SUN-Studie Grünfassade (11/2015 – 08/2016)


Am Rande der Nürnberger Weststadt ist die Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg (SUN) verortet. Die Stadtentwässerung ist für die Abwasserbeseitigung in Nürnberg zuständig. Das Labor für Wasser- und Abwasser- und Umweltanalytik analysiert und bewertet Trink- und Badewasser, Abwasser und Klärschlamm, Boden, Materialien und Luft. In Nürnberg ist SUN als ein moderner Umweltdienstleister bekannt und mitverantwortlich für saubere Gewässer und Umweltschutz.

Am Standort „Weststadt“ befinden sich neben dem Klärwerk mehrere Labor- und Verwaltungsgebäude der SUN. Der Standtort weist eine heterogene Gebäudestruktur auf und grenzt im Süden und Osten unmittelbar an Wohnbebauung der Nürnberger Weststadt. Das über Jahre entstandene heutige städtebauliche Erscheinungsbild lässt die kulturellen Dimensionen und das moderne ökologische Leitbild der SUN nicht erkennen. Ferner weisen einige Gebäude Anpassungsbedarf (u.a. Probleme Sonnenschutz/ Kühlbedarf) auf. 

In der öffentlichen Wahrnehmung von Umweltunternehmen, ist neben den Unternehmensaktivitäten, jedoch auch besonders das visuelle Erscheinungsbild von hoher Bedeutung, wie das Beispiel des Klärwerks „Gut Marienhof“ der Münchener Stadtentwässerung verdeutlicht.  

Aufgrund des modernen ökologisch sozialen Unternehmensleitbild von SUN, der unmittelbaren Angrenzung an die Nürnberger Weststadt und die umweltpolitischen Ziele der Stadt Nürnberg beinhaltet das Areal der SUN ein hohes Aufwertungspotential, den Umweltdienstleister als Vorreiter im Bereich Umweltschutz und klimaneutraler Stadtentwicklung über die Stadtgrenzen hinaus bekannt zu machen. 

Die Fassaden und Gebäudehüllen der SUN stellen insgesamt ein sehr großes Potential dar, den Unternehmensstandort repräsentativ deutlich aufzuwerten. Es besteht die Möglichkeit, einen Standtort mit hohem Wiedererkennungswert im Sinne des Unternehmensleitbildes zu entwickeln. Zudem gewinnt die Gebäudehülle in den letzten zwei Jahrzehnten im Kontext nachhaltiger und energieeffizienter Gebäudekonzepte enorm an Bedeutung. Fassaden beeinflussen neben dem visuellen Eindruck und Nutzerkomfort maßgeblich das Energieverhalten von Gebäuden. 

Die Studie sieht die Erstellung eines Hüllflächenkonzepts für Gebäude der SUN am Standtort Nürnberg Weststadt vor. Auf Grundlage des Unternehmensleitbildes, der aktuellen städtebaulichen Situation und der Gebäudegegebenheiten, wird eine architektonische Studie für die Einsatzmöglichkeiten von Fassadenbegrünung als Mittel der alternativen Gebäudeklimatisierung unter Einsatz von Umweltenergien erstellt. 

Ferner wird der beschriebene kombinierte Einsatz von Fassadenbegrünung und dezentraler Lüftungstechnik für die SUN-Verwaltungsgebäude geprüft. Die Studie umfasst eine Systematisierung möglicher Einbauvarianten. Ziel ist es zu klären, wie Elemente der Grünfassade ausgebildet werden können, um die Temperaturen innerhalb der fassadennahen Grenzschicht möglichst optimal zu senken. Gleichzeitig sollen sie als modernes Gestaltungsmittel im Fassadenbau zum Einsatz kommen. Ferner soll der Einsatz der begrünten Fassadenelemente die Aufenthaltsqualität im Innenraum erhöhen. Hierzu werden verschiedene Varianten bodengebundener und wandgebundener Begrünungssysteme erstellt und verglichen. Um eine möglichst hohe Anpassungsfähigkeit und Einsatzmöglichkeit der kombinierten Fassadentechnologie in der Praxis zu gewährleisten, werden unterschiedliche Modellvarianten für die SUN-Bestandsgebäude erstellt. Hierbei stehen mögliche Flächenbelegungen der Vegetation innerhalb der Fassade und sinnvolle Lagebeziehungen zu den dezentralen Einheiten im Vordergrund. Die für das SUN-Hüllflächenkonzept entwickelten Fassadenvarianten sind insbesondere Grundlage für die vorgesehenen Modellvarianten im Versuchsstand. Die wissenschaftlichen Modellvarianten dienen ferner der architektonischen Fassadengestaltung als Grundlage. 

Parallel zur Erstellung des Hüllflächenkonzeptes für die SUN-Gebäude, erfolgt die Vorplanung und Standortauswahl eines Versuchstandes. Im Versuchsstand soll das Verhalten ausgewählter Modellvarianten in experimentellen Studien unter realitätsnahen Bedingungen messtechnisch erfasst werden. Die Vorplanung definiert insbesondere Anforderungen der Konstruktion und Messtechnik. Die Realisierung des Versuchsstandes findet im geplanten Folgeprojekt im März 2016 in Nürnberg statt.

 

Bott, Boris; Krippner, Roland; Fuchs, Hartmut: Fassadenbegrünung und Photovoltaik in der Bestandssanierung am Beispiel des Verwaltungsbaus von SUN. In: 9. Forum “Bauwerkintegrierte Photovoltaik”. Kloster Banz/Bad Staffelstein, 07. März 2017. Tagungsband. Regensburg: Ostbayerisches Technologie Transfer Institut e.V. (OTTI), 2017, S. 111–118 [OTTI-BIPV_2017-Tagungsbeitrag_170130_h2.pdf].