Impulse für eine lehrbezogene Hochschulentwicklung

Wie gelingt Hochschule? Im Rahmen des über den Qualitätspakt Lehre geförderten Projekts „Mehr Qualität in Lehre, Beratung und Betreuung“ (QuL) wurden zahlreiche Ideen und Initiativen über die Jahre entwickelt und erfolgreich umgesetzt.

In einem Sammelband haben wir nun die einzelnen Initiativen nochmals reflektiert, die die Qualität der Lehre fördern. Präsentiert werden Ansätze für gute Lehr- und Lernbedingungen – mal aus der Sicht der Organisationsentwicklung, mal unter dem Blickwinkel hochschuldidaktischer Qualifizierung, mal mit Blick auf studentische Schlüsselkompetenzen. Durch das Agieren auf verschiedenen organisationalen Ebenen und deren Vernetzung zeigt sich hochschulisches Lehren und Lernen veränderbar – und zukunftsweisend.

Unserer Überzeugung nach erhalten wir die besten Anregungen im Gespräch: indem wir Fragen stellen und unterschiedlichen Antworten, Überlegungen und Lösungsvorschlägen Raum geben. Daher haben wir am 14. November 2019 folgende Personen aus der TH Nürnberg zum Gespräch eingeladen:

 

Prof. Dr. Niels Oberbeck – wurde drei Tage vor dem Gespräch zum neuen Präsidenten der Hochschule gewählt. Mitherausgeber des Sammelbands.

Erwin Eckenberger – ehemaliger Vorsitzender des Studierendenparlaments an der TH Nürnberg, Student der Sozialwissenschaften, schreibt gerade an seiner Abschlussarbeit.

Janika Brunner – Studentin der Sozialwissenschaften, schreibt gerade an ihrer Abschlussarbeit, arbeitet seit mehreren Semestern als Schreibtutorin.

Interviewerinnen: Dzifa Vode, leitet das Schreibzentrum, Mitherausgeberin des Sammelbands. Simone Weber, Hochschuldidaktikerin.

Dzifa Vode: Vielen Dank, dass Sie an diesem Gespräch über das Lehren und Lernen an unserer Hochschule teilnehmen. Was haben Sie diese Woche gelernt? 

Niels Oberbeck: Mit unvorhergesehenen Situationen umzugehen und nicht den Kopf zu verlieren. Ich will es nicht Chaosmanagement nennen, aber sagen wir mal: damit fertig zu werden, dass Tage nicht so ablaufen, wie sie strukturiert geplant waren.

Janika Brunner: Studierende scheuen zuweilen die Diskussion im Seminar. Ich habe gelernt, dass – wenn ich mich nicht einfach anschließe, sondern einfach losplappere – da manch Gutes entsteht, weil es die anderen auch motiviert.

Erwin Eckenberger: Ich würde mich Ihnen anschließen Herr Oberbeck, Chaosmanagement finde ich treffend, auch wenn ich vielleicht Zeitmanagement gesagt hätte. Ich habe geplant, aber manchmal kommt es nicht so, wie man möchte. Da muss man Prioritäten setzen.

Simone Weber: Mit welcher Haltung oder inneren Überzeugung beginnen Sie den Tag an der Hochschule?

Niels Oberbeck: Mit Freude auf Begegnungen. Ich komme hier immer gern her. Noch nie habe ich erlebt, dass ich mir bei Terminen oder zufälligen Begegnungen dachte „Das muss jetzt aber echt nicht sein“. Im Gegenteil, meine Tage sind immer bunt und – trotz teilweise starker Strukturierung – passiert immer wieder Unvorhergesehenes.

Erwin Eckenberger: Ich bin auch sehr positiv in der Früh. Man weiß nie, was auf einen zukommt und das ist superschön. Ich fühle mich unglaublich wohl hier und komme sehr gerne hierher.

Janika Brunner: Ich bin jetzt im 7. Semester, also in der Abschlussphase meines Studiums. Ich kenne mich aus an der Hochschule. Ich weiß, wo ich die Bücher finde, wo ich in Ruhe lernen kann. Ich fühle mich erfahren und das fühlt sich gut an.

Niels Oberbeck: Ja, die Hochschule ist ein bisschen wie ein zweites Zuhause geworden, eine vertraute Umgebung, von der ich weiß, ich kann so sein, wie ich bin, ich muss mich nicht verstellen. Das gibt auch ein Gefühl der Geborgenheit.

