Digitale Finanzberatung

Webanwendungen zur automatisierten Geld­anlageplanung für Privatinvestoren – soge­nannte Robo Advisor – werden derzeit mit stark steigendem Interesse beobachtet. Robo Advisor lassen sich für Zwecke der Einmalan­lage und des regelmäßigen Sparens ein­setzen.

Die Aufgabe der Robo Advisor besteht darin, dem Investor auf Basis der aktuellen techni­schen Möglichkeiten und der Erkenntnisse der Kapitalmarktforschung einen risikoadä­quaten Anlagevorschlag „per Mausklick“ zu geben. Der Trend, der in den vergangenen Jahren auch in Deutschland angekommen ist, hat eine Vielzahl von Start-Ups entstehen lassen. Auch innovative Banken bieten Robo Advice an

Funktionsweise der Robo Advisor

Die Vorgehensweise der Robo Advisor lässt sich grob in fünf Phasen untergliedern:

  1. Befragung des Anlegers
  2. Strategische Asset-Allokation
  3. Taktische Asset-Allokation
  4. Fulfillment
  5. Rebalancing

Zunächst wird der Anbieter aufgefordert, Fragen zu seiner Geldanlage zu beantworten. Die Fragen zielen darauf ab, den gewünschten Anlage- oder Sparbetrag, die gebotene Anlagedauer und die Risikobereitschaft des Anlegers herauszufinden. Vereinzelt versuchen Robo Advisor auch, die Risikotragfähigkeit des Anlegers einzuschätzen.

Der Algorithmus des Robo Advisors ermittelt daraufhin eine Anlageempfehlung, die im Wesentlichen aus einer Verteilung des Anlage- oder Sparbetrags auf unterschiedliche Vermögensklassen besteht (strategische Asset-Allokation).

Die Konkretisierung des Anlagevorschlags (taktische Asset-Allokation) erfolgt bei den meisten Robo-Advice-Anbietern in Deutschland auf Basis kostengünstiger Indexfonds in Form von Exchange Traded Funds (ETF). Bei aktiven Srategien gehören dazu auch Fragen des richtigen Timings oder einer markt- bzw. situationsbezogenen Abwandlung der strategischen Allokation.

Das Fulfillment kann der Anleger entweder selbst in seinem Depot durch entsprechende Kauforders erledigen. Die meisten Anbieter nehmen dem Anleger diesen Schritt aber durch weitere Automatisierungsschritte ab. Sie führen ein Onboarding durch und buchen die Wertpapiere in das Anlegerdepot ein. 

Im Rahmen des Rebalancing wird nach einiger Zeit überprüft, ob die Zusammensetzung des Anlegerdepots noch der anfangs ermittelten Soll-Allokation aus Schritt 2 entspricht. Durch Kursänderungen kann es im Zeitablauf zu Änderungen in der Vermögensklassenverteilung kommen, die mit Hilfe des Rebalancing wieder ausgeglichen werden. Der ursprünglich gemachte Verteilungsvorschlag wird somit periodisch wiederhergestellt. Zweckmäßig erscheint dabei auch, ggf. die Fragen aus Schritt 1 erneut zu durchlaufen.

Robo Advice wird heute in Deutschland vielfach in der Variante der digitalisierten Vermögensverwaltung angeboten. Dabei trifft der Anleger selbst nach Festlegung auf einen strategischen Anlagevorschlag keine eigenständigen Kauf- bzw. Verkaufsentscheidungen, sondern überlässt dem digitalen Vermögensverwalter die taktische und operative Ausgestaltung der Geldanlage.

Unsere Forschung

Im Rahmen des Forschungsgebiets "Robo Advice" werden an der TH Nürnberg insbesondere innovative informationstechnische Ansätze zur Gestaltung der Anlegerinteraktion getestet.

Ziel ist, den digitalen Beratungsvorgang so weit wie möglich einer persönlichen Beratung durch menschliche Akteure anzunähern und dabei sämtliche Vorteile der computergestützten Automatisierung zu nutzen (Standardisierung und Objektivität, Prozesskosten, Komplexitätsverarbeitungskapazität).

Projektleiter: Prof. Dr. Thomas Bahlinger

Aktuelle Studie: Robo Advice aus der Perspektive unabhängiger Vermögensverwalter

Digitalisierungspotentiale in der Geldanlageberatung und Vermögensverwaltung aus Anbietersicht

Mai 2018

Der Beitrag von Prof. Dr. Thomas Bahlinger und Marissa Schutsch zeigt die Ergebnisse einer Kurzbefragung unabhängiger Vermögensverwalter zum Thema Robo Advice.

Die meisten Vermögensverwalter erkennen eine gewisse Relevanz in der digitalisierten Geldanlageberatung und Vermögensverwaltung. Allerdings fehlen derzeit noch konkrete Vorstellungen, wie sich die Entwicklung auf das eigene Geschäft auswirken könnte oder wie neue Technologien zweckmäßig einzusetzen sind.

Download Studie "Robo Advice aus der Perspektive unabhängiger Vermögensverwalter" als pdf (6 Seiten)

Aktuelle Studie: Digitalisierung im Asset Management

Digitalisierungspotentiale in der Geldanlageberatung und Vermögensverwaltung für private Kapitalanleger

September 2017

In diesem aktuellen Beitrag zeigt Prof. Dr. Thomas Bahlinger den Stand der Digitalisierung im Asset Management sowie die Möglichkeiten und Herausforderungen aus Sicht der Informationstechnologie.

Insbesondere für die Risikoprofilierung, das Onboarding der Anleger und die ereignisbasierte Portfolioänderung besteht großes Digitalisierungspotential. Die Risikoprofilierung und die Dialogführung mit dem Anleger profitieren von Ansätzen künstlicher Intelligenz (KI).

Inhalte der Studie sind erschienen in der Zeitschrift "die bank": Bahlinger, Thomas (2018): Private Geldanlagen lassen sich vollständig digitalisieren. Anlageberatung und Vermögensverwaltung. In: die bank (1/2018), S. 28–33.

Weitere Informationen zur Studie sind auf Anfrage beim Autor erhältlich - Kontakt s. u.

Digitalisierung im Asset Management: Video zur Studie

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Kontakt Robo Advice

Prof. Dr. Bahlinger analysiert regelmäßig den Robo-Advisor-Markt und arbeitet mit Finanzdienstleistungsunternehmen wie Banken, Honorar-Anlageberatern und Vermögensverwaltern in unterschiedlichen Kooperationsmodellen zusammen.