Tecnaro-Granulat-Plattenmuster

‘Fassadenladen‘ - Universeller Baukasten mit biogenen Werkstoffen (02/2016 – 01/2018)

 

Ein Forschungsverbund unter Koordination der Fakultät Architektur der TH Nürnberg will in den nächsten zwei Jahren ein modernes Fassadenelement aus Biopolymeren entwickeln. Das neue Bauteil soll besonders den vertikal zonierten unterschiedlichen Funktionen wie Sonnenschutz und gute Tageslichtnutzung, Sichtkontakt nach außen, Zuluft- / Abluftöffnungen in effizienter Weise gerecht werden. Der „Fassadenladen“, in Anlehnung an den klassischen Fensterladen, soll bei der Gestaltung von Neubauten zum Einsatz kommen, aber auch bei der energetischen Sanierung von Gebäuden.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert das Projekt „FabioW Fassadenladen – Hochtechnologie mit biogenen Werkstoffen – Ein universeller Baukasten als Neuinterpretation des Fensterladens“ mit insgesamt 1.170.800 Euro. Davon gehen 343.689 Euro an die TH Nürnberg. Als Gesamt-Projektträger fungiert die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. Das Forschungsvorhaben hat im Februar 2016 begonnen und dauert zwei Jahre.

Zielsetzung ist ein industriell gefertigtes, modulares Baukastensystem, das wahlweise auf die Anforderungen von Wohnungs- und Bürogebäuden beim Neubau und im Bestand angepasst und im gesamten Fassadenbereich eingesetzt werden kann. Der „Fassadenladen“ soll bei verglasten Gebäudeöffnungen die Durchlässigkeit für Strahlung, Licht und Luft bei wechselnden Witterungsbedingungen und Nutzerwünschen anpassen können. 

Beim Material soll ein thermoplastischer Biokunststoff mit sehr hohem Anteil nachwachsender Rohstoffe zum Einsatz kommen. Untersuchungen zur Witterungsbeständigkeit und zum Brandverhalten gehören zum Projektumfang. Als Verarbeitungsmethode setzt das Entwickler-Team auf die Extrusion. Der „Fassadenladen“ als Gestalt prägendes Bauteil für Gebäude soll sich von bekannten Lösungen auf dem Markt absetzen und ästhetische Qualitäten neuartiger biogener thermoplastischer Werkstoffe zum Ausdruck bringen.

Bedarf und Flächenanteile von Baukomponenten im Fassadenbereich sind groß. Forschungsergebnisse des Projektes „Fassadenladen“ lassen sich voraussichtlich auf zusätzliche Funktionen und Komponenten der Gebäudehülle (weitere Sonnenschutzsysteme, Öffnungselemente, Bekleidungen etc.) übertragen.

Die Forscher erhoffen sich deshalb von biobasierten Varianten entsprechend große Effekte bei der Reduzierung der enormen Stoff- und Energieströme im Gebäudebereich. Bauprodukte aus Biokunststoffen speichern ähnlich wie Holz den Kohlenstoff, den die Pflanzen beim Wachsen in Form von CO2 aufgenommen haben, für lange Zeit und tragen so zum Klimaschutz bei.  

Der Forschungsverbund ist inhaltlich und geografisch breit aufgestellt. Neben der Fakultät Architektur unterstützen an der THN die Fakultäten Bauingenieurwesen, Betriebswirtschaft und das Institut für Energie und Gebäude das Projekt. Beteiligt sind außerdem die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit dem Lehrstuhl für Kunststofftechnik, das Fraunhofer-Institut für Bauphysik, Valley, die Joma-Polytec GmbH, Bodelshausen, die ROMA KG, Burgau, und die TECNARO GmbH, Ilsfeld-Auenstein, bei der die Materialentwicklung stattfindet.