4. Symposium zur Hochschullehre in den MINT-Fächern

Am 26. und 27. September 2019 an der Technischen Hochschule Nürnberg, Georg Simon Ohm in Kooperation mit dem DiZ – Zentrum für Hochschuldidaktik

Knapp 170 Lehrende, HochschuldidaktikerInnen sowie MitarbeiterInnen aus dem MINT-Bereich tauschten sich in 35 Sessions unterschiedlicher Formate (Workshops, Vorträge mit Diskussion, Pecha Kucha, Poster) über aktuelle und zukunftsweisende Themen in der Lehre aus.

Das Leitthema

Die Freiheit der Lehre wird von Lehrenden hochgeschätzt und als wertvolles Gut angesehen. Diese Freiheit gibt Ihnen auch die Möglichkeit, Ihre Lehre fundiert zu analysieren, weiterzuentwickeln und über kollegialen Austausch zum wachsenden Netzwerk an Erkenntnissen und Erfahrungen zu „guter Lehre“ beizutragen.

Deshalb stand das Symposium 2019 unter dem Leitthema:

Auf dem Weg zu guter MINT-Lehre: Erfahrungen – Evidenzen – Theorien

An vielen Institutionen wird eine erfahrungs- und forschungsbasierte Weiterentwicklung der Lehre bereits institutionalisiert und gelebt, beispielswiese an Universitäten in Kanada oder den Niederlanden. Auch in Deutschland wird das Ziel zunehmend prominent, an die eigene Lehre mit dem gleichen Anspruch, dem selben Ehrgeiz heranzugehen, wie an die Forschung im eigenen Fachgebiet. Lehre wird wissenschaftlich betrachtet, Forschungsergebnisse werden in die Praxis integriert, um vom „Papiertiger“ zur Entscheidungsgrundlage zu werden, sie werden generiert und geteilt.

Die systematische Reflexion der eigenen Lehre und das Teilen der Erkenntnisse mit Fachkolleginnen und Fachkollegen sind die Kernelemente des „Scholarship of Teaching and Learning“, der „Erforschung des Lehrens und Lernens“. Alle Schritte eines Forschungsprozesses werden im besten Fall durchlaufen, wobei diese natürlich an die Kapazitäten und Rahmenbedingungen des Lehralltags angepasst werden müssen. Dies kann auf verschiedenen Ebenen geschehen, die wir im Rahmen des Symposiums in folgenden Beitragskategorien abgebildet haben:

  • Erfahrungswerte, Feedback und Evaluation als Handlungsgrundlage
  • Theorie- und Evidenz-basiertes Design
  • Forschungsprojekte

Die Zusammenfassung der Tagung

Am 26. und 27. September 2019 fand das 4. MINT-Symposium an der Technischen Hochschule Nürnberg in Kooperation mit dem DiZ – Zentrum für Hochschuldidaktik Ingolstadt statt.

Die Eröffnung erfolgte durch Grußworte von Prof. Dr. Michael Braun, Präsident der TH Nürnberg, Prof. Dr. Franz Waldherr, Direktor des DiZ – Zentrum für Hochschuldidaktik Ingolstadt, und eine Videobotschaft von Wissenschaftsminister Bernd Sibler. Die Moderation des Symposiums lag bei Daniel Al-Kabbani.

Prof. Dr.-Ing. Gerhard Müller, Vizepräsident Studium und Lehre an der Technischen Universität München, eröffnete das MINT-Symposium thematisch mit einer Keynote zum Thema „Ingenieurausbildung in einem sich transformierenden Umfeld“. Sein Vortrag zielte auf die evolutionären bis disruptiven Veränderungen im Lernverhalten neuer Generationen. Die akademische Lehre ist – seinen Gedanken nach – verpflichtet, junge Menschen schon heute auf die unbekannten Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte vorzubereiten.

In zahlreichen Workshops der Tagung wurden beispielsweise die Entwicklung von Tutorials und Testinstrumenten, die Einführung aktivierender Lehrmethoden und Begleitung von selbstorganisierten Lernprozessen vorgestellt; Beispiele sind die Übertragung motivierender Spielelemente in die Lehre und die (Weiter-) Entwicklung von Apps und Lernmanagementsystemen. Pecha-Kucha-Vorträge mit den Schwerpunkten „Mathematik/Physik“, „Technik“ und „Informatik“ hatten es in sich: nach jeweils vier bis fünf Kurzvorträgen mit 15 Folien á 20 Sekunden konnten die Zuhörer*innen mit den Referent*innen ins Gespräch kommen. Auch das Thema „Digitalisierung der Lehre“ zog sich als roter Faden durch das Symposium: Workshops zu digitalen Lerninhalten, Verwendung von „Virtual Reality“ in der Lehre, digitale Prüfungen sowie die digitalen Labore im MINT-Bereich standen im Mittelpunkt des Symposiums. In intensiven Gesprächsrunden, sowohl in den Workshops als auch in den Pausen zwischendurch, fand viel fachlicher Austausch unter den Teilnehmenden statt; auch gab es intensive Diskussionen, ob und wie sich die Methoden und Erfahrungen in die eigene Lehre übertragen lassen. Niveau und Bandbreite an Themen beim 4. MINT-Symposium waren entsprechend hoch, wichtigster Punkt war immer die konkrete Praxistauglichkeit für die MINT-Lehre.