Dzifa Vode: Was hat sich in den letzten Jahren an der Hochschule verändert?

Niels Oberbeck: Die Lehre ist stärker ins Bewusstsein gerückt. Lehre war eigentlich immer da, aber mehr so nebenbei, so selbstverständlich, dass selten darüber gesprochen wurde. Jetzt, speziell mit dem Projekt QuL und den Maßnahmen, die damit verbunden sind, aber auch durch den Wandel von außen – Kompetenzorientierung, Studierendenzentrierung, Outcomeorientierung – steht das Lehren und Lernen mehr im Fokus.

Janika Brunner: Aus dem Verlauf meines Studiums kann ich sagen, dass ich in den ersten zwei Semestern viel vorgeplant und vorstrukturiert erlebt habe. Jetzt merke ich, dass die Dozenten und Dozentinnen immer wieder neu darüber nachdenken, wie sie lehren und sich auch öffnen. Sie sagen beispielsweise: „Ich weiß jetzt nicht, wie ich das am besten mache – lassen Sie uns das gemeinsam machen.“

Erwin Eckenberger: Die Studierenden werden mit ins Boot geholt. Ich habe das durch ein Projekt bei uns an der Fakultät mitbekommen, bei dem Studierende andere Studierende als Peers beim Forschen unterstützen. Hier hat der Professor den Studierenden viel freie Hand gelassen. Der gleiche Kurs hat im Semester vorher in Form von Frontalunterricht stattgefunden. Durch die Peerberatung hat sich super viel entwickelt. Es macht mit den Studierenden ganz viel, wenn sie merken, dass die Lehrenden ihnen vertrauen.

Janika Brunner: Das benötigt aber Zeit. Manchmal haben die Dozenten und Dozentinnen nicht genug Geduld, den Freiraum zu lassen: Dann kommt vielleicht so ein Pflänzchen hoch und sagt: „Okay, ich würde gerne das so und so machen“. Und schon ist der Dozent wieder da, und die anderen werten seine Meinung so viel stärker als die der Mitstudierenden. Dieses Machtgefälle ist schwierig. Es sollte aufgelöst werden, weil sonst der Platz zum Wachsen fehlt.

Erwin Eckenberger: Ja, dadurch, dass wir alle sehr terminiert sind und es nur eine gewisse Stundenanzahl gibt, bis es zu einer Prüfung kommt, bleibt nicht viel Zeit, um dieses „Pflänzchen wachsen zu lassen“. Hätten wir – Lehrende und Studierende – mehr Zeit und mehr Ressourcen, könnte da viel mehr entstehen.

Niels Oberbeck: Das Wort Machtgefälle hat mich grade aufhorchen lassen, weil wir das eigentlich nicht wollen. Natürlich lässt sich ein völlig gleichrangiges Verhältnis schwer herstellen, weil es immer die gibt, die prüfen, und die, die geprüft werden. Aber im Umgang miteinander sollte man das bereinigen können. Bei dieser Vielfalt von Studierenden, bei diesen knapp 13.000 Menschen, haben viele Studierende Kompetenzen, die die Lehrenden nicht haben. Wir können, wenn man Lehrveranstaltungen entsprechend ausgestaltet, von den Studierenden lernen. Dass das im Alltag nicht in jeder Situation gelingt, kann ich mir vorstellen. Aber daran müssen wir arbeiten.

Simone Weber: Was ist Ihnen in der Lehre wichtig?

Erwin Eckenberger: Professionalität und Partizipation. Dass geschaut wird: Was brauchen die Studierenden? Nicht nur inhaltlich, sondern auch methodisch. Wie kann Lehren stattfinden? Studierende lernen ja ganz unterschiedlich.

Niels Oberbeck: Einmal ist mir die Atmosphäre wichtig. Da kommt es mir darauf an, dass eine entspannte, partnerschaftliche Atmosphäre herrscht. Das kann man zum Beispiel durch die Unterrichtsmethode und vor allem durch das eigene Verhalten herstellen. Inhaltlich ist mir extrem wichtig – das ist mein Hauptfokus –, dass die Lernenden verstehen, warum und wie Dinge funktionieren. Nur dann kann man sie verantwortungsvoll einsetzen. Das stößt nicht unbedingt bei allen Studierenden auf Gegenliebe. Manche sehen es eher ergebnisorientiert, also: Ist das klausurrelevant? Ich versuche das Bewusstsein dafür zu wecken, dass das nicht ausreicht, wenn man einen Beruf verantwortungsvoll ausführen will. Wenn ich die Grundlagen beherrsche, kann ich auch kreativ damit umgehen.

