Innovative Konzepte für die Lehre

Die TH Nürnberg engagiert sich in der Entwicklung innovativer Lehrkonzepte. Lesen Sie mehr im Interview mit dem Vizepräsidenten für Studium und Lehre, Prof. Dr. Niels Oberbeck und dem Projektleiter Dr. Benjamin Zinger.

Das Gespräch führte Astrid Bergmeister, Leiterin der Hochschulkommunikation

 

Professor Oberbeck, als Vizepräsident für Studium und Lehre legen Sie einen zentralen Fokus auf die Entwicklung innovativer Ansätze in der Lehre. Im ‚Qualitätspakt Lehre‘ engagieren sich auch andere Hochschulen. Was macht die TH Nürnberg anders als andere Hochschulen?
Uns ist es sehr wichtig, den Initiativen und Maßnahmen nicht den Charakter eines ´externen´ Projekts zu geben, sondern sie zu einem integralen Bestandteil der Hochschule zu entwickeln. Nur so lässt sich eine breite und nachhaltige Wirkung erzielen, die wirklich im Hörsaal ankommt. Daher haben wir aus den Projektaktivitäten den ´Service Lehren und Lernen´ gegründet, der mit den bestehenden Einrichtungen der Hochschule vielfältig verzahnt ist. Unser Ziel ist eine lebendige Kommunikation über gute Lehre, die die Entwicklung innovativer Lehrkonzepte und die Lust am Ausprobieren fördert.

Was waren die Meilensteine bis zur Einrichtung des ‚Service Lehren und Lernen‘?
Zunächst haben sich die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu einem ´QuL´-Team geformt. Von Beginn an haben wir an der Identifikation von Schnittstellen zu Fakultäten und Abteilungen gearbeitet und an diesen Stellen persönliche Kontakte aufgebaut. Das Angebot von ´QuL´ wurde mit den Bedarfen im Haus abgestimmt. Mit der Gründung des ´Service Lehren und Lernen´ haben wir alle Maßnahmen zielgruppenorientiert gebündelt und mit bestehenden Einrichtungen wie dem Blended Learning-Team oder dem Servicezentrum Studium verknüpft. 

Der ‚Service Lehren und Lernen‘ bietet für die Professorinnen und Professoren sowie die Lehrbeauftragten hoch qualifizierte Anregungen für ihre Lehre. Was macht die Anlaufstelle so wichtig?
Gute Lehre ist unsere Kernaufgabe und der wichtigste Ausweis unserer Qualität. Neben der fachlichen Expertise brauchen Lehrende auch die Fähigkeit, diese verständlich weiterzugeben. Was die Lehre angeht haben in der Regel aber weder Professorinnen und Professoren noch Lehrbeauftragte eine professionelle Ausbildung. Die Unterstützung durch die Angebote des ´Service Lehren und Lernen´ ist daher besonders wichtig. Viele der Kolleginnen und Kollegen haben ein großes Interesse an neuen Impulsen für ihre Lehre und nutzen die Möglichkeit zum kollegialen Austausch.

Herr Dr. Zinger, wer sind die Akteure des Service Lehren und Lehren?
Der Service Lehren und Lernen besteht aus einem interdisziplinären Team engagierter Personen, die fakultätsübergreifend ihre Erfahrungen und Kompetenzen zur Verbesserung des Lehrens, Lernens und der Beratung an der Hochschule einbringen. Das sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des QuL-Projekts, aber auch Personen aus etablierten Einrichtungen, anderen Projekten und Instituten, die sich für die Weiterentwicklung der Lehre und Verbesserung der Studienbedingungen sowie die Förderung überfachlicher Kompetenzen einsetzen. So stehen wir beispielsweise in enger Abstimmung mit einigen Einheiten des Servicezentrum Studium, mit dem Projekt „Mut zum Studium“, mit der Personalentwicklung und dem Language Center, um nur einige Mitakteure zu nennen. Ziel ist es, Akteure zusammenzuführen und Aktivitäten zu bündeln, um eine auch nach außen hin sichtbare Anlaufstelle für unsere Themen zu bilden.

Was zeichnet das Selbstverständnis Ihrer Arbeit im Service Lehren und Lernen aus, was ist Ihnen besonders wichtig?

