wird. Industrie 4.0 wird Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitsrecht (Arbeit 4.0) beeinflussen, wird neue Aufgaben für Versicherungen (Roboterrecht) stellen, wird Wirtschafts-, Technologie- und Innovationspolitik herausfordern, wird das Finanzsystem mit Themen wie Finanzierungsstrategien für Innovationstechnologien bis hin zur Bewertung von Geschäftsmodellen konfrontieren, wird gesellschaftliche Strukturen durch die Veränderung von Arbeit beeinflussen oder Anforderungen an Hochschulen und Weiterbildung stellen.

Dabei wird Industrie 4.0 einerseits als Konzept und Technologie sozial konstruiert. Andererseits werden sich soziale Organisationen und Praktiken an diese Innovation anpassen. Dabei spielt Akzeptanz dieser Innovation eine wichtige Rolle, über die in einem Gestaltungsdiskurs verhandelt wird. Hierfür ist sowohl die Analyse der Vermittlung über journalistische Leistungsangebote bedeutend. Entscheidend ist zudem, welche Frames im Diskurs verwendet werden. Hier lassen sich Framing-Ansätze aus Policy-Forschung, politikwissenschaftlicher Bewegungsforschung sowie Journalismus- und Kommunikationswissenschaft nutzbar machen. In dieser Abhandlung werden exemplarisch zwei Frames skizziert. Einerseits die Bewertung von Industrie 4.0 unter den Aspekten von Datensicherheit und IT-Security und andererseits die Diskussion um die Entwicklung des Arbeitsmarktes mit Blick auf Robotik und Künstliche Intelligenz. Diese Frames machen auch deutlich, dass ob der gesellschaftlichen Bedeutung und Wirksamkeit von Industrie 4.0 ein breiter Gestaltungsdiskurs erforderlich ist, der allerdings erst am Anfang steht.

Zum Arbeitspapier: pdf

Newsgames für Ingenieure – Industrie 4.0 als Thema für Newsgames

Newsgames, Serious Games, Gamification. Schlagworte, die auch in Unternehmenskommunikation und Journalismus vermehrt auftauchen. Sender wie Arte oder das Onlineportal der Süddeutschen Zeitung bieten Games an, um komplexe Inhalte verständlich darstellen zu können und Wissen zu vermitteln. Neu ist, dass auch die Industrie jetzt auch auf Gamification setzt. Gerade für ein komplexes Thema wie Industrie 4.0 eignen sich Games-Ansätze.

Ein Pilotprojekt startet jetzt in Kooperation von VDI Verlag, den Spieleentwicklern von Industrial Newsgames und dem Studiengang Technikjournalismus/Technik-PR. Entstehen soll ein Newsgame, welches Interessierten die Facetten der Ingenieurberufe transparent machen soll. Stichworte sind: Industrie 4.0, Mensch-Maschine-Schnittstelle oder der Ingenieurberuf in der Zukunft.

Im Forschungsschwerpunkt „Gestaltungsdiskurs Industrie 4.0“ werden Studierende des Studiengangs Technikjournalismus/Technik-PR das Game konzipieren, mitgestalten und multimedial aufbereiten. Und vor allem auch wissenschaftlich evaluieren.

Industrie 4.0 – Thema in der Chefetage nicht auf dem Shopfloor?

Erste Ergebnisse der Umfrage unter Verantwortlichen der Unternehmenskommunikation im Maschinenbau.

  • Industrie 4.0 ist ein Thema für CEOs und Führungskräfte
  • Aktuelle und potentielle Kunden sind an Industrie 4.0 interessiert
  • Industrie 4.0 ist ein (sehr) wichtiges Thema für die Ansprechpartner in der Politik
  • Mitarbeiter sind kaum verunsichert und interessieren sich eher weniger für das Thema

Ausführliche Erläuterungen finden sie hier.