Janika Brunner: Die Lehrenden müssen Raum dafür lassen, dass sich eine Diskussion entwickeln kann. Ich habe schon erlebt, dass Diskussionen aus Zeitmangel kleingehalten wurden. Ich lerne stark durch den Austausch mit anderen. Deswegen ist es mir wichtig, dass es diesen Raum gibt. Da würde ich mir wünschen – da wären wir wieder beim Thema Macht –, dass die Dozenten und Dozentinnen als Personen wahrgenommen werden, die in der Diskussion mit uns gleichwertig sind. Das ist jetzt weniger die Schuld der Lehrenden, sondern eher der Studierenden, die die Dozierenden so hochheben. Sie trauen sich nicht, den Positionen der Lehrenden etwas entgegenzusetzen.

Niels Oberbeck: Dieses Rollenverständnis ist interessant. Als Kind habe ich nicht verstanden, dass meine Eltern auch Personen mit Wünschen, Hoffnungen, Konflikten und schlechten Tagen sind. Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir als Lehrende auf diese Rolle reduziert werden. Das ist vielleicht auch von der jeweiligen Person abhängig. Inwieweit öffne ich mich? Bin ich im Hörsaal nur in der Rolle des Lehrenden oder bringe ich mich als Person ein?

Erwin Eckenberger: Auf jeden Fall würden vielen Studierenden so die Berührungsängste genommen werden. Ich finde es gut, dass unsere Lehrenden an der Fakultät Sozialwissenschaften uns als zukünftige Kollegen und Kolleginnen ansehen und so auch betiteln.

Dzifa Vode: Wenn Sie an aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen denken, was sollten Studierende aus der Hochschule mitnehmen, um diesen begegnen zu können?

Niels Oberbeck: Eine Mischung aus fachlichem Wissen und Urteilsvermögen. An der Hochschule vermitteln wir ja erst einmal die fachliche Bildung. Schließlich braucht man eine fachliche Heimat, um in diesem Bereich professionell beurteilen zu können, was um uns herum passiert. Das ist allerdings mit einer Disziplin nicht erledigt, die dringlichen Zukunftsthemen sind ja häufig interdisziplinär. Aber zumindest in einem dieser Gebiete sollte man gut sein. Zudem die Herangehensweise, wie man mit Informationen umgeht, Informationen aus mehreren Quellen beschafft, sie bewertet, sich daraus ein eigenes Bild schafft und das auch immer wieder in Frage stellt. Dann kann ich als verantwortliches Mitglied der Gesellschaft mitwirken, die gesellschaftlichen Herausforderungen Stück für Stück anzugehen und schließlich zu bewältigen.

Janika Brunner: Ja, mir ist auch wichtig zu erkennen, woher Informationen kommen, wie ich mich darauf stützen kann und in welchen Aspekten sie vielleicht Schwachstellen aufweisen. Informationen beschaffe ich mir aber nicht nur in der Bibliothek, sondern auch im Team. Schließlich arbeiten an all diesen Themen Menschen aus verschiedenen Kontexten. Hierzu muss ich wissen, was mein Fachbereich ist. Hier bin ich ausgebildet und kann mit einem gewissen Selbstvertrauen sagen: So ist es. Aber ich muss auch wissen, wo die Grenzen sind, an denen ich mein Wissen durch Zusammenarbeit erweitere.

Erwin Eckenberger: Hochschule bietet diesen Kontext, in dem wir unsere Persönlichkeit formen können, in dem wir unser Selbstbewusstsein stärken können. Hier können wir ein Standing und eine Haltung zu bestimmten Fragen, die uns im Leben begegnen, entwickeln. Ich habe das Gefühl, dass die Hochschule ein sehr guter Raum ist, um so ein Standing zu bekommen.

