Gewalt am Arbeitsplatz stellt eine ernstzunehmende Bedrohung für die Sicherheit und körperliche Unversehrtheit von Beschäftigten dar. Aus diesem Grund wurde bereits vor drei Jahren ein Bedrohungsmanagement an der TH Nürnberg eingeführt. Angeregt und unterstützt wurde der Aufbau durch den Krisendienst Mittelfranken, der in Nürnberg im April 2016 das deutschlandweit erste Früherkennungsprogramm zur Vermeidung von schweren zielgerichteten Gewalttaten für eine gesamte Stadt ins Leben gerufen hat. Durch eine enge Vernetzung verschiedener Unternehmen und Behörden sowie die Ausbildung von sogenannten Erstbewerter*innen sollen Bedrohungslagen frühzeitig erkannt und entschärft werden. Handlungs- und Forschungsbedarf besteht hinsichtlich der Sensibilisierung und Meldebereitschaft der Mitarbeiter*innen in den jeweiligen Organisationen. Hier fehlt es häufig noch an Wissen über die Entstehungshintergründe von Gewalt am Arbeitsplatz und konkrete Handlungsmöglichkeiten zum Selbst- und Fremdschutz. Diese Lücke soll durch die Entwicklung, Durchführung und Evaluation eines Präventionsprogramms zur Vermeidung von Gewalt am Arbeitsplatz durch eine Qualifizierungsmaßnahme von Mitarbeiter*innen geschlossen werden.

Laufzeit: 15.07.2019 bis 14.07.2020

Projektleitung

  • Prof. Dr. Christina Zitzmann

Projektmitarbeiterin

  • Alexandra Huber B.A.

Im Rahmen des Forschungsprojekts soll ein Training für Mitarbeiter*innen mit dem Titel „Stark am Arbeitsplatz – Prävention von Gewalt am Arbeitsplatz“ entwickelt, durchgeführt und evaluiert werden. Dabei sollen folgende Fragen beantwortet werden:

  • Welches Wissen benötigen Mitarbeiter*innen beim Erkennen von potenziell gefährlichen Situationen am Arbeitsplatz?
  • Was können Mitarbeiter*innen im Hinblick auf das Erkennen problematischer destruktiver Strömungen an ihrem Arbeitsplatz tun?
  • Wie können Mitarbeiter*innen auf eine krisenhafte Entwicklung in Richtung schwerer Gewalt geschult werden?

Ziel des zu entwickelnden Präventionsprogramms ist, Mitarbeiter*innen einen achtsamen Umgang mit bedrohlichen Situationen am Arbeitsplatz zu vermitteln und direkt ihre Handlungsressourcen zu stärken.

Bei dem Projekt handelt es sich um ein von der STAEDTLER-Stiftung gefördertes Drittmittelprojekt.

 

Das Bedrohungsmanagement ist eine zunehmend an Relevanz gewinnende Präventionsstrategie, um Gewalt am Arbeitsplatz zu verhindern. Es zielt darauf ab, gefährliche Situationen möglichst früh zu erkennen, einzuschätzen und - im Fall einer ernstzunehmenden Bedrohung - zu entschärfen. Dass solche Maßnahmen insgesamt notwendig sind, zeigen unterschiedliche Studien zur Häufigkeit von Gewalt am Arbeitsplatz, wie zum Beispiel eine Studie von Jens Hoffmann (2014): Von 495 befragten Mitarbeiter*innen aus verschiedenen Unternehmen und Behörden aus dem deutschsprachigen Raum gab jeder zweite Befragte an, am Arbeitsplatz bereits einmal mit bedrohlichem Verhalten konfrontiert worden zu sein.

Neben der Vernetzung verschiedener Behörden und Unternehmen und der Ausbildung von sogenannten Erstbewerter*innen, ist das Bedrohungsmanagement auch auf die Mitarbeit und Hilfe von aufmerksamen Beschäftigten angewiesen, die Bedrohungslagen frühzeitig erkennen und melden. Daher ist es ein Anliegen des geplanten Präventionsprogramms, Mitarbeiter*innen das nötige Wissen hierfür zu vermitteln. Zudem profitieren sowohl Mitarbeiter*innen als auch die Organisationen selbst von den geplanten Schulungen, da diese das Sicherheitsgefühl der Beschäftigten stärken und somit das Risiko von erhöhten Ausfalltagen, sinkender Motivation und damit geringerer Produktivität der Mitarbeiter*innen sowie einer Verschlechterung des Betriebsklimas mindern können.

Quelle:

Hoffmann, Jens (2014): Drohungen, Gewalt und Stalking am Arbeitsplatz. In: Safety-Plus 4; S. 40-42.