Ethische Fragestellungen in der Sozialen Arbeit - Vortragsreihe (evening lectures) für Studierende und Praktiker*innen

„Ethik“ reflektiert als wissenschaftliche Disziplin die Moralität bzw. die Begründetheit der Gültigkeitsansprüche der geltenden Moral und der gesellschaftlichen Praxis. In der Sozialen Arbeit stellt Ethik Fragen nach den notwendigen Tugenden und geforderten moralischen Haltungen von professionellen Sozialpädagog*innen, nach ethisch vertretbaren bzw. nicht vertretbaren beruflichen Handlungsvollzügen, nach in ethischer Hinsicht „guten“ Rahmenbedingungen Sozialer Organisationen, nach Ansprüchen, welche die organisierte Profession an die Professionellen stellt und nach - womöglich kritikbedürftigen - geltenden und ethisch gültigen Moralhorizonten der Gesellschaften, in denen Professionelle sozialarbeiten. Es geht um Bedingungen des Gelingens einer ethisch vertretbaren Praxis wie um das Scheitern, um Fallstricke, Dilemmata und Paradoxien professionellen Handelns. Letztgültiger Maßstab der Praxis ist die Würde des Menschen und  sind die Menschenrechte, die dem Menschen alleine deshalb zukommen, weil er der Menschheitsfamilie zugehört.

Die Ethik-Seminare im grundständigen Studiengang werden ergänzt durch Ring-Vorlesungen (evening lectures) externer Referent*innen, zu denen Studierende wie Praktiker*innen in der Sozialen Arbeit eingeladen sind. Die Teilnahme ist nicht anmeldepflichtig und kostenfrei.

 

Aktueller Veranstaltungshinweis

Di., 3. Dezember 2019, 18 Uhr, Bahnhofstr. 90, BB 006 (Erdgeschoss)

Prof. Dr. Gerhard Riemann, Kassel
„Ich stand also erst mal nur da und hab gestarrt und war wie gelähmt und ich wusste einfach nicht.“ Kritik und Selbstkritik in Fallanalysen der Sozialen Arbeit

Gerhard Riemann beschäftigt sich in seinem Vortrag damit, wie (zukünftige und aktuell praktizierende) Professionelle der Sozialen Arbeit ihre eigene Tätigkeit und die von Kolleg*innen mit einem fremden, ethnographischen Blick betrachten können. Dazu greift er auf Beispiele aus seiner eigenen Arbeit als Hochschullehrer zurück, in der es vor allem darum ging, Studierende der Sozialen Arbeit  mit unterschiedlichen Formen einer sozialwissenschaftlichen Fallanalyse vertraut zu machen, um auf diese Weise zu einer Fundierung ihrer professionellen Praxis beizutragen. In der Diskussion von Auszügen aus unterschiedlichen studentischen Datenmaterialien - ethnographischen Protokollen und interaktionsgeschichtlich-narrativen Interviews -, die vor allem im Verlauf von oder im Rückblick auf Praktika entstanden waren, wird deutlich, dass die Komponente der Kritik und Selbstkritik ein konstitutives Merkmal solcher Fallanalysen sind, wenn Fragen wie die folgenden auftauchen: 'Was läuft hier falsch?', 'Welche illegitimen Formen der Machtausübung lassen sich entdecken?‘, 'Was stört mich - auch an mir?‘, 'Welche besseren Handlungsalternativen bieten sich an?' Solche Formen von Fallanalysen sind eine Möglichkeit, ethische Problemstellungen der Sozialen Arbeit zu reflektieren.

Zum Referenten:

Prof. Dr. rer. pol. habil. Gerhard Riemann ist Soziologe und war von 2007 bis 2016 (dem Jahr seiner Pensionierung) Professor für Soziale Arbeit an der Fakultät Sozialwissenschaften der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm in Nürnberg - im Anschluss an Tätigkeiten als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Sozialwesen der Universität Kassel und als Professor am Fachbereich Soziale Arbeit der Universität Bamberg. Zur Zeit arbeitet er in einer Study Group am Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst mit, die sich mit Tötungshandlungen in Einrichtungen des Gesundheitswesens beschäftigt. 

 

 

Bisherige Veranstaltungen:

Hilfe und Macht – eine spannungsreiche Beziehung

Auf den ersten Blick scheint das Helfen hauptsächlich ein freundlicher Akt zu sein, der normalerweise nicht mit Macht in Verbindung gebracht wird. Doch der trügt, denn auf den zweiten Blick lüftet sich der Schleier und die Macht entfaltet ihre Wirkungen in jedem Hilfeprozess, in jeder Teamsitzung, in sozialen Projekten usw.  – wobei die Macht viele Gesichter haben kann. So verschleiert die vielbeschworene Augenhöhe zwischen Fachkraft und den Adressat*innen die Macht, die wir als Sozialarbeitende haben.

Es lohnt sich also für (angehende) Profis der Sozialen Arbeit einen lustvollen, vielleicht auch schmerzlichen Blick auf unser Kerngeschäft - die helfende Beziehung - zu werfen.

Referentin: Prof. Dr. Juliane Beate Sagebiel, Hochschule für angewandte Wissenschaften München

Dienstag, 16.04.2019 von 18:00 - 20:00 Uhr.