Forschungsdatenblätter

POLYMERFASER-BASIERTES MESSEN, STEUERN UND SCHALTEN

Das Polymer Optical Fiber Application Center (POF-AC) der Technischen Hochschule Nürnberg steht seit seiner Gründung im Jahr 2001 für anwendungsbezogene Forschung auf dem Gebiet der Optischen Polymerfaser (POF) in den Bereichen Datenübertragung, Sensorik und Beleuchtungstechnik. In den letzten Jahren zeichnet sich ein anhaltender Trend auf dem Gebiet der optischen Fasern ab, in denen es vor allem darum geht, Funktionen über Verbindungen mit großer Spannungsdifferenz auszuüben.

Zwei der wichtigsten Felder sind dabei die Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) und die Elektromobilität. In einem neuen Forschungsschwerpunkt an der TH Nürnberg werden nun bisherige Forschungsergebnisse des POF-AC mit neuen Verfahren verknüpft und unter dem Namen  „POF-Control“ vereint. POF-Control hat dabei das Potenzial, verschiedenen Problemstellungen mit interdisziplinären Ansätzen zu lösen.

SCHALTEN VON THYRISTOREN MIT OPTISCHEN POLYMERFASERN

Das optische Schalten von Thyristoren wird durch die geplante Energiewende und dem damit verbundenen Ausbau der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungen (HGÜ) in Zukunft eine  bedeutende Stellung in der bundesweiten Stromversorgung einnehmen. Der besondere Vorteil dieser schaltbaren Halbleiterbauelemente liegt darin, dass die Zündung ohne galvanische Verbindung zum

Lastkreis erfolgt. Aus diesem Grund werden Light Triggered Thyristors (LTTs) beim Ausbau der HGÜs in Zukunft vermehrt zum Einsatz kommen, wobei optische Fasern verwendet werden. Glasfaserleitungen bringen jedoch Nachteile, wie etwa die anspruchsvolle Handhabung,
den geringen Kerndurchmesser und die damit verbundene Anfälligkeit für Beschädigungen mit sich.

UNIVERSELLER FARBUMSCHLAGSENSOR MIT POLYMERFASERN

Die Optische Polymerfaser (POF) wurde in den letzten Jahren vor allem für Kurzstrecken-Datenkommunikation betrachtet. Immer interessanter wird aber auch der Einsatz im Bereich der Sensorik. Im Projekt „Universeller Farbumschlagsensor mit Polymerfasern“ (gefördert durch 

die Staedtler-Stiftung) am Institut POF-AC der Technischen Hochschule Nürnberg wird nun untersucht, wie Farbumschlagsreaktionen mit Hilfe von POF-basierten Sensoren zur Detektion verschiedener  Stoffe genutzt werden können.

EINE UNTERSUCHUNG DER AUSWIRKLUNGEN VON 3D-DRUCKTECHNOLOGIEN AUF GLOBALE LIEFERKETTEN: CHANCEN UND RISIKEN

Die Bundesregierung hat im Rahmen der High-Tech Strategie zum Ziel erklärt, immer kürzere Innovationszyklen zu fördern und somit die traditionelle Struktur der Produktion und Wirtschaft insgesamt zu verändern. Eine dieser Strategien ist die additive Fertigung. Das als 3D-Druck bekannte Fertigungsverfahren bietet für viele Branchen von der Automobilindustrie bis hin zur Luft- und Raumfahrttechnik vielfältige Möglichkeiten. Die Forschung in diesem Bereich 

befindet sich noch im Aufbau, wodurch nur ein begrenztes Verständnis über die Treiber und Hindernisse der Einführung von additiven Fertigungstechnologien besteht. Im Forschungsprojekt „Eine Untersuchung der Auswirkungen von 3D-Drucktechnologien auf globale Lieferketten: Chancen und Risiken" sollen Methoden zur Bewältigung von Herausforderungen in der Supply-Chain-Rekonfiguration erarbeitet werden und Chancen und Risiken für den deutschen Markt herausgestellt werden.