Wir möchten für die Hochschule Impulse geben für eine methodisch abwechslungsreiche, zeitgemäße Lehre, die aktivierend und verständnisorientiert ist: ‚shift from teaching to learning‘. Die neuen Lehrkonzepte entstehen in einem peer-Ansatz gemeinsam aus den Blickwinkeln der Experten für Hochschuldidaktik und der Professorinnen und Professoren bzw. der Lehrbeauftragten. Zur Entwicklung überfachlicher Schlüsselkompetenzen für Studierende setzen wir unter anderem das Konzept ‚Service Learning‘ ein: Gemeinsam mit externen Partnern in Wohlfahrts- und Kultur-Institutionen, Vereinen und Kommunen bieten wir Studierenden die Möglichkeit spannender Projektarbeit. Eine hohe Diversitäts- und Zielgruppenorientierung ist uns besonders wichtig.

Der ‚Service Lehren und Lernen‘ wurde bereits einmal erfolgreich evaluiert und ist im Herbst 2016 in die zweite Förderperiode gestartet. Was sind Ihre stärksten Erfolge?
Entscheidend für die erneute Förderung waren sicher drei erkennbare Erfolge: Die nachhaltige Integration des Projekts in die Hochschulstrukturen, die Verbreitung der zielgruppenorientierten Angebote unter den Lehrenden und die Wirksamkeit der Maßnahmen bis in die alltägliche Lehre.
Zum Ausprobieren neuer Methoden bieten wir ein Angebot von differenzierten Programmen für jede Lehrendengruppe. Das umfasst beispielsweise Zertifikatskurse für Lehrbeauftragte oder ein umfangreiches didaktisches Weiterbildungsprogramm, bei dem wir auch mit dem bayerischen Didaktikzentrum kooperieren. Oft fehlt für die Weiterentwicklung der eigenen Lehre vor allem Zeit - mit Unterstützungsangeboten durch Hilfskräfte oder durch eine Reduzierung des Lehrdeputats schaffen wir Freiräume für die Erprobung neuer didaktischer Konzepte. Am Multiplikatorenprogramm für die kollegiale Beratung besteht an allen Fakultäten ein starkes Interesse. Und nicht zuletzt sprechen wir auch unsere Studierenden an, etwa durch die Unterstützung bei Lehrforschungsprojekten und mit Kursen wie der ‚Basisqualifikation Schlüsselkompetenzen für ein effektives Lernen‘ und Workshops für writing-skills. Die TH Nürnberg hat als erste bayerische Hochschule für angewandte Wissenschaften ein Schreibzentrum gegründet.

Professor Oberbeck, wo sehen Sie Entwicklungsoptionen für die Hochschule?
Was sind Ihre Pläne, wie werden Sie den ‚Service Lehren und Lernen‘ weiterentwickeln?
In der zweiten Förderperiode wird der ‚Service Lehren und Lernen‘ bis 2020 weitergefördert. Wir
erleben in sehr vielen Projekten, wie wir inzwischen in die Abteilungs- und Fakultätsmatrix der Hochschule hinein gemeinsame Ideen generieren und umsetzen. Digitalisierte Angebote sind dabei ein wichtiger Treiber. Wir denken darüber nach, wie wir diese Dynamik und engmaschige Vernetzung auch über das Projektende hinaus erhalten können. Gute Lehre und die Förderung von Lehr- und Lernkompetenzen sind keine Projektaufgaben, sondern Daueraufgaben.

Das 3. MINT-Symposium im Herbst 2017 veranstaltet die Hochschule gemeinsam mit dem DiZ, dem zentralen bayerischen Didaktik-Zentrum in Ingolstadt. Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Symposium?
Die TH Nürnberg versteht sich als ein zentraler Ort zur Entwicklung neuer Didaktik-Konzepte auch im MINT-Bereich. Wir laden bundesweit zur Teilnahme ein, etwa 200 Lehrende aus den MINT-Fächern finden hier eine spannende Austauschmöglichkeit über Best-Practice-Beispiele. Die diesjährige Leitfrage der Tagung „(Wie) Verändern sich unsere Studierenden?“ steht im Mittelpunkt der vier Themenblöcke. So geht es beispielsweise darum, wie Lehrende mit den heterogenen Vorkenntnissen ihrer Studierenden besser umgehen können, welche Möglichkeiten die Digitalisierung für die Lehre bietet und wie die Förderung überfachlicher Kompetenzen gelingt. Die Tatsache, dass bereits über 110 Tagungsbeiträge eingereicht wurden, zeigt das große bundesweite Interesse und macht deutlich, dass die TH Nürnberg, die bereits 2013 und 2015 gastgebende Hochschule für das MINT Symposium war, ein wichtiger Akteur für die Weiterentwicklungen in der MINT-Fachdidaktik ist.