Studie: Energetische Sanierung (4/2009 – 01/2012)


Ein besonders großes Potential zur Reduktion des Energieverbrauchs für die Wärmeerzeugung der Gebäude besteht bei der Sanierung der Altbauten. Der Heizwärmebedarf des (Wohn-)Gebäudebestands beträgt im Mittel etwa 250 kWh/m2a. Im Bereich des Wohnungsbaus nehmen die Ein- und Zweifamilienhäuser eine Sonderstellung ein. Für die Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser wird das Einsparpotential auf zwischen 45 und 70 Prozent des Energieverbrauchs geschätzt, das damit deutlich höher ausfällt, als bei anderen Gebäudetypen.

Die Stadt Erlangen hat einen Bestand im Bereich der Ein- und Zweifamilienhäuser von etwa 12.000 Gebäude, bei dem die freistehenden Ein- und Zweifamilienhäuser mit 43 Prozent den größten Anteil aufweisen. Fast ein Drittel wurde zwischen 1958 bis 1968 errichet; gerade bei diesen Bauten sind die Heizwärmebedarfswerte mit 220 kWh/m2a mit am höchsten. Für den Gebäudebestand im Allgemeinen und den Kleinwohnungsbau im Besonderen ist zu beachten, dass dieser hinsichtlich bautechnischer Kriterien und typologischer Merkmale in der Summe schwer zu erfassen ist, weil nicht hinreichend dokumentiert.

Im Rahmen der Vorstudie wurden an zwei Beispielgebäuden, einem Einfamilienhaus (1962) und einem Doppelhaus (1953), anhand unterschiedlicher Sanierungsschritte die Einsparpotentiale im Bereich der Gebäudehülle untersucht. In einer ersten Einschätzung zeigte sich, dass trotz der Unterschiede in Baualtersklasse und Gebäudetyp Verbrauchsreduzierungen von über 40 Prozent selbst mit moderaten Maßnahmen gegeben sind. Die Ergebnisse liegen im Bereich anderer Erhebungen und stellen relativ typische Verbrauchswerte dar.

Bei den vorgeschlagenen Maßnahmen von Außenwand und Dach stellt der Einsatz von Holz beziehungsweise Holzwerk- und Holzverbundwerkstoffen eine wichtige Prämisse dar. Es bedarf aus baukulturellen und ökologischen Gründen zwingend Alternativen zu den weitverbreiteten herkömmlichen Sanierungen mit Wärmedämmverbundsystemen. Trotz der Bezugnahme auf bauphysikalisch und baukonstruktiv erprobte Regelaufbauten erfordert jede Maßnahme bei der energetischen Sanierung jedoch eine eingehende Betrachtung im Einzelfall.

Über die erste Abschätzung an Einsparpotentialen im Bereich der Gebäudehülle und deren Verteilung nach Bauteilgruppen hinaus, wurden für fünf Beispielbauten (drei Einfamilien- und zwei Reihenhäuser) von Masterstudenten der Fakultät Architektur der Georg-Simon-Ohm-Hochschule weitreichend Sanierungsmöglichkeiten untersucht. Dabei zeigen die fünfzehn Projektarbeiten neben einer erheblichen Einsparung beim Energieverbrauch und der damit verbundenen Reduktion von CO2-Emissionen, dies bei gleichzeitig deutlicher Ausweitung der räumlichen Gegebenheiten, durchgehend eine architektonische  Aufwertungen der Bestandsgebäude. Die Konzepte reichen von behutsamen Strategien bei Umgestaltung und Sanierung der vorhandene Bausubstanz bis hin zu weitreichenden Transformationen, bei denen auch die Möglichkeiten direkter, d.h. passiver Nutzung der Solarenergie ausgelotet wurden.