Niels Oberbeck: Das ist interessant. Ich habe mir das nie bewusst gemacht, aber ich glaube, eine gute Voraussetzung für ein Selbstbewusstsein ist tatsächlich die Sicherheit, einen gewissen Grundstock an Bildung zu haben, der es uns ermöglicht, die Dinge um uns herum zu verstehen.

Simone Weber: Woran sind Sie hier an der Hochschule gescheitert und was haben Sie daraus gelernt?

Erwin Eckenberger: Ich würde es fast nicht als Scheitern bezeichnen, sondern als Kompromiss. Als Studierender muss ich viel mit Kompromissen arbeiten. Ich glaube, dass es wichtig ist, mit Schwierigkeiten und Herausforderungen offen umzugehen und zu lernen, Kompromisse einzugehen. Kompromisse sind ja per se nichts Schlechtes.

Niels Oberbeck: Ich habe jetzt kein Beispiel für Scheitern – ich hatte viel Glück in den Jahren, die ich jetzt hier bin. Aber wichtig ist für mich die Haltung: „Wer weiß, wofür es gut ist“. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten, Dinge anzugehen, das Leben oder den Bildungsweg zu gestalten. Und wenn dann einer nicht so funktioniert, wie man sich das gedacht hat, ist es eben nur einer von vielen. Dann tut man gut daran zu sagen: Okay, wer weiß, wofür es gut ist. Mal sehen, was jetzt kommt. Ich find es auch interessant, diesen großen Kosmos Hochschule mit all seinen spannenden Menschen einfach mal machen zu lassen. Nicht führungslos, aber jedem Raum zum Ausprobieren geben, Raum für vielleicht auf den ersten Blick völlig abwegige Ideen. Dann guckt man mal, was rauskommt. Und es kommen tolle Sachen raus, die nie entstanden wären, wenn man es nicht versucht hätte. Man muss dann aber auch damit leben, dass ein paar Dinge nicht funktionieren. Das ist nicht schlimm.

Janika Brunner: In der Schule habe ich Chemie und Physik geliebt, aber jetzt studiere ich Soziale Arbeit, weil ich mich auch für Religion, Geschichte und Sozialkunde interessiert habe. Deswegen bin an die Technische Hochschule gegangen, weil ich wusste, es gibt hier noch andere Bereiche. Ich hatte gehofft, hier in Kontakt mit anderen Fächern zu kommen, doch daran bin ich gescheitert. Zwar habe ich den Schwerpunkt integrierte Stadtentwicklung gewählt, weil es hieß, dass wir da Vorlesungen von Architekten bekommen. Das haben wir auch, aber leider haben wir keinen Kontakt zu den Architekturstudierenden. Ich schreibe meine Bachelorarbeit über Technik im Alter. Eigentlich wollte ich die Arbeit mit jemandem aus der Technikrichtung oder aus BWL gemeinsam schreiben. Hier bin ich mit meinen Bemühungen gescheitert.

Niels Oberbeck: Das ist hochschulweit für uns ein zentraler Punkt. Wir haben uns schon lange auf die Fahnen geschrieben, diese Fakultäts- und Säulenstruktur zu durchbrechen: mit übergreifenden Themen, weil – wie wir schon vorhin gesagt haben –, die meisten Zukunftsthemen betreffen mindestens zwei, drei Bereiche. Das ist mühsam. Benötigt werden hier Personen, die offen für interdisziplinäre Ansätze sind. Wichtig zu hören, dass es noch nicht funktioniert. Ich dachte, dass es auf informeller Ebene schon leichter geht, dass Sie sich als Studierende leichter verlinken, als wir das im Bereich der Organisation tun. Das stärker zu befördern ist mir ein wichtiges Anliegen für die nächsten Jahre.

Dzifa Vode: Gibt es noch andere, offene Fragen, die Ihnen auf den Nägeln brennen?

Niels Oberbeck: Mich bewegt die Frage, wie man als staatliche Hochschule mit vielen rechtlichen Fesseln den Bedarf an lebenslangem Lernen besser bedienen kann. Bislang sind grundständiges Studium und die kleinteilige berufliche Weiterbildung stark getrennt, auch gesetzlich. Das möchte ich auflösen: Ich möchte, dass wir da flexibler, reaktionsschneller, kleinteiliger sind. Ich könnte mir vorstellen, dass wir aus den verschiedenen Fakultäten, sagen wir mal, Sozialwissenschaften und Architektur und BWL vier Module zu einem Zertifikat Integrierte Stadtentwicklung oder Cyber Security zusammenschnüren. Aktuell stoßen wir da an rechtliche Grenzen.