DIGITALE DISRUPTION UND GESCHÄFTSMODELLE IN DER FINTECH-INDUSTRIE - DEUTSCHLAND UND USA IM VERGLEICH 

In den USA und in Deutschland lässt sich seit ca. 5 Jahren ein starkes Wachstum technologiegetriebener Geschäftsmodelle in der Finanzdienstleistungsindustrie beobachten. Aber die Kooperation zwischen den sogenannten Fintechs und etablierten Unternehmen ist noch sehr wenig erforscht. Erste Forschungsunterstützung hat es 2016 durch ein vom Bundesfinanzministerium gefördertes Projekt gegeben. Der Fokus traditioneller Unternehmen liegt auf bisher erfolgreiche Produkten, während sich innovative Start-up Unternehmen beim 

Markteintritt oft auch völlig neue Dienstleistungsfelder erschließen. So hat Paypal beispielsweise mit seinem Internetbe- zahlverfahren eine Marktlücke geschlossen, die vorher von den etablierten Anbietern ignoriert worden ist. Das Projekt „Digitale Disruption und Geschäftsmodelle in der Fintech-Industrie – Deutschland und USA im Vergleich" untersucht im Rahmen einer empirischen Studie die Nut-zenpotentiale von Fintech-Kooperationen auch für den deutschen Markt.

Quelle Bild: Wendler, Analysis vel resolutio, Bayer. Staatsbibliothek München, Cgm 3789, 121r

EDITION DER NIE GEDRUCKTEN GROSSEN ARITHMETIC VON ANTON NEUDÖRFFER IN DER HANDSCHRIFTLICHEN BEARBEITUNG VON GEORG WENDLER

Die Vermittlung mathematischen Wissens in Stadtschulen oblag vom 16. bis ins 18. Jh. sogenannten Rechenmeistern, die sich überdies als Autoren von Rechenbüchern auszeichnen konnten. Der Nürnberger Schreib- und Rechenmeister Anton Neudörffer (1571 – 1628) ist durch seine mehrfach aufgelegte „Anweisung in der Arithmetic“ bekannt. Durch die Wirren des 30jährigen Krieges wurde seine mit Vorabdrucken angekündigte 

„Grosse Arithmetic“ weder gedruckt, noch ist ein Manuskript überliefert. Die Bayerische Staatsbibliothek München besitzt jedoch eine von Georg Wendler (1619 – 1988) verfasste Handschrift, in der er unter anderem 390 Prosa- und Reim- Textaufgaben daraus behandelt. In dem Projekt soll auf der Basis dieser Handschrift eine Edition erstellt werden, die sowohl Aufgabentexte als auch Lösungen in heute verständlicher Form enthält.

AKZEPTANZ VON TECHNOLOGIEN –AKTEURKONSTELLATIONEN UND FRAMES IN DER DISKUSSION UM INDUSTRIE 4.0

Innovationen und Technologien sind für High-Tech-Standorte und allgemein für eine Volkswirtschaft wie Deutschland von entscheidender Bedeutung. Deren Erfolg hängt maßgeblich von einer funktionierenden Kommunikation sowohl bei den Medien als auch auf Seiten der Unternehmen sowie von der Akzeptanz der Technologien in der Bevölkerung ab. Um dies zu gewährleisten, sind Erhebungen zu Diskursverläufen und Deutungsmustern notwendig, die Schlüsse für Handlungsanleitungen von gelungener Kommunikation liefern. Bislang liegen solche Erhebungen nur für

Konflikttechnologien wie Gentechnik, Nanotechnik und Kernenergie vor. Gerade Industrie 4.0 ist jedoch ein Technologiekonzept, das Auswirkungen auf Recht, Arbeitsplätze, Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle haben wird. In dem Forschungsvorhaben „Akzeptanz von Technologien – Akteurkonstellationen und Frames in der Diskussion um Industrie 4.0“ sollen Framing-Ansätze aus Policy-Forschung und Kommunikationswissenschaft auf Technologien angewendet werden und die Einstellung von Fachjournalisten im Technologiebereich analysiert werden.