Das Conference Dinner am Ende des ersten Tages fand im historischen Restaurant „Heilig-Geist-Spital“ statt. Etwa die Hälfte der 160 Teilnehmenden des Symposiums nahm daran teil. Attraktion im Anschluss daran war eine Nachtwächterführung durch die Nürnberger Altstadt.

Den inhaltlichen Schlusspunkt des 4. MINT-Symposiums setzte Prof. Dr. Manu Kapur von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich mit seiner Keynote zum Thema „Productive Failure“. Danach fasste Daniel Al-Kabbani die beiden Tage in einem Sketch zusammen.

Tagungsband

Programm

Die Keynote Speaker der Tagung

Fotograf (Michael Pulczynszki)

Prof. Dr. Gerhard Müller

Geschäftsführender Vizepräsident der TU München für Studium und Lehre

Titel: Ingenieurausbildung in einem sich transformierenden Umfeld

Abstract: Digitalisierung, evolutionäre bis disruptive Veränderungen in Wertschöpfungsprozessen, Veränderungen im Lernverhalten neuer Generationen: die akademische Lehre muss junge Menschen auf schon heute absehbare wie noch weitgehend unbekannte Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte vorbereiten und dabei neuen Optionen des Wissenserwerb Rechnung tragen. Dazu braucht es angemessene Prozesse zur Definition von Kompetenzprofilen, zur Schaffung offener Räume für noch unbekannte Themenfelder wie auch zur Weiterentwicklung von Lehrinhalten und –formen. Diese werden aus der Sicht einer großen Technischen Universität beleuchtet.

Fotograf (Michael Pulczynszki)

Prof. Dr. Manu Kapur

ETH Zürich, Professur für Lernwissenschaften

Title: Productive Failure

Abstract: There is now a substantive body of research that demonstrates the effectiveness of Productive Failure (PF) for learning novel concepts. I will start by describing what PF is, and situate the case for PF both theoretically and empirically. I will then delineate boundary conditions for how, when and why PF succeeds, ending with thoughts on when productive failure fails.

Biography: Manu is currently a Professor and Chair of Learning Sciences and Higher Education at ETH Zurich, Switzerland. Before this, he worked in Singapore and Hong Kong, heading learning sciences labs and initiatives. Manu is widely known mainly for his work on learning from productive failure. For more information visit www.manukapur.com 

Impressionen

  • Bernd Sibler, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, begrüßt mit einer Videobotschaft. (Foto Michael Pulczynszki)
  • Der Präsident der TH Nürnberg, Prof. Dr. Michael Braun, bei seiner Begrüßungsrede (Foto Michael Pulczynszki)
  • Prof. Dr. Franz Waldherr, Direktor des DiZ, bei seinem Grußwort (Foto Michael Pulczynszki)
  • Prof. Dr.-Ing. Gerhard Müller (Vizepräsident für Studium und Lehre der TUM) bei seiner Keynote (Foto Michael Pulczynszki)
  • Das Tagungsbüro beim MINT-Symposium (Foto Michael Pulczynszki)
  • Die Teilnehmenden konnten zwischen verschiedenen Formaten wählen. Hier in einem Vortrag mit Diskussion. (Foto Michael Pulczynszki)
  • Die Teilnehmenden beteiligen sich aktiv in einem Workshop. (Foto Michael Pulczynszki)
  • Vernetzung während der Pause (Foto Michael Pulczynszki)
  • Die Teilnehmenden im Workshop (Foto Michael Pulczynszki)
  • Prof. Dr. Michael Koch, Lehrender der TH Nürnberg, bei seinem Vortrag (Foto Michael Pulczynszki)
  • Posterausstellung (Foto Michael Pulczynszki)
  • Prof. Dr. Manu Kapur, ETH Zürich, hält die Abschlusskeynote zum Thema "Productive Failure". (Foto Michael Pulczynszki)

Vergangene Symposien:
3. Symposium am 25./26. September 2017: Programm | Tagungsband | Bildeindrücke
2. Symposium am 24./25. September 2015: Programm | Tagungsband | Bildeindrücke
1. Symposium am 07./08. November 2013: Programm | Tagungsband | Bildeindrücke

 

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Claudia Walter
DiZ - Zentrum für Hochschuldidaktik