Erwin Eckenberger: Wie geht es mit der Hochschule allgemein weiter? Was passiert mit unserer Teilbibliothek? Werden daraus Lernorte für Studierende oder bekommen hier die Fakultäten weitere Büros? Oder bei uns an der Fakultät: Wie geht es weiter mit unseren regionalen Kooperationspartnern? Durch den Weggang alter Dozierender brechen auch Praxiseinrichtungen weg, die oft an die persönlichen Kontakte der Lehrenden gebunden sind. Natürlich ist es schwierig Netzwerke weiterzugeben. Hier müsste Raum geschaffen werden, um einen Übergang zu ermöglichen.

Niels Oberbeck: Die Triebfeder des Leitbilds Lehren und Lernen ist ja „im Dialog sein“. Basis sind Fragen, über die wir in den Dialog treten, nur fehlen uns zum Teil die Gelegenheiten, die Leute zusammenzubringen.

Erwin Eckenberger: Wichtig ist bei diesem Dialog auch: Wer fragt, wer ist beteiligt? Häufig sind es die Studierendenvertreter, aber wichtig wäre auch ein Dialog von unten nach oben, z. B. mit einer Plattform, damit der Weg nicht so lang ist und der Prozess flexibler.

Janika Brunner: Ja, da wäre ich auch dafür. Ich habe mich aus der Hochschulvertretung rausgehalten, weil es so viel anderes in meinem Leben gibt. Aber trotzdem geistern viele Dinge in meinem Kopf herum. Wenn das jetzt hier nicht zufällig zustande gekommen wäre, hättet ihr die nie gehört.

Simone Weber: Wenn Sie sich die Hochschule erträumen könnten – wie würde sie aussehen?

Niels Oberbeck: Wir hätten flexible Flächen als Begegnungsflächen für Lehrende und Lernende: informelle und formelle. Und flexible Flächen für Forschung, woran wir ja auch tatsächlich gerade arbeiten. Außerdem hätte ich gerne eine Hochschule, in der Fakultäten zwar fachliche Heimaten sind – und auch ein Stück soziale Heimaten –, aber keine Grenzen bilden, sondern wo sich die Personen als Hochschulangehörige verstehen und froh sind, dass sie noch mindestens elf andere Fachrichtungen um sich herum haben, mit denen sie kommunizieren können. Und ich stelle mir Studierende vor, die über Altersgruppen hinweggehen, die in grundständigen Studiengängen sind oder im reiferen Alter noch eine kleine Fortbildung machen. Ein offener Ort der Begegnung, der Bildung und des Dialogs.

Janika Brunner: Ich würde mir ein Seminar nach dem Seminar wünschen. Oft frage ich die Dozenten und Dozentinnen nach dem Seminar etwas, z. B. nach der beruflichen Praxis, und da entstehen immer die besten Gespräche. Das Seminar nach dem Seminar, quasi informell.

Erwin Eckenberger: Ich wünsche mir einen Slot, in dem man das, was in der Lehre angeschaut wird, nochmal gemeinsam aufarbeitet, vielleicht mit Lehrenden, vielleicht ohne.

Niels Oberbeck [an die Studierenden]: Würden Sie nochmal an die TH Nürnberg gehen, wenn Sie nochmal nach der Schule oder zum Start in das Studium entscheiden könnten?

Janika Brunner: Mhm, joaaa. Ich habe gerade überlegt, warum ich mich überhaupt entschieden habe für die TH. Da war vor allem dieses Interdisziplinäre, was ich dann leider nicht so gefunden habe. Aber wenn ich nun höre, dass es geplant ist und ich vielleicht in 10 Jahren berufsbegleitend hier weiterlernen kann, dann würde ich sagen: Ich komme wieder.

Erwin Eckenberger: Definitiv. Ich fühle mich unglaublich wohl hier. Das versuche ich auch immer an unsere Erstsemester weiterzugeben. Dieses Wohlbefinden hängt viel damit zusammen, dass ich mich mit meiner Hochschule identifiziere.

Dzifa Vode: Vielen Dank für das Gespräch.